Nun mal angenommen er weiß was er sagt und spielt den Schnitt? Warum denn nicht? Wie lange braucht man denn, Darts zu lernen? Er spielt seit 3 Jahren und hat ständig nur die PDC und BDO-Events als Beispiel vor Augen. Darts gefällt ihm und er versucht, sich dem gesehenen zu nähern. Er interessiert sich für Technik und Ausrüstung der Profis, lernt durch Nachahmen und hält 15 Darter auf Bull für das mindeste, das ja wohl mal rauskommen sollte bei einem normalen Leg. Da das bei ihm noch nicht so ist, will er sich auf ein paar echten Veranstaltungen den letzten Schliff holen.
Prima, warum denn nicht? Ich bin überzeugt davon, dass es viel mehr Talente gibt, als wir ahnen. Und einige davon werden durch die Übertragungen angeregt worden sein und werden so langsam "reif". Zieht euch warm an, Kollegen, da ist so einiges im Anmarsch, das meine ich ernst ohne Zwinkersmiley.
Allerdings könnte man auch einiges einwenden... Dart-Profis haben's nicht leicht. Ständig Leistungsdruck, Rumreiserei zu interessanten Orten, dort nur die Hotels sehen, immer die gleichen Leute, ungesunde Ernährung, eine seeeeehr stumpfsinnige Tätigkeit, wenn man es mal ehrlich oder gar vom intellektuellen Standpunkt aus betrachtet - also ich wollte dieses Leben nicht auf Dauer führen. Ja, auch ich habe so meine sportlichen Ziele im Dart, realistische und schwärmerische, warum auch nicht? Aber Dart-Profi, das ist so eine Sache. Wie viele verdienen in ihrer Karriere so viel, dass sie sich nach 10 Jahren zur Ruhe setzen können? Und als wie erfüllend beurteilen sie diese Zeit nachher? Wie geht es heute Jocky Wilson? Auch Andy Jenkins dürfte zur Zeit so seine Meinung haben, und der war als Jugendlicher richtig gut (ist er immer noch). Terry Jenkins hat seinen Ausstieg schon angekündigt - er liebt Antiquitäten (war das nicht so?) und will nicht sein ganzes Leben mit Darts "verschwenden". So nett es ist, man lebt nur einmal.
Und wenn es sich denn ergibt, die Erfolge nicht abreißen, die Sponsoren Schlange stehen und das jubelnde Volk einfach keine Ruhe gibt - dann machst Du das eben mal 2-4 Jahre professionell, wird sicher eine tolle Zeit!
Abschließend und ohne jemanden veräppeln zu wollen: Das hört sich so ähnlich an wie die Geschichte von jemandem, der einen, nun ja, Erwachsenenfilm gesehen hat, einen Average von 35 cm über 90 Minuten hält und ein allgemeines Interesse an der Tätigkeit hat. Er glaubt daher, vor der Kamera agieren zu können, dies zu wollen oder auch zu müssen.
Ich denke mal, dass die Realität in beiden angesprochenen Berufen komplizierter ist, aber auch im Amateurbereich kann man mit weniger herausragenden Leistungen viel Spaß haben, ohne deshalb alles nur darauf ausrichten zu müssen. So erhält man sich dauerhaft den Spaß an einem schönen Sport. Oder zweien. 