Ach Göttchen, dann lasst ihn doch!
So ein Artikel sagt doch mehr über den Schreiber aus als über den Sport, über den er zu berichten versucht.
Noch einmal:
er hat den Sport richtig beschrieben, die meisten - nicht alle! - Athleten sind wohlgenährt, die PDC World Championship findet halt immer zu Weihnachten statt, wenn ihn das alles stört, hat er ein Problem.
Das Phänomen tritt ja nicht nur unter Journalisten auf, sondern auch unter Ärzten, wie ich selbst vor einigen Wochen in Erfahrung bringen durfte.
Präzisionssportarten (Bogensport/Schützensport, Pétanque, Curling, Golf ... eben auch Darts) werden von den meisten Menschen - vor allem aber Deutschen - nicht als Sport angesehen, weil es bei diesen Aportarten nicht primär auf körperliche Fitness ankommt, sondern auf geistige Leistungsbereitschaft. Das ist den meisten zu hoch angesiedelt, sie müssen das körperliche Erlebnis haben. Das intellektuelle Moment geht den meisten ab. Fussball, Skisport (vor allem Abfahrt), Handball, Tennis - alles mehr oder weniger gutaussehende, schlanke, durchtrainierte Gestalten, meistens jüngeren Alters. Mit anderen Worten: etwas das man gerne sieht, weil man es mit sportlicher Betätigung verbindet.
Präzisionssportarten werden als Randsportarten gewertet, belächelt, abgetan mit den Worten "... da strengt man sich doch nicht so an, ist also kein Sport" (Aussage meines Sportarztes). Das diese Sportarten allerdings wenig mit dem Alter zu tun haben, beweist die indonesische Luftpistolen-Teilnehmerin bei den Olympischen Spielen 2008 - die Dame war 67 (sah allerdings wie 45 aus), und belegte in ihrer Disziplin den zweiten Rang, so viel wie ich weiss.
Aufgrund des Daseins im Schatten der populäreren Breitensportarten haben diese Sportarten ein Problem, Nachwuchs zu finden, Trainer zu akquirieren, um aus diesem "Jammertal" heraus zu kommen.
Beispiel aus dem Bogenschiessen:
Die Deutschen haben in der Olympiaqualifikation für 2008 eine höhere Ringzahl erreicht als die Abonnementsieger aus Südkorea (nota bene: dort ist Bogensport ein Volkssport und wird auch so gefördert!). Bei Olympia 2008 - zum 100jährigen Bestehen dieser Sportart im olympischen Ablaufplan - wurden die Deutschen unter ferner liefen gehandelt - und haben auch dem entsprechend geschossen (vierter Rang). So wurde aus dem Fünkchen Hoffnung für diesen Sport wieder nichts:
kein Erfolg
-> keine mediale Aufmerksamkeit = keine Übertragung der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender
-> keine Popularität
-> keine Geldzuwendungen aus dem Topf des DOSB
-> keine/wenig bezahlte(n) Trainer
-> keine Nachwuchsförderung
-> keine Qualifikation zu WM/Olympia
-> kein Erfolg
-> ...
... ich beginne unbeabsichtigt, mich zu wiederholen.
Und damit fängt ein anderer Kreislauf an, den ich gerade im Bogensport beobachten konnte:
- "ach, das sind die modernen Robin Hoods" (wie ich den Satz gehasst habe...)
- "wie kommt ihr eigentlich auf die Ergebnisse, ihr könnt doch nicht zielen" ("ein Visier ist bei uns schon vorhanden" - "ach, dann ist es ja einfach...")
- "das ist ein Sport für die ganz Reichen" ("nö, 'ne komplette Fußballausrüstung kostet genau so viel ... und muss immer erneuert werden")
- "tolle Leistung..." (endlich mal einer, der...) - "... wie stellt ihr Euch ruhig? Joint oder so?" ("fällt bei uns unter Dopingmittel..." - "ha ha ha!")
- "ich habe keine Ahnung..." ("man merkt's..." - "hey, werd' nicht frech" - "nö, ich stelle nur fest")
Im Dartsport kommt noch erschwerend hinzu, das ihm immer noch eine gewisse "Bierseligkeit" zugesprochen wird, er aus dem "Muff der Eckkneipe" entstammt (ich frage mich, wo um Himmels Willen es bei uns in Deutschland noch Eckkneipen gibt).
Leute, ich bin erst seit Anfang Dezember '14 dabei - aber ich habe immer bewundert, das es hier und da den einen oder anderen Verein gibt, der auch aktiv war.
Deshalb wünsche ich Max Hopp viel Erfolg. Ein gutes Abschneiden im PDC World Championship kann nur von Vorteil sein.
Peter
P. S.: ich lese mir gerade die online-Ausgabe der FAZ durch. Doch ziemlich solide, auch mit Hintergrundwissen des Autors gefüllt. Vielleicht ist der obige Artikel nur ein Ausrutscher (kann dem Besten Journalisten unterlaufen) oder eine gelungene Ironie. Damit hätte er seine Aufgabe erledigt... 