Beiträge von RainerZufall

    So, ich wollte mich mal wieder melden. In den letzten 4 Woche ist irgendwie nicht allzuviel passiert. Entweder musste ich lang arbeiten, oder das Wetter war zu gut (Ausrede...) und so kam ich nur ca. 1-2 Stunden pro Woche zum trainieren. Klar, dass man da keine allzu großen Fortschritte erwarten kann.
    Was mir aber aufgefallen ist: meine Leistungen sind auffällig unkonstant. Und damit meine ich nicht das bekannte 26er-Problem. Die meiste Zeit bin ich wirklich peinlich schlecht bis gerade noch so akzeptabel (Average etwas >30). Dann kann's aber sein, dass es von einer Minute auf die andere plötzlich erstaunlich gut läuft. Habe z.B. gestern gegen einen Vereinskameraden gespielt und wurde im ersten Leg gnadenlos niedergemacht. Hatte glaub ich so um nen 18er Average :pinch: . Dann im zweiten Leg mit 121 angefangen und es lief gerade so weiter, ein Tripple nach dem anderen. Ok ok, es waren auch ein paar Glückstreffer dabei, 100 nicht mit T20-S20-S20 sondern D20-D20-S20 :S, aber trotzdem... Hab mich beim ersten Finish-Versuch dann auch noch verrechnet und landete bei 2 Rest :ohno_ , hab dann aber mit dem 4. Dart sogar die D1 getroffen. Die nächsten Legs bin ich dann vom Niveau wieder total abgesackt.
    Der Witz ist, ich habe keinen Plan, woran das liegt. Es hat nichts generell mit Druck oder Nervosität zu tun. Das ist wenn ich alleine trainiere genauso. Es ist so, als ob irgendjemand, den ich nicht sehe, und den ich nicht beeinflussen kann, einen Schalter umlegt, und meine "Fitness" oder was auch immer, an und abschaltet, wenn es ihm gerade passt. Es hat auch wenig mit Einspielzeit zu tun. Es kann sein, ich hab schon nach 5 Minuten meine gute Phase, oder es kann auch vorkommen, dass es den ganzen Tag gar nicht kommt. Ich habe auch verschiedene Fingerhaltungen, verschiedene Fuß-Stellungen usw. ausprobiert. Aber je mehr ich mich um eine tadellose Technik bemühe desto schlechter wird's, habe ich den Eindruck. Am besten ist es, wenn ich einfach drauf los werfe. Irgendwann kommen dann gute Ergebnisse, oder halt auch nicht.
    Kann auch sein, dass das normal ist. Jdenfalls hab ich meine Gegner beobachtet, und festgestellt, dass die auch gute und schlechte Phasen haben. Momentan ist es halt leider so, dass bei mir das Verhältnis gut/schlecht so ungefähr 1:4 ist und bei den anderen 4:1 :nw: Naja, ich muss vermutlich einfach noch länger trainieren und mir keinen Kopf machen...

    Ob ihr's glaubt oder nicht, ich hatte gerade die Idee, dass man doch eigentlich per App nicht nur das Rechnen (beim Steeldart), sondern auch das eigentliche Erkennen der getroffenen Felder automatisieren könnte. Und... wie könnte es anders sein, gibt's natürlich schon, hab ich nach kurzem Googeln dann auch festgestellt. Jedenfalls gibt's schon seit 2009 oder 2010 einen sogenannten "Steeldart-Automat " (man könnte jetzt sagen, das ist ein Oxymoron, aber lassen wir das...).
    Komischerweise wird dort ein kompliziertes, Radar-ähnliches Verfahren eingesetzt, um Treffer zu erkennen. So ein Blödsinn. Das ist doch entweder sauteuer, oder ungenau und fehleranfällig. Warum macht man das nicht mit einer Kamera? Wenn's heutzutage schon selbstfahrende Autos gibt, sollte doch die Erkennung, wo eine Dartspitze im Board steckt, absolut kein Problem sein. Ein kamerabasierter "Autopilot" ist sehr schwierig, weil man mit wechselnden, tw. abgenutzten Straßenbelägen, Gegenlicht, Nebel usw. kämpfen muss. Eine Dartscheibe ist (hoffentlich) immer gut beleuchtet, und die Felder sind farblich sehr gut abgegrenzt. Ok, manchmal ist ein Treffer vielleicht von einem anderen Pfeil verdeckt. Also bräuchte man wahrscheinlich 2 Kameras, um sicher zu gehen.
    Gibt's sowas schon?

    (und um einem Shitstorm vorzubeugen: Nein, ich WILL sowas NICHT. Mir ist bekannt, dass Puristen darauf bestehen, dass man beim Steeldart rechnen MUSS. Es geht mir nur um die technische Herausforderung und Machbarkeit)

    So, gestern noch einmal "around the clock" gespielt, um ein verwertbares Ergebnis zu haben. Mit der "Zielen vor dem Auge"-Methode gar nichts getroffen, Streuung über eine 1/4-Scheibe, also bei der 20 von der 12 bis zur 4 oder so.

    Ich bin dann wieder zu der "Start neben dem Ohr"-Methode gewechselt. Hab erstmal ein paarmal nur so auf die Scheibe geworfen, denn ich musste mich wieder umgewöhnen. "around the clock" lief dann aber ganz gut (für meine Verhältnisse). Im Schnitt 1-2 Treffer auf das große Single-Feld. Gegen Ende wurde es dann aber wieder schlechter. Kam immer öfter vor, dass ich gar nicht getroffen habe. Kann aber gut sein, dass das nicht an der Wurftechnik liegt, sondern ich einfach eine ganz schlechte Ausdauer habe. Darts ist jetzt zwar keine wirklich anstrengende Sportart, und ich bekomme auch keinen Muskelkater oder Schmerzen. Aber mein Arm fühlte sich doch recht schwer an. Wenn man alleine trainiert hat man ja auch keine Wartepausen zum regenerieren. Also hab ich einfach mal 1 Stunde Pause gemacht. Dann kurz einwerfen und... Hoppla, mit der 2. Aufnahme gleich eine 140 geworfen! OK, Entscheidung steht, ich bleib bei der Methode. :thumbup:
    Naja, man kann jetzt auch behaupten, ist eine von den "Adlerkralle gegen Schlangenfaust"-Behauptungen, und letztendlich habe ich so getestet, dass das rauskommt, was ich mir wünsche. Bei einer wirklich objektiven, wissenschaftlichen Studie hätte ich die anderen Methoden erstmal lange Zeit trainieren müssen, damit sie eine faire Chance haben.
    Andererseits, so falsch kann's nicht sein, und ich finde durchaus logische Erklärungen dafür: Das "vor-dem-Auge"-Zielen ist zwar für eine Analyse besser geeignet, weil man die Flugbahn besser beobachten kann. Für eine wirkliche Verbesserung bringt es allerdings wie gesagt wenig, weil man wegen der Reaktionszeit praktisch keine Einfluss auf den aktuellen Wurf hat. Die Nachteile überwiegen: verkrampfte Haltung, und man kann schlechter ausholen. Neben dem Ohr kann ich weiter ausholen, bis der Unterarm am Bizeps anschlägt. Dadurch erreiche ich mit kleinerer oder gleicher Anstrengung etwas "mehr Schmackes", d.h. der Pfeil fliegt gerader und keinen so hohen Bogen. Der Abwurfwinkel ist flacher und ich kann den Ellenbogen etwas weiter nach unten nehmen, was für mich angenehmer ist.
    Trotzdem muss ich natürlich darauf achten, dass ich mit dem Ellenbogen gerade bleibe, und dass meine Fingerstellung so ist, dass ich den Dart beim loslassen nicht verreiße. Finale Erkenntnis des Experiments: Kleinere Optimierungsschritte sind wohl doch besser als radikale Änderungen.

    Hallo Zero000,
    ja, ich weiss, klugschei**en ist einfach, das dann auch in die Praxis umzusetzen, so dass man wirklich Erfolg hat, ist schwierig...
    Naja, ALLES was im Netz steht, ist nicht immer schlecht. Klar, ein gewisses Misstrauen ist immer gut, aber es gibt auch Übereinstimmungen, die bestimmt nicht alle ganz falsch sein können. Und auch klar, nicht alles passt auf jeden. Mensur Suljovic spingt beim 3. Dart immer hoch (was ganz falsch sein soll) und ist trotzdem gut... usw.
    Aber das ist ja alles kein Problem, man kann ja mit relativ wenig Aufwand ausprobieren, ob man mit einem bestimmten Ratschlag klar kommt, und er was bringt, oder nicht.
    Es gibt bestimmt viele Darter, die sich noch nie Gedanken über Theorie gemacht haben, und trotzdem (oder gerade deshalb) gut sind. Andererseits gibts aber auch Beispiele von Leuten, die viel und verbissen trainieren, und irgendwann frustriert aufgeben, weil sie keine Fortschritte machen. (siehe hier ) Den Fehler wollte ich halt nicht machen, und erstmal eine Überprüfung der Grundlagen machen, bevor ich viel Zeit in Training investiere. Oder anders ausgedrückt, bevor man losläuft, sollte man schauen, dass die Richtung stimmt.

    Ich hab jetzt mal einige Dinge ausprobiert. Wenn ich versuche, Ober- und Unterarm mit dem Auge in einer vertikalen Ebene auszurichten, und den Wurf mit möglichst weit gebeugtem Arm zu starten (also ohne Zielen mit gestrecktem Arm), habe ich die geringste seitliche Streuung. Nicht immer, aber deutlich häufiger als sonst, steckt der Dart dann genau in der 20-er Achse des Boards. Leider ist die vertikale Streuung dann sehr groß, nämlich gleichmäßig verteilt zwischen dem Zahlenring und Bull.
    Ich vermute mal, das liegt daran, dass die Hand nicht der Flugparabel folgt, sondern einen Kreisbogen beschreibt, wenn ich versuche, den Oberarm möglichst ruhig zu halten. Geringe Fehler des Loslass-Moments führen dann zu starker Abweichung des vertikalen Winkels. Oder ich habe mangels Übung noch keine konstante Wurfgeschwindigkeit.
    Wenn ich während der Wurfewegung mit dem rechte Auge über die Dartsspitze peile, kann ich gut "vorhersagen", ob es ein guter Wurf wird, oder ob er total daneben geht. Leider ist das eine Sinnestäuschung. Man ist der Meinung, dass die Erkenntnis oder Bewertung bereits vor dem Loslassen stattgefunden hat, in Wirklichkeit ist der menschliche Verstand aber viel zu langsam. Der Wurf ist eine reine Reflexbewegung, und das Bewusstsein gaukelt einem vor, dass Wahrnehmung und Aktion gleichzeitig stattfinden würden. Tut's aber nicht. Das ganze geht viel zu schnell, als dass man irgendwie sinnvoll Einfluss nehmen könnte. Man kann nur versuchen, die gewonnene Information (ging zu weit nach links, zu stark...) beim nächsten Wurf einzusetzen. Leider neigt man dabei zur Überkompensation, d.h. wirft dann zu weit nach links, zu schwach usw. Ok, kann man üben...
    Das mit der "Stoßbewegung" stimmt aber wohl doch. Wenn ich nicht krampfhaft versuche, alles richtig zu machen, sondern einfach locker nach Gefühl werfe, habe ich die geringste Streuung. Auch nicht immer, aber doch so häufig, dass ich mir einbilde, dass es nicht bloß Zufall sein kann, stecken die Darts erstaunlich dicht beieinander. Oft berühren sich die Barrels und/oder die Spitzen sind nur 10-20mm auseinander. Leider nicht dort, wo ich hinziele, sondern 1-3 Felder weiter, meistens zu weit rechts. Das liegt wohl daran, dass mein Ellenbogen bei meiner "gefühlt natürlichen Wurfbewegung" nach rechts ausweicht, und der Unterarm nach links geneigt ist. Das liegt daran, dass ich wohl unterbewusst versuche, die Hand auf einer möglichst geraden Linie zu führen, so wie beim Stoßen einer Feile.

    Nachdem ich mich in den letzten 3 Wochen fleißig mit Informationen versorgt habe (hier im Forum und bei Youtube), ist es jetzt mal Zeit, das in die Praxis umzusetzen. Das wird jetzt kein echtes Trainingstagebuch, aber ich dachte mir, kann nicht schaden, ab und zu was darüber zu schreiben, was mir so auffällt, was klappt und was nicht.Früher hab ich mir überhaupt keine Gedanken gemacht über Wurftechnik und hab einfach drauf los geworfen. Ich hab auch überhaupt nicht gezielt, also ich meine damit, nicht mit dem Auge über den Finger, die Spitze des Darts oder sonstwie versucht, das Ziel anzupeilen. Stattdessen habe ich mit dem Dart irgendwo neben dem Ohr angefangen zu werfen, so wie ein Cowboy aus der Hüfte schießt, ohne Kimme und Korn zu benutzen. Hat irgendwie funktioniert, solange man eine gewisse Konstanz in der Körperpositionierung und ein intuitives Gefühl für die Auge-Arm-Koordination hat. Seit ich jetzt aber mit verschiedenen Wurftechniken und Korrekturmaßnahmen herumexperimentiere, hab ich die nicht mehr.

    Ist logisch, wenn man viele Sachen auf einmal ändert, wird man erstmal schlechter, und hat über das Ergebnis keine richtige Rückmeldung mehr, ob eine einzelne Maßnahme etwas gebracht hat oder nicht. Es könnte deshalb sein, dass es im Moment am sinnvollsten ist, einen "Reset" zu machen, und den Wurf nochmal ganz von Anfang an zu lernen.
    Aber erstmal der Reihe nach, was ich so alles an Fehlern entdeckt habe:

    1. Ich greife den Dart mit drei Fingern, also Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger. Dabei liegen bei einer entspannten Handstellung Zeige- und Mittelfinger eher etwas über dem Barrel, der Daumen etwas darunter. Öffnet man den Griff beim Loslasen nicht schnell genug, streift ein Finger noch den Schaft oder das hintere Ende des Barrels und gibt dem Dart einen seitlichen Impuls. Einmal habe ich beobachtet, dass der Dart eine regelrechte Kurve geflogen ist wie ein angedrehter Ball, und durch den Linksimpuls auf den Schaft die Spitze dann zu weit rechts gelandet ist.
    Da ich schon von mehreren Leuten gehört habe, dass sie tendenziell eher nach rechts streuen, scheint das ein verbreitetes Phänomen zu sein (bei Rechtshändern). Wenn ich die Hand nach rechts-hinten abwinkle, damit die Berührpunkte der Finger sich möglichst exakt horizontal gegenüber liegen, ist der Weg nach oben frei, und die Gefahr des Streifens beim Loslassen geringer. Wenn ich das bewusst mache, wird auch die horizontale Streuung kleiner. Da die Handstellung sich aber ungewohnt anfühlt, halte ich das nicht lange durch.
    2. Ich habe mir in letzter Zeit angewöhnt, vor dem Wurf mit ausgestrecker Hand zu zielen. Ist im Prinzip auch sinnvoll, um die Körperachse und den Oberarm auszurichten. Denn je größer Der Abstand vom Auge zum "Korn" ist, desto genauer kann man zielen (Gewehr schießt genauer als Revolver). Allerdings ist es ein Fehler (siehe dartblog), danach den Unterarm zum ausholen schnell zurückzuziehen, weil dadurch die Startposition des Wurfs sehr ungenau wird.
    Also wäre die korrekte Vorgehensweise eigentlich: Ziel mit gestrecktem Arm anvisieren, Körperstand, Kopf Schulter und Oberarm einfrieren, Unterarm kontrolliert zurückziehen und nach erreichen der optimalen Stellung (Ober/Unterarm-Ebene senkrecht) werfen. Oder das Ausstrecken des Arms komplett wegzulassen, und die Körperausrichtung über Gefühl oder andere Hilfsmittel(*) zu machen.

    3. Beim letzten (einzigen) Turnier wurde ich darauf angesprochen, dass ich den Oberarm zu sehr bewege, also eine zu starke "Stoßbewegung" mache. Mir ist das selber noch nicht aufgefallen. Ich hab das damals darauf geschoben, dass ich zu müde und unkonzentriert war, werde aber in Zukunft versuchen, verstärkt darauf zu achten.
    (*) Ich habe kürzlich ein Werbevideo von Winmau angeschaut, wo dieses "Right Sight" der so ähnlich vorgestellt wurde. Ist zum Spielen eigentlich komplett unnötig, und ich werd's mir auch nicht kaufen, weil man das gleiche auch damit erreichen kann, dass man einen langen Nagel in die Wand schlägt. Außerdem sollte man ja auch in der Lage sein, aus einem seitlich versetzten Standplatz was zu treffen, wenn das Zielfeld durch bereits geworfene Darts tw. verdeckt ist. Für das Training ist eine Kontrollmöglichkeit, ob Körper und Kopf exakt ausgerichtet sind, aber eigentlich gar keine schlechte Idee. Dann kann man zumindest eine Fehlerquelle ausschließen, und sich auf die anderen Sachen konzentrieren.

    Hallo Elmo71,
    die Liste vom BWDV ist ganz hilfreich. :thumbup: Komischerweise hab ich die über Google vorher nicht gefunden.
    pascal: Flights of Stuttgart schein in S-Rohr zu sein, das ist nicht weit weg von Böblingen. Ich bin auch aus der Gegend, allerdings noch etwas weiter südlich (Nähe Rottenburg).
    IlLeone, weisst Du zufällig, ob bei der Dart Liga Schwaben auch Steeldarts gespielt wird? Auf deren Homepage steht nichts genaues, aber ich sehe nur Bilder von E-Darts.

    Ah, das trifft sich gut. Ich hab mir gerade mal einige Deiner Videos angeschaut (dartblog). Super gemacht! Schade dass Deine Versuchsteilnehmer erstmal ausgefallen sind, das mit dem 4-Wochen-Trainingsplan hätte mich wirklich interessiert. Ich hab aber auch so erstmal genug Input. Ich hab mich auch noch ein bischen durchs Forum gelesen. Die Probleme sind wirklich of immer wieder die gleichen, und einiges hab ich auch bei mir wiederentdeckt. Mangelnde Konstanz und Reproduzierbarkeit von Glückstreffern und "guten Tagen". Wenns dann mal nicht so klappt, ändert man was, wird erstmal (noch) schlechter, und weiss dann nicht, ob man sich erstmal dran gewöhnen muss, oder ob einem der neue Stil grundsätzlich nicht liegt usw...

    Ich glaube, ich werde mich jetzt erstmal eine Weile wieder in mein stilles Kämmerlein verziehen, und einiges von den Ratschlägen ausprobieren. Wenn die Zeit reif ist such ich mir dann nach Möglichkeit einen Steel-Darts-Verein.

    Danke auch an die anderen für das Feedback.

    Eine Prügelei habe ich zwar beim Dart noch nicht mitbekommen (...) Aber dass bei manchen das Darten nur Nebensache ist und es denen hauptsächlich ums Saufen geht, ist ein Phänomen mit dem man beim E-Dart leben muss.


    Ah, ok, danke, das hilft mir schonmal weiter. Das lässt im Umkehrschluss hoffen, dass es beim Steel-Darts nicht so (extrem) ist.

    Zitat

    ... nur was willst Du uns damit sagen ?

    Keine Ahnung. Ich hab ja selber geschrieben, ich weiss nicht, wie es jetzt weitergeht. Ich hatte einfach das Bedürfnis, das irgendwo los zu werden, und wollte die Reaktionen abwarten. Ich habe versucht, es möglichst mit Humor rüberzubringen. Sich irgendwo zu beschweren hätte sicher nichts gebracht. Der Wirt ist sicher dankbar für den Umsatz und kann auf mich als "schlechten" Kunden sicher verzichten.

    Zitat

    Wenn man die Geschichte dann von einem BILD-Redakteur überarbeiten lässt, kommt auch dieser Text am Ende raus.

    Habe ich jetzt nicht ganz kapiert. Aber wenn die BILD davon berichtet hätte, dann wäre da sicher in riesigen Lettern gestanden "Schlägerei bei Turnier", daneben ein Bild von jemandem mit blauem Auge, der Boris Becker ähnlich sieht. Der war zwar niemals dort, und mit Tennis hat es auch nichts zu tun, aber verkauft sich dann besser.

    Keine Angst ich frage jetzt nicht „Wie muss ich trainieren, damit ich möglichst schnell besser werde“ oder so ähnlich. Da muss ich dem Forum hier wirklich ein Lob aussprechen, das ist in dem Thread „Dart Neuling? Welche Dinge...“ schon so ziemlich alles gut erklärt. Ich will vielmehr meine tw. recht bizarren Erfahrungen von meinem ersten Turnier berichten. Auf die zu erwartenden Probleme wie z.B. nervositätsbedingter Blackout usw. war ich schon vorbereitet.

    Ich bin kein total blutiger Anfänger. Ich hab vor längerer Zeit schon ein bischen auf Automaten in Kneipen gespielt, aber immer nur gegen Kumpels und vielleicht einmal die Woche. Ich habe damals nie ernsthaft trainiert und auch noch nie im Verein oder bei Turnieren gespielt. Mit Heirat oder Umzug der meisten Kumpels hat es sich mit dem Dartsspielen dann aber erstmal für viele Jährchen erledigt. Ich bin dann aber beim Zappen im Fernsehen letztes Weihnachten bei der Darts-WM hängen geblieben, und dachte, „das könntest Du auch mal wieder machen“ und hab mir kurzerhand eine Scheibe gekauft. Wie zu erwarten hielt meine Frau nicht viel davon, und so blieb mir erstmal nichts anderes übrig, als gegen eine Handy-App zu spielen.

    Das wird aber natürlich auf Dauer irgendwann langweilig. Aber wozu gibt’s heutzutage Internet, also einfach mal „Darts Verein“ gegoogelt und auch sofort fündig geworden. Und siehe da, in meinem Nachbardorf fand letztes Wochenende ein Jedermann-Turnier statt (sog. „Kratzer-Turnier “). Ok, ich dachte, schlimmer als dass ich gleich nach 3 Runden rausfliege, kann’s ja nicht werden. Immerhin ist man dann um eine Erfahrung reicher und lernt vielleicht noch ein paar Leute kennen, oder kann ein paar guten Spielern zuschauen, die nicht auf völlig unerreichbarem Niveau spielen, wie im Fernsehen. Dass ich an diesem Abend komplett an meine Belastungsgrenze kommen würde, sowohl physisch wie auch psychisch, davon hatt ich zu diesem Zeitpunkt noch keine Ahnung...

    Ich dachte, ich wäre gut vorbereitet. Ich hab mir extra vorher noch einen Satz Soft-Darts besorgt (trainiere daheim mit Steel-Darts). Mental war ich auf ein mögliches Totalversagen eingestellt und ein Mischung aus Neugier und Mir-doch-egal-Einstellung kann nicht so verkehrt sein, dachte ich. Und ich habe mir erstmal vorgenommen, nichts zu trinken, habe aber auch den Fall eingeplant, dass ich entweder selber schwach werden würde oder in eine Situation kommen würde, wo Abstinenz als unhöflich aufgefasst würde. Da es zum Nachbardorf nur 3-4km waren, hätte ich das Auto zur Not auch stehen lassen können um heim zu laufen. Ich bin eine halbe Stunde vor offiziellem Start angekommen. Beim anmelden und bezahlen des Startgeldes habe ich eine kurze Einweisung bekommen, und bin dann erstmal etwas nervös geworden. Der Raum war schon brechend voll und die Spieler fleissig am Einspielen. Ich rechnete kurz hoch, dass bei über 30 Teilnehmern und nur 4 Automaten es entweder ein sehr hektischer oder ein sehr langer Abend werden würde. Bei dem Tempo mit dem die Pfeile geworfen wurden, würde eher die erste Option zutreffen, und ich hatte Angst, dass ich wie der Volldepp dastehen würde, wenn ich länger überlegen muss. Es wurde Masters-Out gespielt, wovon ich Null Plan hatte, und die Automaten zeigen anscheinend nur beim letzten Dart Finish-Vorschläge an.

    Es stellte sich aber bald heraus, dass das mein geringstes Problem sein sollte. Da das Leg beendet ist, sobald der erste ausmacht, brauchte ich mir keine Sorgen machen, jemals über Finish-Wege nachdenken zu müssen. Beim Auslosen und 4-5 Spielern pro Automat ist natürlich statistisch immer mindestens einer dabei, der richtig, richtig gut ist. Es hat sich dann herausgestellt, dass es noch einen Nebenraum mit nochmal 2 Automaten gibt. Allerdings kamen auch noch ein paar mehr Leute, so dass das Verhältnis von letztendlich knapp 50 Teilnehmern und 6 Automaten auch nicht viel besser war.

    Ich hab mich erstmal etwas entspannt und mir in Ruhe die Leute angesehen. Viele der Anwesenden hatten wirklich starke Ähnlichkeit mit den bekannten Profi-Spielern. Vertreten waren Spieler mit beachtlichem Bierbauch, tätowierte Rocker, vollbärtige Hipster und auch einige MvG-Prototypen waren anwesend, zumindest was die Frisur betraf. :rolleyes: Und auch ein anderes Klischee wurde bestätigt. Die Bedienung war pausenlos damit beschäftigt, Wagenrad-große Tabletts mit Bier, Jacky-Cola und allerlei hochprozentigem richtung Spielfeld zu tragen, und das vorherrschende Gesprächsthema waren Bestellungen und wer wem einen ausgeben musste. Das kann ja heiter werden...

    Die ersten Spiele liefen dann wider Erwarten erstaunlich gut. Ich spielte zwar selbst für meine bescheidenen Verhältnisse eher schlecht und traf nur selten und eher zufällig. Aber so einfache Dinge, wie dass 29 halt mehr als 26 sind, haben mir mehr als einmal den Arsch gerettet. Und so gelang es mir mit Mühe und Not, mich vier Runden über Wasser zu halten, ohne einen einzigen Kratzer zu kassieren. Einmal hatte ich sogar die Chance gehabt, ausmachen zu können (Finish-Bereich fängt bei mir bei max. 60 an :S ), hab's aber natürlich versemmelt, weil mir ganz plötzlich die Pumpe ging.

    Leider war die Turnierleitung (der Wirt) mit Ihrer Aufgabe, die knappe Resource „freie Automaten“ möglichst ohne Verzögerung wartenden Spielern zuzuorden, etwas überfordert. Unverständlicherweise wurde immer gewartet, bis alle Teams komplett fertig waren, bevor eine neue Runde ausgelost wurde. Und irgenwo kam es immer wieder vor, dass jemand 5 Aufnamen lang die double-1 nicht traf. Das führte zu unnötigen Verzögerungen, so dass die Säufer beschlossen, verstärkt von der reichlich vorhandenen Resource „Alkohol“ gebrauch zu machen. Die besseren Spieler haben sich auch gelangweilt, und angefangen, Round-the-clock oder Bulls-eye zu trainieren. Das wiederum führte zu weiteren Verzögerungen durch Diskussionen, weil eigentlich freie Automaten nicht mehr als solche zu erkennen waren.

    Bei mir machte sich inzwischen ein zusätzliches Problem bemerkbar. Es gab praktisch keine funktionierende Lüftung. Fenster durften nicht geöffnet werden, weil die Spieler sofort protestierten, ein Luftzug könnte die Flugbahn ihrer Pfeile stören. Selbst ohne den reichlich vorhandenen Zigarettenrauch hat allein wegen der dicht gedrängten Menschenmenge der Sauerstoffgehalt irgendwann einen lebensbedrohlich niedrigen Wert angenommen. Mir schmerzte der Rücken vom langen stehen. Die Stimmung wurde nicht nur bei mir immer schlechter. Ständig wurde man von irgendwo angerempelt. Obwohl schon zahlreiche Spieler ausgeschieden waren, wurde der Raum nur unmerklich leerer. Wahrscheilich waren die Ausgeschiedenen die im Darts weniger fitten „Taxifahrer“ der besseren Spieler, die jetzt zur Untätigkeit verdonnert waren.

    Nicht gewundert habe ich mich dann über eine beinahe-Bierdusche. Ein stark angeheiterter Kollege hatte wohl das Gleichgwicht verloren, und beim Umfallen den halben Tisch mit vollen Gläsern abgeräumt. Ich konnte nur knapp ausweichen. Obwohl durch notdürftiges Aufwischen etwas verdünnt, erwies sich eingetrocknetes Bier vermischt mit Jacky-Cola als ausgesprochen starker Kleber. An der Decke tanzen wie bei Pippi Langstrumpf konnte man zwar nicht, aber man konnte sich am Oche gefühlt 45° nach vorne beugen, ohne umzufallen.

    Mehr getroffen habe ich dadurch aber nicht, eher weniger. In Runde 5 bis 7 musste ich mit zunehmender Erschöpfung kämpfen. Meine Augen brannten von der schlechten Luft so stark, dass ich das Board nur noch verschwommen gesehen habe, und froh sein konnte, überhaupt noch die Scheibe zu treffen. Ich kassierte deshalb gleich drei Kratzer hintereinander. Ich hatte offensichtlich ein starkes Defizit in Sachen Alkohol- und Rauchtoleranz. Den anderen Spielern schien das anscheinend nichts auszumachen. Als „Amateur“ hatte ich aber noch einen „Idiotenbonus“, während nämlich Vereinsspieler nach 3 Kratzern ausschieden, durften Amateure einen mehr kassieren. Habe dann aber gemerkt, dass es keine gute Idee war, den Bonus auch auszunutzen.


    Als ich kurz davor war, den verbitterten Kampf gegen den Schlaf zu verlieren, wurde das monotone „poc, poc, poc“ der einschlagenden Darts plötzlich von einem auffallend lauterem Rumpeln unterbrochen. Ich bekam nur im Augenwinkel mit, wie ein Spieler quer durch den Raum angeflogen kam, und mit dem Kopf am Sockel eines Automaten einschlug. Mein nur noch in Zeitlupe arbeitendes Gehirn versuchte, das eben wahrgenommene einzuordnen. Meine erste Vermutung war, dass mal wieder einer zu tief ins Glas geschaut hat, und haltlos umhergetorkelt ist. Dafür war aber die „Fluggeschwindigkeit“ eindeutig zu hoch. Die nächste Theorie war, dass es wieder jemand langweilig geworden war, und die Bodybuilder-Fraktion mit den leichteren Teilnehmern Zwergen-Weitwurf übte. Das war aber dann wohl doch zu unrealistisch.

    (immerhin hab ich hier einen zur Situation passenden Smiley gefunden, :jaws: scheint also doch nicht so abwegig zu sein :D )

    Die Auflösung des Rätsels folgte, als sich das „Wurfgeschoss“ trotz heftig blutendem Gesicht wieder aufrappelte, und wutentbrannt auf einen anderen Spieler losging. War irgendwie eigentlich vorhersehbar. Viel Alkohol + gereizte Stimmung + ständiges angerempelt-werden = Überraschung... Schlägerei!
    :box:
    Der Großteil der besoffenen Meute teilte sich in zwei Lager, die jeweils einen der Kontrahenten festhielt und so immerhin schlimmeres verhinderte. Zu meiner Überraschung machte der Wirt keine Anstalten, die Schläger auf die Straße zu setzen. Er versuchte nur, die Sache herunterzuspielen, und die Leute zum Bleiben und Weiterspielen zu überreden. Entweder hatte er Angst, seine „besten“ Kunden zu verlieren, oder das ist dort so normal, dass es einfach hingenommen wird. Es kam dann noch mehrfach zu hitzigen Diskussionen, üblen Beschimpfungen und Handgreiflichkeiten, auch zwischen anderen Spielern.

    Obwohl meine körperliche Verfassung etwas von dem Adrenalinschub profitierte – ich war tatsächlich wieder etwas wacher und traf sogar noch ein paar Triple – war jetzt der absolute Motivations-Tiefpunkt erreicht. Nach der 8. Runde hatte ich endgültig die Schnauze voll und brach die Sache ab, meldete mich ab, zahlte und ging heim. Und ich hab ehrlich gesagt auch überhaupt keine Lust, sowas in absehbarer Zeit nochmal zu wiederholen.

    Ich will jetzt kein Moralapostel sein. Ich trinke gerne auch mal ein Bierchen und gönne anderen auch ihren Spass. Aber irgendwo gibt’s auch Grenzen. Jetzt versteh ich auch den Spruch auf einem der T-Shirts: „Nur die harten gehen zum Darten“. Ich vertrage halt zu wenig. Mein persönlicher Wohlfühl-Pegel liegt so bei einem Bier, mit zweien bin ich schon relativ angeheitert, und mit dreien wahrscheinlich nicht mehr vernünftig spielen. Ich habe kein Problem damit, wenn der Wohlfühlpegel bei jemand anders deutlich höher liegt. Aber spätestens, wenn sich jemand nicht mehr im Griff hat und aggressiv wird, dann hört der Spaß definitiv auf. Das hat mit Sport dann einfach nichts mehr zu tun.

    Ich weiss jetzt ehrlich gesagt nicht, wie’s weitergeht. Ganz aufgeben möchte ich eigentlich nicht. Ich hoffe mal, ich hatte nur Pech, und vielleicht findet sich ja noch ein Ort, wo’s nicht ganz so exzessiv zugeht.

    (PS: ich wusste jetzt nicht, ob das Thema eher zu „Darts-Riten“, „Dartssport & Gesundheit“ oder zum Thema „Turniere“ passt, ist von allem was dabei)