Beiträge von Soleares

    Eigentlich wollte ich das Ganze in einer Facebookgruppe posten, aber es war eine gute Entscheidung, dass hier zu posten, da hier viele gute Kommentare gekommen sind :)

    Ok, was nehme ich mit? Ich kann das Verhalten meines Gegners zwar nicht beeinflussen, aber zumindest könnte ich mit meinen Mannschaftskollegen darüber reden, was mich stört. Dass ihr Verhalten im Grunde positiv gemeint ist, ist mir durchaus klar. Nur nicht alles was positiv gemeint ist, kommt auch positiv an. Aber darüber reden, wäre in dem Falle schon ne gute Lösung. Interessanterweise habe ich in den bisherigen Trainingsspielen weder meinen Gegner noch die gegnerische Mannschaft wahrgenommen, im Gedächtnis sind mir eher die eigenen Mannschaftskollegen geblieben.

    Von einer Situation möchte ich noch berichten. Es war das erste Auswärtsspiel der aktuellen Saison. Ich war im ersten Einzel sehr nervös, hatte etwas Ellenbogenschmerzen und irgendwie schon daheim gemerkt, dass das Wurfgefühl gar nicht da war. Zudem war es mein drittes Auswärtsspiel überhaupt und die Location ungewohnt. Ich hab dann in dem Spiel gestreut wie ne Schrotflinte. Wenn ich mal ne 60 geworfen habe, meinte mein TK "Ja geht doch". Ja was geht doch? Ne 60? Für ne 60 brauche ich kein Lob, auch wenn ich 10 Aufnahmen mit 26, 41 und 45 geworfen habe. Auch für ne 100 bräuchte ich kein externes Lob. Mein TK war auch in diesem Spiel Schreiber und hat mich beispielsweise nach einer Aufnahme gefragt, worauf ich gerade geworfen habe. Dumme Frage, denn das geht ihn im Grund als Schreiber gar nichts an und weiterhin merke ich mir meine Würfe nie. Also was soll ich darauf antworten. Egal, das Spiel hab ich dann 0:3 verloren. Auf jeden Fall stand dann noch das Doppel an und mein TK meinte dann vor allen anderen zu mir, "Soleares, du Schwuchtel, du Tunten, jetzt reiß dich zam", wobei das "jetzt reiß dich zam" nur grob stimmt, ich erinnere mich nicht mehr ganz genau an seine Worte, aber an die Schwuchtel und Tunten erinnere ich mich noch gut. Ok, ich bin nicht schwul, aber das ist trotzdem eine Beleidigung und erst recht, wenn das vor versammelter Mannschaft passiert. Es war aber gar ned böse gemeint, sondern wohl eher als Ansporn gedacht, jetzt Leistung zu zeigen. Auf jeden Fall hat mich das getroffen, ich hab keine Lust, mich vor anderen beleidigen zu lassen, daher ging im Doppel dann auch nichts mehr. Für das letzte Einzel hat er mich dann sogar noch gegen einen anderen ausgewechselt. Das war so für mich der Ausgangspunkt, dass ich mehr Druck in Ligaspielen spüre und eigentlich unter diesem TK auch gar nicht mehr mitspielen möchte, auch wenn er jetzt kein absolutes Arschloch ist, aber trotzdem kein gutes Taktgefühl hat. Irgendwie hab ich immer den Druck dabei, ausgewechselt werden zu können, wenn ich verkacke. Jetzt könnte man sagen, ich solle nicht so sensibel sein und über sowas einfach drüber stehen. Tja, leichter gesagt als getan.

    Elmo71 spricht das Thema "kranker Ehrgeizling" an. Unser TK ist zwar nicht ganz so krankhaft, aber bei ihm hab ich immer so das Gefühl, ne gute Leistung bringen zu müssen. Er selber hat Dartitis und spielt kein gutes Niveau mehr und die Dartitis ist für mich auch ein Zeichen, dass er sich selber über Jahre nen Druck gemacht hat, der sich jetzt so ein bißchen auf mich überträgt. Ich muss auch sagen, dass wir als Mannschaft aktuell etwas erfolgsverwöhnt sind. Wir haben in der jetzigen Saison 7 Spiele gespielt und 7 gewonnen. Wir sind also Spitzenreiter in der Liga und können von der Kreisliga in die Bezirksliga aufsteigen. Zudem sind wir noch eine ganz neu gegründete Mannschaft mit drei absoluten Ligaanfängern. Klar wäre es schön, aufzusteigen, aber am Ende soll Darts doch als Hobby Spaß machen und vor allem im Bereich der Kreisliga nicht in zu starkem Erfolgsdruck oder Ehrgeiz ausarten. Wobei das wiederum meine eigene Empfindung ist. Ich fühle mich halt irgendwie als Versager, wenn ich nicht gut spiele. Aber gut, vielleicht bin ich auch einfach nicht grad der psychisch stärkste Mensch, was nicht heißen soll, dass ich nicht mit Spaß Dart spielen kann.

    Daher ist es auch gut zu hören, dass bei euch mit der Zeit eine Gewöhnung an diese Situation gekommen ist. Andererseits frage ich mich, da es ja sehr viele verschiedene Spielstätten gibt, ob es nicht sehr lange dauert, bis man sich auch an die verschiedenen Vereinsheime und deren Eigenheiten was Licht, Lautstärke, Raumgröße, etc. angeht, gewöhnt hat. Vielleicht könnt ihr dazu nochmal erzählen, wie das bei euch war? Habt ihr lange gebraucht, um auch bei Auswärtsspielen die gleiche Leistung zu bringen, wie daheim?

    Eine Frage, auf die zum Teil schon eingegangen ist, möchte ich nochmal stellen: Wie kann ich das Training so simulieren, dass ich einen ähnlichen Druck bzw. Nervosität verspüre, wie in einem Ligaspiel. Also wie kann ich im Mannschaftstraining, aber vorzugsweise zuhause, eine Situation herstellen, dass ich schwitzige Finger bekommen und den Puls in der Halsschlagader spüre? Bis jetzt habe ich als Druck-Trainingsspiel Round the Board mit den großen Single-Feldern bzw. Doppel-Feldern gefunden, bei dem versucht wird, alle Felder mit möglichst wenig Würfen zu beenden und solange spielt, bis man auch alle Felder getroffen hat. Umso besser ich am Anfang werfen und umso näher ich dem Ziel komme, das Spiel mit möglichst wenig Würfen zu beenden, desto höher wird die Anspannung, jetzt auch wirklich zu treffen. Habt ihr ähnliche Spiele, die Druck verursachen? Am besten noch Druck in Form von Versagensangst? Und welche Arten von Störquellen kann ich noch einbauen? Bisher spiele ich immer mit Radio, ist also eigentlich keine Störquelle mehr. Eine saugende Frau hab ich dagegen leider nicht, aber vielleicht lass ich den Staubsauger einfach mal nebenbei laufen xDD. Vielleicht kann ich auch meine Nachbarin mal fragen, ob sie sich hinter mich stellt und ne Stunde lang beleidigt. Ok, lieber nicht ^^

    Was mich auch noch interessieren würde, wie lange habt ihr gebraucht, um bei Ligaspielen nicht mehr angespannt zu sein? Bei mir sind`s, wie gesagt, ca. 10 Ligaspiele. Irgendwie fühle ich halt den Druck, meine Trainingsleistung im Mannschaftstraining auch ins Ligaspiel übertragen zu können. Mir fällt es halt schwer zu erklären, warum ich es im Training schaffe, in einem Spiel mit 3 Sätzen 10x 100+ zu werfen und in der Liga dann in drei Legs vielleicht 1x 100 zusammenbringe. Ok klar, 3 Sätze sind mehr als 3 Legs, aber die Wurfqualität unterscheidet sich trotzdem vom Training.

    dartblog: Das mit dem Livestream ist eine gute Idee. Das probiere ich mal aus.

    Ansonsten bedanke ich mich sehr herzlich für eure Kommentare und ich würde mich freuen, wenn ihr noch mehr davon berichten könntet, wie das bei euch war und ob ihr meine Erfahrungen und Empfindungen nachvollziehen könnt.

    Hallo zusammen,

    zum Thema Druck gibt es ja schon einige Beiträge, aber ich würde gerne ein eigenes Thema aufmachen. Ich spiele nun seit 2 Jahren Dart und hab auch Spaß am Sport. Zuhause und im Mannschaftstraining spiele ich ganz ok, Avg liegt in etwa bei 50, wobei ich dem Avg grundsätzlich keine große Bedeutung schenke. Problematisch für mich ist, dass meine Leistung bei Ligaspielen sehr stark abnimmt. Ok, ich hatte bisher lediglich ca. 10 Ligaspiele und davon 3 auswärts. Irgendwie fehlt mir in den Ligaspielen das Körpergefühl und die Anspannung bzw. der Druck, den ich mir selber mache, steigt. Ich denke dann so Sachen, wie, dass ich Leistung zeigen will, um meine Mannschaftskollegen zufriedenzustellen bzw. einen Beitrag zum Erfolg der Mannschaft zu leisten. Und außerdem, hallo Leistungsgesellschaft, wer nichts leistet ist nichts wert. Stimmt zwar nicht, aber irgendwie rede ich mir das unterbewusst ein.

    Ok, mittlerweile hab ich erkannt, dass ich mir da auch selber zu viel Druck mache und ich versuche einfach mein Spiel zu spielen, also möglichst entspannt meine Darts zu schmeißen. Nun aber zu der Situation aus dem letzten Ligaspiel: Das erste Einzel habe ich gegen einen sehr guten Spieler gespielt, der eigentlich höherklassig spielt. Hab 1:3 verloren und eigentlich gar nicht so schlecht gespielt. Im anschließenden Doppel war es dann aber so, dass mein Teamkapitän Schreiber war, rechts neben mir saß und öfter mal meine Würfe kommentiert hat. Dann meinte er zu uns, dass wir ja auch mal wieder das Trippelfeld treffen könnten. Mein Doppelpartner dagegen hat sich nach jeder schlechten Aufnahme selber fertig gemacht. Dann wiederum meint er zu mir, dass wir das Spiel ernster nehmen müssten und er versuchte mich zu motivieren, besser zu werfen. Dann stand noch eine Kollegin hinter mir, die mir öfter mal zum Aufbauen den Rücken gestreichelt hat. Weiterhin gab es dann noch die weiteren Mannschaftskollegen, die Hilfestellung in Form von D1 "Einer drüber, einer rein" gaben. Also für meinen Geschmack waren das relativ viele Störquellen, die mein Spiel negativ beeinflussten.

    Jetzt spiele ich zu Hause und im Mannschaftstraining ja in einer relativ ruhigen Situation. Zu Hause bin ich alleine und im Mannschaftstraining spiele ich ohne oder nur mit geringen Zuschauern gegen eine einzelne Person mit einem relativ gleichbleibenden Rhytmus. Ich frage mich daher, wie zum Henker soll ich im Ligaspiel eine einigermaßen gute Leistung bringen, wenn mich der Teamkapitän als Schreiber zwischen den Aufnahmen anlabert, mein Doppelpartner sich selber fertig macht und mich damit runterzieht und von hinten dann noch ne Hand kommt? Wie soll ich denn da im Fokus bleiben? Ich kann ja nicht gleichzeitig über die Worte meines Doppelpartners bzw. Teamkapitäns nachdenken und dann auch noch locker und entspannt Darts werfen, zumal wenn die Worte eher dazu führen, dass ich noch angespannter bin. Richard Weese empfiehlt ja beispielsweise, auf seine Atmung zu achten, um bei sich selbst zu bleiben. Wie soll ich aber darauf achten, wenn ich dem Schreiber die Frage beantworten soll, warum ich gerade den oder den Finish-Weg gegangen bin? Aber am Ende bin ich dann von mir selber enttäuscht, wenn ich grottige Darts werfen und nix treffe. Naja, am Ende habe ich dann drei von drei Spielen verloren und ich frage mich, was mit mir nicht stimmt. Liegt es vielleicht daran, dass ich diese Situationen noch nicht gewohnt bin oder bin ich vielleicht einfach zu sensibel für Ligaspiele, sodass ich doch mehr auf Turniere fahren sollte, bei denen ich nur für mich spiele und keinem anderen etwas schulde, außer mir selbst?

    Wie geht es euch da? Könnt ihr diese Situation nachvollziehen? Wie geht ihr damit um, wenn ihr euer Spiel spielen wollt und im Fokus bleiben wollt, dann euch jemand zwischen den Aufnahmen dumm anquatscht?