Dartskommentatoren E. Paulke und F. Buschmann in der NDR-Talkshow

  • mMn ist man ein Profi, wenn man keinen Job neben dem Darts spielen hat und man am Ende vom Jahr im Plus ist(man also sein Leben ohne "fremdes" Geld (Kredite/Verwandte) gelebt hat.)

    Wenn man nach ein paar Jahren nichtmehr vom Darts Leben kann, kann man sich einen neuen Job suchen oder in den Job vor der Profi-Karriere zurückkehren. Trozdem war man eine Zeit lang ein Darts-Profi und hat davon gelebt, auch wenn man sich damit nicht den Rest des Lebens finanziert hat.


    Sehe ich auch so. Ich halte generell diese Einstellung (gerade durch die Medien befördert), dass die Einnahmen von Profisportlern nach dem Karriereende "für den Rest des Lebens" reichen müssen, für ziemlich unsinnig. Es ist toll für die Sportler, bei denen das der Fall ist, aber grundsätzlich sollte man das Sportprofitum erst einmal genauso ansehen wie jeden anderen Beruf auch, als Möglichkeit zum Bestreiten des aktuellen Lebensunterhaltes.

    Einmal editiert, zuletzt von Zeyes (20. November 2016 um 01:04)

  • Da gebe ich Dir in vielem Recht, gerade im Tennis und Golf kann man auf der Pro Tour eben nur als echter Profi ehrgeizig bestreiten, da gehen auch kleinere Turniere eine ganze Woche lang. Auf der anderen Seite haben die Spitzenspieler dort Werbeverträge in zweistelliger Millionenhöhe. Roger Federer hatte zwischen Juni 2015 und Juni 2016 über 67 Millionen US Dollar verdient. Wieviel war das bei Taylor oder van Gerwen? ;)
    Ja, ich habe weniger an englische Spieler, sondern an deutsche/europäische Spieler gedacht. Aber selbst bei der European Tour ist es so eine Sache. Wenn man keinen Sponsor hat und mal alles zusammenrechnet (Startgebühr, Anreise, Unterkunft, Verpflegung) bleibt so unendlich viel von 1.000 Euro Preisgeld auch nicht mehr übrig. Zumal man ja, wenn ich jetzt nicht ganz falsch liege, in der Regel 2 Tage Urlaub pro Event einplanen muss.


    Aber ja, gerade als Semi-Profi (oder sehr ambitionierten Amateur Sportler) lässt sich Darts ganz gut bestreiten, deutlich besser jedenfalls, als in anderen Sportarten. Bei solch einer Entscheidung sollte man aber immer bedenken, dass auf zwei Hochzeiten tanzen selten in tolle Karrieren in beiden Bereichen mündet. Aber das ist ja wieder ein ganz anderes Thema. :)


  • Sehe ich auch so. Ich halte generell diese Einstellung (gerade durch die Medien befördert), dass die Einnahmen von Profisportlern nach dem Karriereende "für den Rest des Lebens" reichen müssen, für ziemlich unsinnig. Es ist toll für die Sportler, bei denen das der Fall ist, aber grundsätzlich sollte man das Sportprofitum erst einmal genauso ansehen wie jeden anderen Beruf auch, als Möglichkeit zum Bestreiten des aktuellen Lebensunterhaltes.

    Mir als Zuschauer ist dabei aber durchaus bewusst, dass sie andere Karrieremöglichkeiten dafür wegwerfen weil ihnen einfach 10-20 Jahre Berufsleben, Erfahrungen und Weiterentwicklungsmöglichkeiten in anderen Bereichen fehlen.
    Gerade sehr junge Menschen bedenken das aus einer gewissen Naivität heraus aus meiner Sicht zu wenig.

  • Mir als Zuschauer ist dabei aber durchaus bewusst, dass sie andere Karrieremöglichkeiten dafür wegwerfen weil ihnen einfach 10-20 Jahre Berufsleben, Erfahrungen und Weiterentwicklungsmöglichkeiten in anderen Bereichen fehlen.
    Gerade sehr junge Menschen bedenken das aus einer gewissen Naivität heraus aus meiner Sicht zu wenig.


    Diese Ansicht ist mir persönlich zu paternalistisch. Selbstverständlich sollte man gerade Nachwuchstalenten so viele Informationen wie möglich bereitstellen, damit sie eine vernünftige Entscheidung fällen können, aber Profisport ist nun mal auch kein 08/15-Bürojob - wer ernsthaft eine Karriere als Sportler in Betracht zieht, hat häufig sowieso eine andere Einstellung zum Thema Berufsleben, wie z.B. angehende Schauspieler und andere Künstler auch. Ich finde das zu kurz gegriffen, bei talentierten Sportlern quasi zu sagen, "überleg es dir genau: du könntest auch genauso viel Geld als Sachbearbeiter bei 'ner Versicherung verdienen".


  • Diese Ansicht ist mir persönlich zu paternalistisch. Selbstverständlich sollte man gerade Nachwuchstalenten so viele Informationen wie möglich bereitstellen, damit sie eine vernünftige Entscheidung fällen können, aber Profisport ist nun mal auch kein 08/15-Bürojob - wer ernsthaft eine Karriere als Sportler in Betracht zieht, hat häufig sowieso eine andere Einstellung zum Thema Berufsleben, wie z.B. angehende Schauspieler und andere Künstler auch. Ich finde das zu kurz gegriffen, bei talentierten Sportlern quasi zu sagen, "überleg es dir genau: du könntest auch genauso viel Geld als Sachbearbeiter bei 'ner Versicherung verdienen".

    Vielleicht hast Du aus meiner Argumentation heraus gelesen, dass es nicht nur ums Geld geht und auch nicht nur um den Sachbearbeiter. Das hat übrigens überhaupt nichts mit Paternalismus zu tun - der Begriff ist in diesem Zusammenhang komplett fehl am Platz.


    Vielmehr geht es um eine seriöse Chancen/Nutzen Abwägung. Das jedenfalls würde eine professionelle Karriere- und Lebensberatung ausmachen. Im Übrigen sehe ich das anders, wer sein Leben dem Sport zur Verfügung stellt (in anderen Sportarten als Darts ist damit ja auch oftmals eine körperliche Abnutzung verbunden), sollte genauso einen Anspruch darauf haben sorgenfrei zu leben, wie jeder andere Profi in jeder anderen Profession auch, also genug Geld verdienen um etwas auf die Seite legen zu können, das war in allen Berechnungen noch gar nicht enthalten. Zumal die Macher der Organisationen die mit den Sportarten Geld verdienen in aller Regel deutlich mehr vom Kuchen abgekommen als die Sportler selbst.
    Vielmehr glaube ich, dass die naive Sicht auf die Karriere, gerade absichtlich von Berater und auch Fans gefördert wird. Der eine weil er mit dem Sportler Geld verdienen will, der andere weil er sich an der Leistung der Sportler erfreuen möchte. An den Menschen hinter dem Sportler wird da nicht gedacht.
    In einem kompletten Leben wird es aber noch andere Dinge als den Sport, ja, möglicherweise sogar wichtigere geben. Mit 20 habe ich darüber auch anders gedacht, aber schließlich bin auch ich älter und reifer geworden. ;)

    2 Mal editiert, zuletzt von Ben@DDV (20. November 2016 um 01:28)

  • Vielleicht hast Du aus meiner Argumentation heraus gelesen, dass es nicht nur ums Geld geht und auch nicht nur um den Sachbearbeiter. Das hat übrigens überhaupt nichts mit Paternalismus zu tun - der Begriff ist in diesem Zusammenhang komplett fehl am Platz.

    Vielmehr geht es um eine seriöse Chancen/Nutzen Abwägung. Das jedenfalls würde eine professionelle Karriere- und Lebensberatung ausmachen.


    Die immer berücksichtigen sollte, dass ein anderes Individuum völlig andere Präferenzen und Erwartungen an das Leben haben könnte. Ich bin da grundsätzlich skeptisch, ob eine solche "Beratung" wirklich immer im Sinne des Beratenen ist, nicht nur, wenn sie von Spielerberatern, Managern und ähnlichen Leuten kommt. Wir sind alle in irgendeiner Weise ideologisch oder erfahrungsmäßig vorbelastet, und keiner sollte glauben, andere Menschen völlig vorurteilsfrei und objektiv anleiten zu können.


    Im Übrigen sehe ich das anders, wer sein Leben dem Sport zur Verfügung stellt (in anderen Sportarten als Darts ist damit ja auch oftmals eine körperliche Abnutzung verbunden), sollte genauso einen Anspruch darauf haben sorgenfrei zu leben, wie jeder andere Profi in jeder anderen Profession auch, also genug Geld verdienen um etwas auf die Seite legen zu können, das war in allen Berechnungen noch gar nicht enthalten.


    So funktioniert Profisport aber nun mal halt nicht, und wird er auch nicht. Es gehört zur Natur des sportlichen Wettkampfes, dass es mehr Teilnehmer gibt, die Erfolg haben möchten, als Teilnehmer, die am Ende auch Erfolg haben werden. Das gilt für Medaillen genauso wie für Preisgelder bzw. Vertragseinkommen. Es mag einige Sportarten wie Fußball geben, in denen sehr, sehr viele Sportler ihr Auskommen finden können, aber auch dort gibt es eine große Zahl von "Verlierern", für die es leistungsmäßig nicht gereicht hat. Diejenigen können dann einfach ihren Sport nicht als Profi ausüben, insofern ist "Profisportler sollten ein angemessenes Auskommen haben" ziemlich inhaltslos, weil tautologisch. Das bedeutet natürlich nicht, dass Profisportler mit einem Hungerlohn abgespeist werden sollten, während sich die Organisatoren die Taschen vollstopfen - diese Situation sehe ich allerdings bei der PDC auch nicht gegeben. Aber selbst, wenn das Maximum der Einnahmen an die Sportler weitergegeben wird, wird es immer noch eine große Zahl geben, für die nicht genug übrig bleibt.

    Wenn alle Sportler vollkommen rational handeln würden, hätte jeder Profisport genau so viele "Profi-Interessenten", wie er verkraften kann - wäre dann aber wahrscheinlich auch ziemlich langweilig und für die Öffentlichkeit uninteressant, so dass langfristig weniger Profis darin ihr Auskommen finden würden. Insofern ist die Konkurrenzsituation mit Karriere-Gewinnern und -Verlierern unabdingbar für das Weiterbestehen jeglichen Profisports. Es sollte natürlich darauf geachtet werden, dass denjenigen, die es nicht schaffen, ein möglichst einfacher Übergang in andere Beschäftigungen ermöglicht wird - aber das ist ein Thema, bei dem nicht nur im Profisport viel Nachholbedarf besteht.

    2 Mal editiert, zuletzt von Zeyes (20. November 2016 um 02:00)

  • Ich will es nicht mehr allzuweit ausweiten. Meine Erfahrung zeigt, dass solche Gespräche persönlich fruchtbarer sind als hinter der Tastatur im Internet. Du weisst ja auf welchen Turnieren ich zu finden bin, da setze ich das dann gerne fort. Nur noch ein-zwei Aspekte:

    Gerade bei Dir habe ich den Eindruck, dass Du in Deiner Argumentation Sportler in eine ganz bestimmte Richtung drängen würdest. Ich bin der Letzte, der Sportler daran hindern möchte Profi zu werden, sehe aber noch mehr Aspekte die gut bedacht sein wollen und gerade Berater beraten aus Eigennutz in der Regel in Deine Richtung.
    Ich plädiere ja lediglich dafür, dass genau abgewogen werden sollte um für sich selbst die beste Entscheidung zu treffen. Eine solche Entscheidung ist komplex und beeinträchtigt einen längeren Zeitraum als nur die Karriere. Der allgemeine Zuschauer möchte natürlich viele Athleten haben ohne dass ihn wirklich interessiert was dies für Auswirkungen auf die individuelle Biographie hat, genau deswegen sollte er aber nicht der Einzige Ratgeber sein.

    Gerade die vielen Verlierer in Sportarten wie Fußball und die Geschäfte die im Hintergrund getätigt werden sind ein Grund für Eltern ganz genau zu überlegen was für ihre Kinder die beste Option ist. Da sind wir wieder bei einer professionellen Chancen / Nutzen Abwägung.

    Einmal editiert, zuletzt von Ben@DDV (20. November 2016 um 10:35)

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