Hallo markus9685 und auch an alle Anderen
ich finde es große Klasse, wie hoch die Bereitschaft hier ist, sich gegenseitig zu unterstützen. Und das obwohl Darts doch vom Ursprung her eine sehr ausgeprägte Einzelsportart ist. Das zeigt für mich sehr deutlich, das ein Einzelsportler nicht zwangsläufig auch ein Egoist sein muss. Wobei ich den Stil und den Umgangston hier auf dieser Plattform wirklich ausserordentlich angenehm und positiv empfinde.
Auch inhaltlich finde ich die meisten Aussagen und Tipps, die ich hier in diesem Thread finde vom Grundsatz her richtig (Ausnahmen bestätigen die Regel) . Ich fürchte allerdings, dass sie, vermutlich, Markus nicht wirklich weiter helfen bzw. weiter bringen.
Damit Tipps "aus der Ferne" wirklich hilfreich sein können, müssen bei dem betreffenden Spieler schon ein paar ganz grundlegende Dinge sicher gestellt sein. Wenn das nicht gegeben ist, dann helfen die schönsten Übungen genauso wenig, wie die Trainingszeit massiv auszuweiten.
Auch ich kann "aus der Ferne" nicht wirklich beurteilen, woran es bei Markus liegt. Die Schilderung dessen, was er schon alles versucht hat, lässt allerdings vermuten, dass einfach noch einige Basics fehlen.
Die häufig gelesene Aussage, dass es nicht nur "eine einzige korrekte Technik" gibt ist zwar richtig. ier aber fast ebenso häufig daraus abgeleitete Schlussfolgerung dass "jede Technik richtig ist" ist aber falsch.
Sie resultiert vor allem aus der Historie, dass die allermeisten aktuellen Dartspieler Autodidakten sind, die alleine durch Versuch und Irrtum ihren eigenen Stil und ihre eigene Technik herausgefunden haben. Es ging einfach nicht anders, weil es keine Möglichkeit gab, sich von einem ausgebildeten Trainer anleiten zu lassen. Schlicht und einfach weil es keine ausgebildeten Trainer gab. Ob man diese Spieler heute noch "umerziehen" kann um sie zu einer besseren Technik zu bringen, ist unter den inzwischen ausgebildeten Trainern eine brandaktuelle Diskussion. Das wäre aber ein Thema für einen eigenen Thread, denn hier geht es ja um "Anfänger".
Bei Anfängern steht es inzwischen außer Frage, dass sie mit Anleitung eines qualifizierten Trainers um ein vielfaches schneller lernen (und damit besser werden) als durch Versuch und Irrtum. Denn tatsächlich ist der Unterschied zwischen "mit Trainer traineren" und "ohne Trainer trainieren" bei Anfängern viel größer, als bei Spielern, die schon länger spielen. In dieser Beziehung ist Dart gut mit "Tennis" vergleichbar". Dort ist es undenkbar in diesen Sport einzusteigen ohne dass die Grundtechniken von einem Trainer vermittelt werden. Viele Spitzensportler im Tennis verzichten aber auf einen Trainer sondern gestalten ihr Training selbst. Warum ist das so? Weil ich im Tennis richtig zum Ball stehen muss, denn Schläger richtig in der Hand halten muss und die richtige Schlagbewegung ausführen muss. Wenn ich beim Schlag immer zu weit weg vom Ball stehe, dann ist es völlig egal, wie oft und wie lange ich das trainiere. Es kann nicht wirklich gut werden.
Dart ist dazu absolut vergleichbar. Der Stand und der Bewegungsablauf beim Wurf scheint sehr einfach zu sein. Bei genaueerem HInsehen stellt sich aber heraus dass es zwar nur ein Bewegungsablauf , dieser aber hochkomplex ist. Ausserdem gibt es dafür nicht eine perfekte Lösung, sondern verschiedene Varianten die für verschiedene Spieler die jeweils beste Lösung darstellen. Daneben gibt es aber unzählige Lösungsansätze, die den Spieler in seinem potentiellen Leistungsvermögen limitieren. Auch wenn sie auf den ersten Blick auch funktionieren könnten.
Deshalb ist es gerade für Anfänger hilfreich, wenn sie in einer ersten Phase gemeinsam mit einem Trainer herausfinden, welche der vielen Varianten eine für ihn geeignete ist, um diese dann auch intensiv zu trainieren. Dabei hilft es natürlich, wenn der Trainer nicht nur lange Erfahrungen als Spieler vorweisen kann, sondern auch in einer Ausbildung gelernt hat, worauf man bei der "richtigen" Technik achten sollte.
Und auch das muss geübt werden: Die Beobachtung und Analyse der Technik eines anderen Spielers. Etwas was auch Spieler die jahrelang selbst spielen , i.d.R. nie gemacht haben. Einige Facetten der Technik sind dabei mit bloßem Auge überhaupt nicht zu erkennen, sondern bedürfen Hilfsmittel.
Wenn die grundlegende Technik bei einem Spieler dann stimmt, dann gilt es diese durch Training zu festigen. Und dann gilt auch "mehr hilft mehr".
Die Gemeinheit an dieser Sache ist leider: Man kann nicht in einer oder wenigen Trainingssession die geeignete Technik für einen Spieler herausfinden. Ob sich eine Veränderung wirklich positiv auswirkt ist erst nach einigen Wochen spürbar und messbar. Das hängt damit zusammen, dass sich die Qualität eines Wurfes nicht bei einer einzelnen bewussten Ausführung zeigt, sondern erst, wenn diese automatisiert ist. Und die Automatisierung ist ein Prozess der einige Trainingseinheiten benötigt, bevor er Wirkung zeigt. Das ist ein wichtiger Grund, warum es viele Spieler (egal ob Anfänger oder Erfahrener) gibt, die sich "zu Tode" experimentieren. Jede Woche ein neues Setup, ein neuer Stand, ein neuer Wurf kann einfach nicht zum Erfolg führen.
Darts ist ein Geduldsspiel und viel eher ein Marathon, denn ein Sprint.
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