Hier bricht sich m.E. ein Zwang zu tugendhaftem Verhalten Bahn, der den Gesundheitsaspekt als Totschlagargument verwendet. Ich halte es für urdemokratisch und zwingend erforderlich, eine Haltung einzunehmen, die beinhaltet "lieber Mitmensch, Dein Verhalten passt mir zwar (ideologisch) nicht, aber ertragen tue ich es trotzdem und das mit Stolz und Absicht".
Ich sehe es vor meinem inneren Auge wie der gemeine Nichtraucher stoisch und voller Stolz geschwellter Brust in Schwaden von Zigarettenqualm steht und verkündet: Auch wenn dies mein Leben um Jahre verkürzen wird, ich stinken werde wie ein alter Aschenbescher wenn ich nachause komme, so will ich dies erdulden um euretwillen..." *Hust*
Es ist gerade das Kennzeichen von ideologischen Diktaturen, bestimmte Themen als "heilig" zu setzen und jeden Andersdenkenden und Andershandelnden unerbittlich zu verfolgen. Und genau dieses Verhalten zeichnet sich für mich hier am Horizont ab. Eine relativ kleine Minderheit (60% Pro Rauchverbot bei 30% Wahlbeteiligung sind grob 20% absolut) agiert als pressure Group und stülpt der schweigenden Mehrheit ( der das Thema nicht so wichtig ist) ihre reine Ideologie über. Und erzwingt so "tugendhaftes" Verhalten. Man fragt sich, was im Windschatten der Volksgesundheit als nächstes kommt, kein Branntwein mehr? Kein Schweinfleisch, am besten gar kein Fleisch mehr? Zwangsjoggen bei zu hohem BMI? Und das alles natürlich nur, weil es ja einer vernünftigen, gesunden Lebensführung dient.
Nunja.. es war eine Volksabstimmung und kein Aufruf zum Dschihad. Jeder Wahlberechtigte in Bayern hatte die Chance seinen politischen Willen kund zu tun. Wenn 70% dieser Wähler die Entscheidung gleichgültig ist, darf man sich nicht wundern wenn man eine Entscheidung präsentiert bekommt die vielleicht nicht so gefällt. Wieviele von den "Contras" echauffieren sich denn nun über den Entscheid und sind tatsächlich wählen gegangen ? Es können ja nicht soviele gewesen sein, sonst hätte die Entscheidung vielleicht ganz anders ausgesehen. Oder war den meisten der Weg zum Wahlbüro zu beschwerlich, schliesslich will man ja nicht mal zum Rauchen vor die Tür, geschweige denn zur nächsten Wahlurne rennen.
Es muss in einer offenen und freien gesellschaft möglich sein, sich untugendhaft zu verhalten, unvernünftig zu sein, Vorurteile haben zu dürfen, nicht jeden Mitmenschen automatisch akzeptieren zu müssen, politisch inkorrekt zu denken und auch zu handeln. Menschen sind keine Massen von homogenen Ameisen, die alle das gleiche Verhalten an den Tag legen. Eine solche Homogenisierung des menschlichen Verhaltens ist eines der deutlichsten Kennzeichen der Diktaturen im 20 Jahrhundert gewesen. Wir wollen uns doch nicht schleichend auf diese schiefe Bahn begeben?
Den Bogen zu schlagen von einer Volksentscheidung, zu den finsteren Diktaturen des 20.Jahrhunderts halte ich allerdings für völlig unangemessene Polemik die der Sache nicht gerecht wird. Da fehlt nur noch der arme gequälte Nichtraucher der Buchenwald zum Vergleich heranzieht um sein Leiden zu verdeutlichen...
Man sollte sich mal vor Augen führen das es beim Nichtraucherschutz TATSÄCHLICH um den Schutz der Nichtraucher geht und nicht darum Horden von Kettenrauchern in ihren Kneipen zu gängeln und Öffentlich der Lächerlichkeit preiszugeben. Mir sind Menschen, die klar sichtbar sterben werden ob ihrer Nikotinsucht und trotzdem nicht mit dem Rauchen aufhören ein Rätsel. Wieso schalten die Leute ihren Selbsterhaltungstrieb aus für so etwas Sinnloses wie Rauchen ? Ich kenne Leute die beide (Raucher-)Beine amputiert bekommen haben und als sie aufwachten schnellstmöglich in den Raucherraum rollten. Lungenkrebs und Krankheiten die sich auf Tabakkonsum zurückzuführen lassen gehörten zu den häufigsten Todesursachen im sozialen Umfeld meiner Grosseltern und Eltern. Jeder der nicht völlig blind durch das Leben läuft, sieht doch was passieren kann wenn man raucht. Jeder der mal selber geraucht hat weiss um die Schädlichkeit von Tabak, die die weiter Rauchen verdrängen den Aspekt natürlich völlig.
Gibt es etwas blöderes als als über Jahrzehnte hinweg Zigaretten zu rauchen und damit den Gegenwert eines Mittelklassewagens durch die Lungen zu ziehen ? Eine massive Verschlechterung der Gesundheit in Kauf zu nehmen ? Man vergiftet sich langsam und schleichend selber und findet das auch noch richtig.... Sucht nach Gründen für das Rauchen, nennt es Genuss oder eine schlechte Angewohnheit. Es ist schlicht eine Sucht, aber eine die sich im Kopf abspielt und die man mit einigem Willen auch wieder gut los wird.
Wegen mir können die Leute sich ja die Birne zuqualmen bis sie abfällt, aber warum muss das an Orten geschehen an denen auch noch andere Aktivitäten stattfinden ? Muss ich als Nichtraucher in Schwaden von Qualm stehen und mit tränenden Augen aufs Tripple zielen. Warum soll ich das hinnehmen das ich nach Qualm stinke wenn ich nachhause komme, tagelang die Atemweg angeschwollen sind, nur weil ich an Orten Dart spiele wo geraucht wird und ich keine Möglichkeit habe dem zu entgehen, ausser ich nehme am Spiel nicht teil ? Alle reden vom Selbstbestimmungsrecht der Raucher, aber was ist mit dem Recht derer die nicht Rauchen und den Wert ihrer Gesundheit anders bewerten ?
Es geht bei der Diskussion Raucher vs. Nichtraucher nicht um Ideologien und alberne Rechthaberei, sondern schlicht um Menschen und ihr Gesundheitsempfinden und das in einer Gesellschaft die die eigene Gesundheit kritischer bewertet als dies zur Zeit unserer Eltern der Fall war.
Gruss
Rotznase