Wahnsinn, dass man über eine prinzipiell klare Definition und - letztlich - ein wenig Grundschulmathematik seitenlang diskutieren kann
Weil die Definition eben nicht so klar ist. Man kann doch zwischen Langzeit-Average und Spiel-Average unterscheiden. Der Langzeit-Average ist ein fester Wert, der sich aus daraus ergibt, dass man die Punkte, die man je gespielt hat, durch die Anzahl an Darts, die man je gespielt hat, dividiert.
Der Spiel-Average bezieht sich auf den festgelegten Zeitraum, z.B. eine Trainingseinheit, dort wird letztlich genauso gerechnet wie beim Langzeit-Average, nur dass man eben ausschließlich die Daten der Trainingseinheit zugrunde legt. Der schwankt natürlich von Session zu Session. Wenn man seine Daten so erhebt, ist es völlig legitim, wenn man beispielsweise sagt: Mein Average liegt zwischen 55 und 60. Wobei richtiger wäre: "Meine Averages liegen..."
Ich glaube, die Meisten von uns erheben ausschließlich die Session-Averages, und ich finde ehrlich gesagt, das macht auch am meisten Sinn. Der Langzeit-Average hat zwar den Vorteil einer punktgenauen Aussage, aber was ist diese wert? Sie sagt uns gar nichts über die aktuelle Qualität des Spielers. Beispiel: Michael van Gerwen...der hat meinetwegen einen Langzeit-Average von 90. Das ist ja ganz toll, aber momentan gewinnt der Bengel nahezu alles, was er spielt, weil er eben in letzter Zeit, mal die Ausreißer außer Acht gelassen, 97 bis 108 spielt. Welchen Wert hat also der Langzeit-Average, wenn man an diesem keinen aktuellen Bezug ableiten kann? Praxisorientiert finde ich es auch völlig legitim, von-bis - Werte zu nennen, da man daran sehr gut ablesen kann, was die Leute in der Spitze spielen und wie hoch die Konstanz dabei ist. Man selbst orientiert sich an seinen Spitzenwerten, weil man diese konstant halten oder sogar ausbauen will.
Außerdem ist der Average, wie Viele schon sagten, ein guter Richtwert, aber eben auch nicht alles. Ein Spieler, der 3mal 21 Darts wirft und 1mal mit 45 Darts ein Leg verhaut (wie es bei den Meisten von uns durchaus mal vorkommen kann, obwohl 45 zugegeben schon hart ist), hat einen niedrigeren Ave als jmd, der konstant 4mal 24 Darts wirft. Würden diese beiden Spieler aber mit diesen Performances gegeneinander spielen, würde der Spieler, der hier den schlechteren Wert hat, gewinnen. Insofern ist der Ave ein guter Richtwert, man muss ihn aber auch immer im Zusammenhang sehen, wie er zustande kam.
Das eigentliche Problem sehe ich aber darin, Averages hier vergleichen zu wollen, denn eigentlich geht das nicht, weil die Voraussetzungen unterschiedlich sind. Jeder bezieht sich auf Spiele mit Gegnern, und sei es nur der Computergegner. Da trainiert aber Jeder anders: Der eine sucht sich einen Gegner aus, der ebenbürtig oder sogar stärker ist, der andere übt das Checken oder holt sich Selbstvertrauen über schwächere Gegner. Echte Vergleiche lassen sich dadurch gar nicht ziehen. Ein Beispiel: Ein Spieler spielt gegen den Computer "Level 1", er gewinnt 9-1 nach Legs. Einen Tag später spielt gleicher Spieler gegen "Level 5", der ebenbürtig ist. Hier spielt er meinetwegen 5-5, wobei die Qualität seines Spiels die Gleiche war, wie am Vortag. Fakt ist (im Normalfall), dass der gleiche Spieler mit der gleichen Qualität am ersten Tag sicherlich einen schlechteren Ave hat als am Zweiten, weil die Voraussetzungen zur Erhebung wesentlich verändert wurden. Und deshalb können wir hier nur grob orientierungsmäßig Vergleiche ziehen. Richtige Vergleiche ergäbe es dann, wenn Jeder von uns seine Daten völlig ohne irgendwelche Gegner erhebt.