Beiträge von Fastdrin

    @DOS

    uiuiui, das sind ja gleich 3 schwierige Fragen auf einmal, ich versuchs trotzdem mal:

    Aufwärmen

    Zu meiner Schande muß ich gestehen dass ich mir über sinnvolle Aufwärmübungen bisher noch keine Gedanken gemacht habe, abgesehen davon dass ich am Anfang versuche so locker wie möglich zu werfen. Die Idee finde ich aber super, da werde ich mir mal ein paar Gedanken machen und etwas rumexperimentieren. Wie Du schon schreibst glaube ich auch dass kreislaufintensive Übungen wie z.B. Seilspringen kontraproduktiv sind, schließlich ist Darts ja kein Biathlon :) . Wenn ich was Brauchbares gefunden und getestet haben sollte, lass ich es Euch wissen ...


    Fußstellung

    Was meine Gedaken zur Fußstellung angeht: Der Stand sollte ja möglichst stabil und gleichzeitig entspannt sein, deswegen versuche ich überflüssige Verdrehungen im Becken und Wirbelsäulenbereich zu vermeiden. Im Ergebnis definiert dann meine Schulterachse wie ich die Füße auf den Boden stelle. Auf meinen Wurf bezogen: Meine Schulterachse ist annähernd in Wurfrichtung ausgerichtet mit ca. 5-10 Grad Abweichung. Mein vorderer Fuß steht in 90 Grad zur Schulterachse, d.h. nicht ganz parallel zum Oche sondern mit eben 10 Grad Abweichung. Der hintere Fuß steht so, dass ich einen entspannten Stand finde wenn ca. 70% bis 80% des Gewichtes auf dem vorderen Bein sind. Gleichzeitg drehe ich den hinteren Fuß um ca. 20 Grad gegen die Uhrzeigerrichtung (ausgehend vom vorderen Fuß), dadurch wird ein wenig Spannung erzeugt die den Stand stabiler gegen unbeabsichtigtes Verdrehen macht.


    Griff

    Das Thema Griff / Release ist wahrscheinlich das komplizierteste Thema im gesamten Bereich weil die entscheidende "Aktion" im Hochgeschwindikeitsbereich außerhalb jeglicher Kontrolle stattfindet: Das Handgelenk federt nach vorne und die Hand öffnet sich und entlässt den Dart (hoffentlich) in Richtung Ziel. Der Griff hat genau die Aufgabe das Handgelenk vorab in die richtige Stellung zu bringen damit dieser Automatismus greift.
    Je mehr Finger ich hier einsetze und je "komplizierter" ich meinen Ausgangriff konstruiere, desto größer ist die Gefahr, dass sich beim Öffnen der Hand irgendein Finger destruktiv in diesen Automatismus eingreift und den Dart dadurch völlig verreißt. Die Dartritis steht mit Sicherheit vor der Haustür wenn man dann versucht hier einzugreifen und das Release bewußt kontrollieren zu wollen.
    Außerdem führt ein komplizierter Griff zu mehr Verspannungen in der Hand die grundsätzlich die Lockerheit des Handgelenks beeinträchtigen. Leider gibt es - anders als z.B. beim Golf - keinen Schulbuchgriff, weil die Hände zu unterschiedlich sind. Bei eigentlich allen mir bekannten Griffen wird die eigentliche Beschleunigung durch Daumen und Zeigefinger erzeugt, damit wäre theoretisch ein 2-finger Griff die Ideallösung. Leider fühlt sich das recht komisch an und hat beim Greifen zu wenig Kontrolle, deswegen komme ich auch nicht ohne einen 3. Finger aus.

    2 Tage sind nun wirklich nicht viel gerade bei so einer gravierenden Änderung

    Kann ich nur voll unterstreichen. Oft genug stellt sich heraus, dass kurzzeitige Verbesserungen entweder zufällig sind bzw. durch ein verändertes Konzentrationslevel wegen der aktuellen Anpassung entstanden sind. Das ist übrigens ein Effekt der sich oft auch beim Wechsel der Pfeile beobachten lässt! Ob der neue Griff wirklich Vorteile bringt kannst nur Du mit Deiner Hand beurteilen, grundsätzlich würde ich aber eher abraten mehr Finger ins Spiel zu bringen, da kann schnell ein Finger störend ins Release eingreifen und schon klopft die Dartritis leise an der Tür ...

    Ach Leute, in dem ganzen Thread argumentiert doch jeder auf der Basis seiner aktuellen (oder einer theoretisch als gegeben angenommenen) Spielstärke. Es macht aber durchaus Sinn seine Wege der Individuellen Spielstärke anzupassen, das heißt doch noch lange nicht das Weg A für Spieler 1 genauso gut ist wie für Spieler 2. Ich hab hier nur sehr wenig Vorschläge gelesen, die komplett ohne Gehirnschmalz entstanden sind...
    Natürlich gibt es irgendwann "Hassdoppel", und die können sich je nach Trainingsstand aber wieder komplett ändern. Auch für Checkoutwege gilt halt: Tempora mutant et nos mutamur in illis ;)

    Wenn Du bei den schwereren Steeldarts bleiben solltest denk vielleicht mal daran, dass die Wurfbewegung einen Tick langsamer (ruhiger) ist weil die Darts eben mehr Masse mitbringen. Wenn Du versuchst das mit zusätzlicher Kraft zu kompensieren wird der Wurf dann schnell "out of sync" und Du kannst das Loslassen nicht mehr sauber koordinieren. Das ergbit dann ganz genau den Effekt den Du beschrieben hast. Einfach geduldig bleiben, dass Gefühl sollte sich schnell wieder einstellen.

    Nachdem Du so wunderbar beschrieben hast wie dein Problem aussieht meine kurze Einschätzung: Ich vermute dass Dein Problem nicht mit anderen Darts so einfach beerdigt ist. Höchstwahrscheinlich gibt es da eine desktruktive Handgelenksbewegung beim Release die entweder durch den Griff oder die Armstellung vorbereitet wird.
    Natürlich wirst Du mit snderen Darts das Trefferbild ein wenig verbessern können, aber grundsätzlich ist es immer die bessere Idee die Ursache und nicht das Symptom zu bekämpfen.

    Vielleicht mal 2 kurze Punkte zu Klarstellung meines OP:

    Es geht mir keinesfalls um das reine Wohnzimmerdarten mit der stillen Hoffnung einst wie Phoenix aus der Asche Herrn Taylor beerben zu können. Natürlich dann auch ab in die Kneipe, Spaß haben und sich mit anderen messen! Mir persönlich machts halt ein wenig mehr Spaß wenn ich auch das eine oder andere Leg gewinne :cool: . Aber ich trainiere auch gerne mal im stillen Kämmerlein, hat bisweilen was schönes meditatives und macht auch Freude, vor allem wenn man sich weiterentwickelt. Wieviel Zeit man dafür aufwenden will steht auf einem ganz anderen Blatt, das kann nur jeder für sich entscheiden.

    Bzgl. der heiß diskutieren Frage "Darts durch den Raum werfen": Es geht mir darum, dass man sich mit Dartboard nur schwer vom Ziel lösen kann und es so schwerer ist sich rein auf die Wurfmechanik konzentrieren kann. Wie die Lösung dazu aussieht ist eigentlich schnuppe, wahrscheinlich gibt es auch Spiele die das Board eine zeitlang völlig ignorieren können.

    P.S.: @O_K Bin neugierig bzgl. Deiner Erfahrungen u.a. mit gezielter Turniervorbereitung, gib doch ab und zu mal Bescheid über Deine Erfahrungen!

    Ico Es geht darum Muskelgedächtnis aufzubauen, eben damit es dann ohne Denken automatisiert abläuft.

    Das funktioniert viel besser wenn man die eigentliche Bewegung variiert, in Teilelemente zerlegt und wenn möglich in unterschiedlichen Geschwindigkeiten übt. Diese Methode wird in ganz unterschiedlichen Bereichen erfolgreich angewandt (z.B. Klavierunterricht, Golf etc.), warum also nicht auch auf Dart übertragen?

    Dank Deines Youtube-Kanals weiß ich dass ich Deine Spielstärke in diesem Leben sicher nicht mehr hinbekomme (Neid!), ja, für meine Verhältnisse hat sich sehr viel in relativ kurzer Zeit verbessert. In einem Jahr sprechen wir nochmal drüber .... :S

    Hört sich ja ganz gut an, bis auf den Punkt mit dem komplett ohne Board, einfach durch den Raum pfeffern! Ich glaube nicht das das was bringt, außer der Gefahr nach solch einer Übung jemanden aus versehen mit dem Dart abzuwerfen. Sorry, aber das sollte man sein lassen.

    Ich gebs zu, das klingt schon dämlich klappt aber erstaunlich gut (mit Steeldarts ist natürlich besondere Vorsicht angebracht). Die Alternative mit einem neutralen Board bzw. einer Korkplatte hat natürlich auch was, vielleicht fällt jemandes dazu noch die "perfekte" Lösung ein.

    Was für ein Niveau spielst du denn, oder von wo nach wo hast du dich verbessert nachdem du dein Training wie beschrieben verändert hast?

    Nachdem ich nach fast 20 Jahren Dartpause erst seit knapp 3 Monaten wieder regelmäßig spiele hält sich das Niveau leider noch in Grenzen. Hat mich aber in der Zeit von Streuselkuchendarts wieder auf einen stabilen 50er Ave gebracht und bin damit schon recht zufrieden, das ist in etwa das was ich in meinem früheren Dartleben so maximal gespielt habe. Ich merke aber deutlich dass meine Lernkurve so viel steiler ist als durch unreflektiertes Aneinanderreihen von Trainingsspielen.

    Grundsätzlich leuchtet es mir einfach nicht ein, warum in "ähnlichen" Sportarten Berge von Trainingsliteratur gibt und wir Dartspieler nur darüber diskutieren ob ich Round the World besser im oder gegen den Uhrzeigersinn spielen. Und wenn ich nix mehr treffe sind bestimmt die Schäfte schuld oder ich brauch mal wieder neue Darts...

    In den allermeisten Fällen wird beim Darten Training ja gleichgesetzt mit Übungsspiel auf das Board, und die Trainingstips kreisen um die Frage welche Felder oder Feldkombinationen die sinnvollsten sind. Das Problem dabei ist, dass man dabei die eigentliche Mechanik des Wurfes in der Regel als "gegeben" ansieht, man unterstellt einfach dass durch häufiges Wiederholen automatisch schon besser wird. Natürlich stimmt das bis zu einem gewissen Grad, allerdings lernt oft genug nur wie man seine eigenen etwas Wurfmacken besser kompensiert. Oder wie es bei mir mal ein Golfpro formuliert hat: "Das war kein guter Schlag, das war kompensierter Zufall".

    Ich bin überzeugt, dass man als Darter eigentlich mindestens 50% seiner Trainingszeit der reinen Wurfmechanik widmen sollte, der Rest wäre dann fürs Board reserviert. Aber wie könnte ein solches Training denn aussehen? Nachdem die Literatur in dem Bereich bekanntlich recht dünn ist, habe ich hier mal ein paar Anregungen zusammengestellt.

    Training ohne Board

    Als ich noch kein Dartboard in der Wohnung hatte, habe ich aus der Not geboren ohne Board geübt. Man braucht so ca. 4m freie Flugbahn im Raum und einen "Kugelfang" für die Darts um die Einrichtung zu schonen. Bei Steeldarts eignet sich als Kugelfang z.B. eine dickere Schaumstoffplatte. Bei Softdarts kann man sich einen Satz Spitzen abschneiden und vorne mit Sandpapier etwas abrunden, damit kann man dann auch unbesorgt aufs Sofa oder Bett werfen.

    Inzwischen habe ich ein Board, allerdings trainiere ich die Wurfmechanik konsequent ohne Board. Ich habe einfach festgestellt, dass man so weniger auf das Ziel fixiert ist und sich deutlich besser auf die verschiedenen Aspekte der Wurfbewegung konzentrieren kann.

    Vorsicht, der Wurf muß regelmäßig am Board überprüft werden da man sonst keine Rückmeldung über die korrekt Wurfhöhe hat. Mehrere Stunden oder Tage ohne Board könnnen eigenartige Phänomene erzeugen, glaubt mir ich weiß wovon ich spreche :) Mit Zeit und Übung pegelt sich sich dann aber auch eine stabile Wurfhöhe ein.

    Grundsätzliche Überlegungen

    Beim Training der Wurfmechanik sollte man nach Möglichkeit nur ein Detail herausnehmen auf das man sich besonders konzentrieren will. Also nicht z.B. gleichzeitig versuchen die Ellenbogenstellung zu korrigieren und langsamer im Rhythmus zu werden. Immer schön eins nach dem anderen.

    Außerdem gilt grundsätzlich die Regel: Trainiere Darts als ob Du nach Zeit bezahlt wirst und nicht nach Stückzahl. (Ja, auch diese Weisheit ist von einer Golftrainerlegende geklaut: Harvey Penick) Idealerweise sind zwischen zwei Würfen immer ca. 20 Sekunden Pause, wem es schwerfällt sich selbst zu bremsen kann es so machen wie ich: Abwechselnd mit dem einen und dem anderen Arm werfen. So bekommt der Wurfarm immer ausreichend Pause, außerdem kann ein Arm vom anderen lernen (ja, so etwas geht!).

    Übungsbeispiele

    Greifen der Darts


    Ein großer Anteil schlechter Würfe dürfte seine Ursache im unregelmässigen Greifen der Darts haben. Meiner Meinung ist es eine echte Kunst, den Dart immer gleich zu greifen, insbesondere weil das beim Darten ja automatisiert abläuft und ich Fehler nicht mehr wahrnehme.
    Training beim Greifen heisst sich die Bewegung vom Follow Through zum Dart immer wieder bewusst machen: Was macht mein Oberarm / Unterarm / Handgelenk, wie greifen meine Finger? Diese Bewegung trainiert sich dann am besten in unterschiedlichen Geschwindigkeiten, mal Superzeitlupe, mal langsam, mal Normalgeschwindigkeit.

    Eine Übung hat mir beim sauberen Greifen sehr weitergeholfen, allerdings dürfte sie sich bei jedem Griff eignen. Falls sich beim Griff der Dart ohne Daumen noch halten lässt wenn der Arm senkrecht nach unten hängt, dann sollte man mal versuchen den Dart ohne Daumen zu greifen und den Daumen erst verzögert einzusetzen. Zugegeben, das ist anfangs richtig schwer, aber es schult das Gefühl beim Greifen ungemein.


    Wurfbewegung variieren

    Beim Training variiere ich die Elemente der Wurfbewegung bewusst, das unterstützt u.a. den Aufbau des Muskelgedächtnisses:

    • Werfen mit unterschiedlichem Kraftaufwand bzw. Wurfgeschwindigkeit
    • Bewusstes Vorwippen mit Unterarm, z.B. 5x Wippen vor dem ersten Dart, 4x vor dem 2. Dart, 3x vor dem 3. Dart
    • Verlängerung bzw. Verkürzung vom Rückschwung
    • unterschiedliche Wurfhöhen einstreuen
    • No-Look Würfe einstreuen
    • etc. etc


    Wurfrhythmus variieren

    Auch hier gilt es unterschiedliche Varianten in das Training einzustreuen.
    Ich selbst ziele vor dem Wurf, d.h. ich unterbreche den Bewegungsablauf kurz um mich zu konzentrieren. Beim Training streue ich aber bewusst ein paar Rhythmusrunden a la van Gerwen ein in denen ich die 3 Darts in durchgehender Bewegung abfeuere.
    Ein tolles Hilfsmittel zum automatisieren des gesamten Bewegungsablaufes ist Musik, am besten einen stark rhythmusbetonten Song nehmen (ich nehme eher einen langsamen Groove). Dazu versuche ich die gesamten Bewegungen im Timing der Musik ablaufen zu lassen, und zwar erst einmal Half-Time und dann relativ dazu in der doppelten Geschwindigkeit.

    Wurf überprüfen

    Im Zeitalter von Smartphones / Tablets ist es ein leichtes, sich selbst beim Werfen aufzunehmen und kritisch zu hinterfragen. Bei meinem Tablet gibts eine Frontkamera mit der das Gerät als Art Spiegel misbrauchen kann. Eine hervorragende Perspektive zur Selbstkontrolle ist dabei die Froschperspektive direkt unterhalb des Wurfarms, das geht per Tablet oder per Spiegel der vor dem Oche auf den Boden oder einen Stuhl gelegt wird. Die typischen Fehler bei der Ausrichtung des Arms erkennt man damit wunderbar.

    Wie Haehni schon richtig erklärt hat: Das Anhalten des Wurfarms geht nur, wenn die Muskeln während des Wurfes eine Gegenbewegung einleiten. Und jede überflüssige Bewegung, die nicht den eigentlichen Wurf unterstützt, ist eben eine potentielle Fehlerquelle.

    Außerdem erleichtert das Follow Through das Muskelgedächtnis beim Wurf, vermutlich weil die natürliche Zeigebewegung in den Wurf integriert wird.

    Erzwingen und nach dem Wurf krampfhaft auf das Ziel zeigen wollen ist natürlich kontraproduktiv, idealerweise schwingt der Arm danach automatisch in der Abwärtsbewegung weiter.

    Ich glaube übrigens dass die Erklärung, warum Anfänger meistens kein Follow Through haben weniger die Schutzbewegung ist, sondern dass sie intuitiv stoppen weil sich nach dem Release die Hand ja wieder vom Ziel wegbewegt. Also eher die Furcht, der Wurf könnte dadurch ungenauer werden.