Hallo in die Runde!
Für mich ist die
Q-School neben der ersten Runde der Weltmeisterschaft und dem World
Cup – wo man die Spieler der vielen Affiliate Tours auch mal im TV
sehen kann und weshalb ich auch ein großer Freund der Aufstockung
des WM-Teilnehmerfeldes auf 128 Spieler war – jedes Jahr das
spannendste Turnier im Kalender. Schließlich entscheidet sich hier,
welche neuen (oder alten) Gesichter man in den kommenden beiden
Saisons auf der Tour verfolgen kann.
Passend zum
Jahreswechsel und dem Beginn der neuen Saison habe ich mich deshalb
jetzt auch endlich dazu entschlossen, mich hier im Forum als User zu
registrieren, nachdem ich nun schon seit vielen Jahren ein stiller
Mitleser war. Da die Registrierung für neue User leider wegen der
kürzlichen WM immer noch eingeschränkt war, kommt mein erster Post
jetzt jedoch etwas verspätet.
Ich hatte den
folgenden Text mit meinen Einschätzungen zur First Stage und meinen
Erwartungen für die Final Stage bereits gestern Abend bzw. heute
Morgen vorgeschrieben. Auch wenn der erste Tag der Final Stage jetzt
schon angebrochen ist, wollte ich meine Gedanken dennoch hier im
Forum teilen. Immerhin habe ich heute auch noch nicht in DartConnect
reingeschaut. Bei den Turnieren auf dem Floor steige ich
grundsätzlich gerne erst nach den ersten eins, zwei Runden ein,
damit ich nicht den ganzen Tag lang in irgendwelchen Matchcentern und auf DartsRankings rumhänge.
Hier mal meine
Einschätzungen zur First Stage.
UK
Für mich war es in
dieser Anzahl echt überraschend, dass die Iren so gut abgeschnitten
haben. Wobei es da ja mit Michael Flynn, Dylan Dowling und vor allem
Conor Heneghan sogar noch drei relativ bekannte Namen erwischt hat.
Letzterem hätte ich sogar in der Final Stage etwas zugetraut, auch
wenn die Entwicklung in den letzten Jahren stagniert ist. Klar hätte
es mit den Leistungen dann eh nicht gereicht, aber mit drei Mal 80+
kein einziges Spiel zu gewinnen, ist schon etwas hart.
Das zeigt aber auf,
dass es in Irland jetzt seit einigen Jahren in der zweiten/dritten
Reihe und vor allem im Jugendbereich eine echte Entwicklung gibt. Das
wird sich denke ich über kurz oder lang auch irgendwann auf die
Anzahl der Tourcard Holder auswirken. Lange Zeit war ja William
O’Connor die einzige Konstante. Dann hatte man noch mal ein paar
Jahre Veteranen wie Connie Finnan und Mick McGowan dahinter, ehe es
dann mit Steve Lennon, Keane Barry, Dylan Slevin oder auch Ciarán
Teehan schon einmal ein Schwung junger Iren auf die Tour geschafft
hat. Bei Lennon und vor allem Teehan ging das Niveau die letzten
Jahre aber teils deutlich runter, bei Slevin ist die Entwicklung
nicht gut und Barry konnte die hohen Erwartungen im Herrenbereich
bisher auch noch nicht erfüllen.
Ansonsten sind
wieder einmal viele der alten Recken bereits in der First Stage
gescheitert. Ich finde das ja immer etwas traurig, wenn man dann die
Averages von ehemaligen Topspielern so sieht. Aber das ist wohl der
Lauf der Zeit. Bei einigen Leuten wie Kevin Painter kann ich es aber
auch nicht nachvollziehen, warum er es überhaupt noch versucht. Ich
verstehe zwar, dass für einige, die ihre Profikarriere bereits
beendet haben, jetzt die Senior Tour als Einnahmequelle weggefallen
ist. Ein gewisses Niveau, wie es beispielsweise Steve Beaton oder
John Henderson noch aufweisen können, braucht es dann aber schon.
Adrian Gray und vor
allem Richie Burnett (der kann zumindest noch mal nachrücken) hätte
ich dann aber schon auch noch mal gerne in der Final Stage gesehen.
Für John Part hingegen ist die Quali für die Final Stage natürlich
noch einmal eine schöne Geschichte, auch wenn er da absolut nicht
konkurrenzfähig sein wird. Bei ihm hoffe ich ja immer noch, dass er
sich mit einem guten Turnier mal für das nordamerikanische World
Series Event qualifizieren kann. Das dürfte zu diesem Zeitpunkt
seiner Karriere wohl noch mal das höchste der Gefühle sein.
Sehr schade hingegen
war das Fehlen von Keegan Brown. Bei ihm hatte ich letztes Jahr auf
der Challenge Tour das Gefühl, dass er langsam wieder in Form kommt.
Er ist ja zuerst während der Coronapandemie abgesackt, als er den
Fokus mehr auf seinen Job im medizinischen Bereich gelegt hat und
danach kamen noch Verletzungsprobleme hinzu, die zum Verlust seiner
Tourkarte beigetragen haben. Ich vergleiche ihn immer gerne mit einem
Ricky Evans oder einem Jeffrey de Zwaan. Ich glaube mit vollem Fokus
auf Darts und ohne Verletzungsprobleme hätte er immer noch das
Potenzial für die Top 32.
Darüber hinaus gibt
es noch ein paar weitere Namen, die ich gerne in der Final Stage
gesehen bzw. mit deren Qualifikation ich gerechnet hätte:
Archie Self (gut,
der hat noch Zeit)
Gemma Hayter (ist
hinter der weiblichen Spitze sicherlich die talentierteste Spielerin)
Lewis Gurney (könnte
zumindest nach dem ersten Tag nachrücken)
Owen Maiden
Michael Burgoine
Ashley Coleman
Daniel Astbury
Daniel Perry
EU
Auch hier war es für
mich relativ überraschend, wie viele Italiener und Spanier gespielt
haben und wie gut sie teils auch in der Breite abgeschnitten haben.
Haben sich ja neben dem großen Favoriten Cristo Reyes dann doch ein
paar in die Final Stage gespielt. Gut, Justicia und Noguera hatten
jeweils schon mal eine Tourkarte und auch Massimo Dante war immerhin
schon mal beim World Cup dabei. War aber trotzdem bemerkenswert.
Vor allem, wenn man
auch noch die Franzosen aus dem mediterranen Raum dazunimmt. Da hat
sich mit Nicolas Thuillier (dem ich sogar Außenseiterchancen
ausrechne, den Labre von 2023 zu machen) immerhin auch ein Spieler
durchgesetzt und mit Gislette und Le Calvez haben zwei an der Final
Stage geschnuppert. Insgesamt doch ein positiver Trend aus Südeuropa,
wenn man zudem die Achtungserfolge von Frankreich und Italien beim
World Cup betrachtet, auch wenn Labre und Turetta in den vergangenen
Jahren abgeschlagen ihre Karten verloren haben.
Etwas enttäuscht
war ich hingegen von den Nord- und Osteuropäern, insbesondere aber
von den Tschechen. Da haben mit Krivka, Smeijda, Benecky, Jirkal,
Sedlak und Smolik doch eine ganze Reihe von Spielern, denen man die
Final Stage durchaus zutrauen konnte, ihre Leistung nicht gebracht.
Mit Cavajda als Tagessieger und Moravcik sowie Pisek als Nachrücker
sind immerhin noch drei auf den letzten Drücker über die Ziellinie.
Auch bei den Polen (Kciuk, Steyer) und Ungarn (Borbely, Jehirszki)
haben es ausgerechnet die größeren Namen nicht geschafft.
Bei den Belgiern sah
es zwischenzeitlich auch ziemlich schlecht aus, aber die haben sich
am Ende gerade noch gefangen. Ich denke aber außer vielleicht Brian
Raman wird da keiner wirklich um eine Tourkarte mitspielen können.
Lennert Faes und Nunjo Dewaele sind vielleicht mal für die Zukunft
ganz interessant. Die waren auf der Development Tour jetzt nicht ganz
verkehrt unterwegs. Luc Bogaert hatte hingegen ziemlich Pech. Wenn du
in der EU Q-School jedes Spiel mit 80+ unterwegs bist und keinen
einzigen Punkt holst, ist das schon bitter.
Bitter lief die
First Stage auch für Österreich. Tringler hätte ich es nach den
letzten beiden Jahren ja echt gegönnt und Rowby ist auch immer für
einen Run gut, aber da stimmt wohl bei beiden die Form aktuell
einfach nicht. Bei Rainer Sturm muss man denke ich schon das
Erreichen der Final Stage als Erfolg werten. Die Schweiz hat mit
Bruno Stöckli und Marcel Walpen ihre beiden Kandidaten
durchgebracht.
Die beiden größten
Enttäuschungen waren für mich Anton Östlund und Franz Rötzsch.
Östlund hat letztes Jahr immerhin konstant 85+ gespielt und ist nur
knapp an einer Tourkarte gescheitert. Da haben aber vergangene Saison
dann auch schon auf der Nordic & Baltic Tour die Ergebnisse nicht
mehr so gestimmt. Bei Franz Rötzsch ist man es ja gewohnt, dass er
in seiner Leistung immer etwas zwischen Genie und Wahnsinn schwankt.
Aber es dann nicht einmal die Final Stage zu schaffen, ist schon
hart. Mit etwas mehr Konstanz und Entwicklung könnte er in meinen
Augen durchaus den Weg von seinem Buddy Lukas Wenig einschlagen. Das
Potenzial dazu hat er.
Aus deutscher Sicht
hätte man ansonsten sicher noch bei Troppmann und Bohrmann ein
Weiterkommen erwarten können, bei Lenny Schlüter war zumindest die
Hoffnung da, aber der hat noch mehr als genug Zeit. Zudem hätte ich
bei den Niederländern auf jeden Fall noch mit Jarno Bottenberg und
Owen Roelofs gerechnet, wobei bei Letzterem die Entwicklung nun auch
schon längere Zeit rückläufig ist.