Also da kann ich vlt. etwas zu sagen. Ich habe (vornehmlich im Softdart) einige Teams aufgebaut, die quasi aus dem Nichts entstanden sind, also Leute, die zuvor nie gedartet haben. Ich suche auch immer wieder junge Leute mit Potenzial für unsere bestehenden Teams, gerade aktuell integriere ich 3 Leute, die direkt aus der Jugend kommen. Zudem habe ich (übrigens u.a. dank vieler Sachspenden aus diesem Forum) ein Jugendprojekt gestartet und dort auch mit Newbies gearbeitet. Ich bin allerdings nie für den DDV und auch nur indirekt für unseren Verband (SHDV) dbzgl aktiv gewesen. Trotzdem glaube ich, dass das als Erfahrungsgrundlage mehr als ausreicht, zumal einige Spieler mittlerweile wirklich nicht die schlechtesten sind.
Trainer halte ich für grundsätzlich sinnvoll, auch über die Jugend hinaus. Ich bin auch davon überzeugt, dass die Geschichte mit zunehmender Popularität des Sports mehr wird. In solchen Einzelkämpfersparten haben Coaches allerdings auch eine gewisse Betreuungsfunktion, es geht nicht nur um die reine Vorgabe von Trainingseinheiten. Meiner Ansicht nach kommt es hierbei vor Allem auf Folgendes an:
1. Betreuung: Als Coach muss man manchmal auch den Lakaien machen, damit Dein Spieler sich auf seine Darts konzentrieren kann...nicht immer, aber manchmal. Spieler anmelden, Darts hinterherschleppen, am Board für das passende Umfeld sorgen, mal ein neues Getränk hinstellen(, mal eins wegnehmen). Dafür sollte man sich nicht zu schade sein. Der Fokus ist immer der Sieg bzw. das So-gut-spielen-wie-möglich.
2. Sensibilität: Ein Coach sollte wissen, wann welcher Ton für das Erreichen des Zieles sinnvoll ist, und zwar generell und individuell für Deinen Spieler! Z.B. redet man meistens paradox zu dem, wie es tatsächlich läuft: Läuft es schlecht, pusht man und redet gut zu, läuft es gut, schützt man vor Euphorie und mahnt zur Konzentration bzw. sagt, dass es noch besser geht. Der Trainer muss ein Verständnis dafür haben, was er wann und wie macht. Das geht einher mit...
3. Kenne Deinen Spieler: Ohne dies ist Punkt 2 unmöglich. Du musst Dich mit Deinen Leuten beschäftigen. Du musst wissen, auf was der Spieler wie reagiert und was ihn beim Darten beeinflusst. Das ist oft ein Lernprozess und klappt nicht immer auf Anhieb. Darts-Coaching ist eine sehr individuelle Sache, einen Standardweg gibt es nicht wirklich.
4. Vertrauensbasis/Respekt: Das persönliche Miteinander ist, wie in den meisten wenn nicht allen Einzelwettkämpfen, wichtig. Das muss passen. Außerdem muss der Spieler sagen: "Ja, es tut mir gut, wenn der Typ hinter mir steht." Er muss das Vertrauen darauf haben, dass der Coach die richtigen Dinge tut, sagt und ggf vorgibt. Auch der Coach muss das Gefühl haben, seinem Spieler helfen zu können. Es gibt viele Darter, die sich auf diesen Punkt generell nicht einlassen können...die kannst Du auch kaum coachen. Leider sehen sie aber auch nicht, dass dies eben ein Manko ist, auch wenn sie schon Topleute sind.
5. Kontinuität: Ritualsmäßige Abläufe geben Sicherheit, und man kann sich besser auf die bevorstehenden Aufgaben konzentrieren. Folglich sind sie im Bereich Darts eine gute Sache. Eine gewisse Eingespieltheit des Teams Spieler-Coach wäre da wirklich gut, schließlich soll der Coach den Spieler nicht ablenken, sondern seine Leistung bestmöglich fördern.
Nimmt man diese Eigenschaften als Basis, lassen sich daraus eigtl alle weiteren Fragen ableiten, z.B. der kleine aber (wie ich finde) feine Fragenkatalog des Kollegen "Polar Bear".
Für mich entstehen da jede Menge Fragen
1. Sollte der Trainer besser sein als ich (3-Dart dingens) ?
2. Muß er Turniererfahrung haben (wegen dem Turnierdrück) ?
3. Was hat er an Referenzen vorzuweisen ?
4. Kann man jemanden x-Beliebigen zum Tainer ausbilden (es soll ja das Board getroffen weden) ?
zu 1.) Zumindest muss er nicht. Entscheidend ist, dass er die Leistung des Spielers fördert. Wichtig ist, dass der entsprechende gegenseitige Respekt da ist. Da der Coach aber ganze andere Aufgaben zu erfüllen hat, als der Spieler, muss dieser Respekt nicht zwangsläufig aus der Qualität des Dartens heraus kommen. Trainingstechnisch kann es Vorteile bringen, wenn der Coach ebenbürtig oder evtl besser ist, da man die Drucksimulation über das Spielen gegeneinander ohne Zutun von außen gut hinbekommt. Zwangsläufig nötig ist das aber nicht.
zu 2.) Kenntnis von der Materie sind von großem Vorteil. Ein Coach, der selbst Erfahrungen gesammelt hat, kann z.B. Schlüsselszenen in einem Spiel erkennen und ggf darauf einwirken, ein Coach völlig ohne Erfahrung wird es da schwer haben.
zu 3.) Referenzen sind natürlich schwierig, da es im Darts zumindest bei uns so gut wie keine echten Coaches gibt. Auch Referenzen wie "XY Turniere gewonnen oder einen Average von XY" sind schwierig, weil man das Erfolgsmodell des Einen beim Darten einfach nicht 1:1 auf einen Anderen übertragen kann. Interessant wäre höchstens, ob ein Coach sich in dem Millieu auskennt und evtl ob er schon Trainingsfunktionen gemeistert hat. Ansonsten ist dies auch eine sehr deutsche-typische Frage. Im Grunde genommen interessiert uns als Darter doch gar nicht, was der Coach bisher geleistet hat, sondern ob er uns in unseren Zielen weiterbringt. Hier gibt der persönliche Kontakt die wichtigsten Hinweise, nicht die Referenzen.
zu 4.) Das kann man sicherlich nicht, zumindest nicht zu einem guten. Auf die Basis beschränkt ist Darten nichts anderes als möglichst regelmäßig immer das Gleiche zu tun. Potenziell kann das Jeder. Die Faktoren, weshalb das bei uns Allen nicht immer klappt, sind aber immens viele, bei Jedem andere und noch dazu betreffen sie meistens im eigentlichen Sinne ja gar nicht das "Handwerkszeug". Wer hier vom Grundsatz her keine Sensibilität und keine Situationsaffinität besitzt, der kann auch nie ein wirklich guter Coach sein, auch wenn er selbst einen 100er Average hat und damit Topspieler ist. Aber genau das ist, was mich sowohl beim Darten als auch beim Coachen so fasziniert: Du kannst häufig keine allgemein gültigen Algorithmen finden, obwohl gerade Darts an und für sich eine sehr logische, matheorientierte Sache ist.
Ich gebe mal ein Beispiel: Du hast 3 Spieler, die sich alle in der gleichen Situation befinden: Sie bestreiten ein Match und werfen ein Frühstück (eine Aufnahme mit 26 Punkten). Was machst Du als Coach?
Spieler 1 rufst Du kurz zu: "Come on da jetzt, Du kannst das!" (In der Praxis ist das eben polemisch.) Vlt. rufst Du auch noch die Mannschaftskollegen dazu, die beim Pushen helfen sollen. Der Spieler denkt sich: "Die glauben an mich, ich kann das offenbar." Man gibt ihm das fehlende Selbstbewusstsein. Nächste Aufnahme klappt, alles wunderbar.
Spieler 2 würde Dir für sowas direkt erstmal eine in die Fresse hauen. Er ist vlt. etwas erfahrener, erkennt an seinem Wurfbild das Problem und versucht, entsprechend seinen Rhythmus zu finden. Also versuchst Du hinten den Ruhepol zu geben, bleibst entsprechend ruhig und sagst direkt mal nix! Nächster Wurf Tonne (100), alles gut.
Spieler 3 ist vlt. der Typ, der sich vor Aufregung fast in die Hose pinkelt. Wenn Du dem nichts sagst, kriegt er nen Herzkasper, weil er denkt, er würde nun gehasst werden, da er dieses dramatisch wichtige Spiel vergeigt. Pushst Du den noch mehr, wird er zum Vibrator (im Allgemeinen lässt es sich als Vibrator schlecht darten). Also musst Du ihn irgendwie auflockern. Du machst einen auf Ironie und sagst ihm:"Jo, wieder Zweistellig, alles gut!" Du hast die Hoffnung, den Spieler damit in seiner Anspannung etwas runterzufahren. Wenn die übernächste Aufnahme dann ne 60 ist, hast Du es richtig gemacht.
Mit anderen Worten: Du musst versuchen, individuelle Algorithmen zwischen Coach-Spieler zu finden und diese situationsbedingt umzusetzen. Das kann zum Glück nicht Jeder. 