Mich wundert ein wenig, warum kaum über die möglichen Beweggründe für eine solche Kolumne diskutiert wird.
So etwas schreibt man doch nicht, weil man andere objektiv über irgend etwas informieren will. Dieses Sammelsurium von tatsächlichen Verfehlungen und bloßen Spekulationen listet doch nur einer auf, der mit Herrn Taylor entweder eine Rechnung offen hat oder eben seine Abneigung ihm gegenüber offen kundtun will.
Bei den Uralt-Vorwürfen stellt sich tatsächlich die Frage, ob man so etwas immer wieder aufwärmen muss. Und hinsichtlich einer möglichen Verschwörung im Umfeld des WM-Finales wird das Thema erst brühwarm serviert, um sogleich zu beteuern, dass der Verfasser ja selbst nicht dran glaubt. Das ist nicht nur schlechter Stil, sondern auch verdammt durchsichtig.
Wenn man sich mal vor Augen hält, wer dieser Phil Taylor überhaupt ist, sollte die Messlatte vielleicht auch wieder etwas tiefer gehängt werden. Es handelt sich nämlich um einen einfachen Arbeiter aus recht bescheidenen Verhältnissen, der sich Kraft seines unermüdlichen Fleisses zum 16fachen Weltmeister im Dartssport gemausert hat.
Dass er trotz dieser Karriere ein Mensch mit Schwächen geblieben ist, die er mit noch soviel Geld kaum vor der Öffentlichkeit verbergen kann, wird einfach ignoriert. Mit diesem Werdegang wird man nicht zwangsläufig auch doppelt so intelligent, einfühlsam, tolerant und charakterstark. Wer sich 24 Stunden am Tag im Griff hat, keine schmutzigen Witze reißt, pychologische Vorteile bei Dartspiel ungenutzt lässt und noch nie in einem Spiel überreagiert hat, darf sich natürlich zu Recht über die mangelnde Vorbildfunktion von Phil Taylor aufregen.
Ansonsten sollte man den Burschen so sehen wir er ist, ihm eine kleben, wenn er die Hände an der falschen Stelle hat und ihn für unfaires Verhalten auf der Bühne auch mal abstrafen.
Aber unter dem Strich bleibt er auch dann noch ein genialer Dartspieler, der den Respekt für seine erbrachten Leistungen verdient hat. Und genau an diesem Respekt mangelt es meiner Meinung nach der beschriebenen Kolumne, auch wenn der Verfasser das mehrfach anders darstellt.
Gruß
Hesse