Ich habe mir mal erlaubt, meine Kritik an der Start den Veranstaltern zukommen zu lassen. Folgendes ging raus.
Sehr geehrte Damen und Herren der Moltke Sports GmbH,
mein Name ist Michael Kull und ich bin der Vorsitzende des Dart Sport Verein Stingray Hannover e.V.
Grund meines Schreibens ist die von Ihnen organisierte Turnierserie PDC Europe Start, die nach den ersten vier Wochen sicherlich auch Ihre Erwartungen nicht erfüllt.
Generell befürworte die Richtung der PDC Europe, etwas vom Flair der PDC in die Regionen, in die Vereine, und damit in die Basis des Dartsports zu tragen. Eine großartige Möglichkeit zur Motivationssteigerung und Förderung von Talenten, zugleich aber auch ein nicht zu verachtender wirtschaftlicher Faktor für selbstbewirtschaftete Vereine.
Nach Bekanntwerden der neuen Serie bin ich von vielen ambitionierten Spielern angefragt worden, ob der DSV Stingray sich auch als Ausrichter bewerben würde. Trotz bester Infrastruktur habe ich mich aber, nach Rücksprache mit meinem Präsidium, dagegen entschieden. Zwar betreiben wir in Hannover die mit 25 digitalisierten Boards möglicherweise größte Spielstätte im deutschsprachigen Raum, komplett eigenständig und von Mitgliedern ehrenamtlich bewirtschaftet, jedoch hatte ich starke Zweifel am Erfolg des bekanntgemachten Konzepts.
Wir selbst richten seit fünf Jahren jeden Mittwoch offene Turniere in verschiedenen Turnierserien aus, die häufig mit 64 Teilnehmern ausgebucht sind. Aufgrund unserer jahrelangen Erfahrung war ich aus mehreren Gründen skeptisch, gegenüber Ihrem Konzept.
Was ich befürchtet habe, und was sich momentan auch deutlich zeigt, ist der Trend zum Schwund an Teilnehmern. Der Grund hierfür liegt einerseits vermutlich am Ende der Sommerferien, aber auch und vermutlich vor allem daran, dass der erste Hype zur neuen Serie schnell auch gezeigt hat, dass es sich dann doch nur eine zweite Next-Gen-Tour handelt. Zwar in den Regionen und in kleineren Events abgehalten, aber mit den gleichen Anreizen. Viele Spieler, die zurecht in der Next-Gen angetreten sind, suchen nun den vermeintlich niederschwelligeren Weg, um doch noch einen Platz in der Superleague zu erringen. Das ist mir so auch von zahlreichen Bundesligaspielern zugetragen worden, die oft an unseren Turnieren teilnehmen. Wenn die „Start“ neue Spieler ansprechen soll, die auch dauerhaft die Serie Spielen sollen, müssten ambitionierte Next-Gen Teilnehmer ausgeschlossen sein und der Anreiz darf nicht die Superleague sein. Sachpreise, meet and greets oder Tickets zu PDC-Events reichen da sicherlich aus.
Unsere Serie Masters ist für alle offen, findet an jedem zweiten Mittwoch statt, und unter den durchschnittlich 50 Teilnehmern tummeln sich auch zahlreiche gutplatzierte Next Gen Teilnehmer (J. Becker, M. Spalt, M. Hurtz, S.Steinmetz, D. Brock, M. Gustorf, M.Koch, P. Goyer und auch R.Pietreczko). Jeden anderen Mittwoch veranstalten wir unsere Serie Challenge Cup, begrenzt für Spieler bis Bezirksliganiveau. Um das Turnier zeitlich im Rahmen zu halten, begrenzen wir auf 64 Teilnehmer. Die Nachfrage ist jedoch deutlich größer und das zeigt, dass die zweite und dritte Reihe der Vereins- und Hobbyspieler dann doch Turniere ohne die vielen Top Guns bevorzugt besucht. Einen guten Eindruck unserer Turniere kann man sich auch über den Instakanal von koala.darts machen, der regelmäßig bei uns zu Gast ist.
Sicherlich ist der Modus „Best of Three“ und die anfangs lange Turnierdauer für viele störend, wird von den Teilnehmern, wenn auch etwas widerwillig, aber noch in Kauf genommen. Eine Lösung hier wäre der Modus Best of Four, bei dem auch ein Remis möglich ist. In den Gruppenphasen unserer Turniere findet der Modus Anwendung und stößt auf großen Zuspruch. Auch best of Five ist denkbar, beide Modi aber maximal in Fünfergruppen. Natürlich würde das bei einigen Vereinen und Ausrichtern die mögliche Anzahl der Teilnehmer verringern, aber nach unserer Erfahrung muss ein Turnier, das Wochentags ausgetragen wird, um spätestens 22:30 Uhr beendet sein.
Auch, dass es keinerlei Informationen zu den regionalen Tabellen gibt, ist ein Hauptgrund für das zunehmende Dessinteresse bei den Teilnehmern. Gerade die weniger ambitionierten Spieler fühlen sich nicht gewertschätzt, was sich mit zeitnahen Tabellen ändern ließe. Wenn Hänschen Müller sich in einer Rangliste wiederfindet, dann kommt er auch eher zum nächsten Turnier. Jeder Sportler sucht den Vergleich und in Tabellen kann er vergleichen.
Ein zusätzlicher Anreiz zur Teilnahme bei, und Ausrichtung von PDC-Events wie der „Start“ wäre sicherlich, wenn das Gefühl PDC in die Turniere übertragen werden könnte. Ein Tourcardholder zur Autogrammstunde, ein professioneller Caller im Finale, eine Ernennung zum PDC-Standort, sicherlich haben Sie da einige Möglichkeiten die Standorte und damit die Turniere aufzuwerten.
Mein Fazit: Die PDC Europe Start ist eine gute Sache und mit einigen Justierungen kann sie wirtschaftlich und sportlich erfolgreich sein. Da aber die Vereine vor Ort unabdingbar für einen Erfolg sind wäre es sinnvoll, wenn sich die Verantwortlichen bei Ihnen mit den Verantwortlichen an der Basis zur Diskussion und Erstellung eines für alle tragfähigem Konzepts zusammensetzen.
Mit sportlichen Grüßen,
Michael Kull