Sportveranstaltungen in Ländern die offensichtlich und legitimiert Menschenrechte missachten.

  • Was soll ein Land denn noch machen? Es steht in der Verfassung, es wird strafrechtlich verfolgt.


    Ist die Polizei schon mal einfach in eure Wohnung gestürmt? Wurdet ihr inhaftiert weil ihr eure Meinung gesagt habt? Hat man hier in Westeuropa in den letzten 20 Jahren einen Homosexuellen geköpft? Wird man gesteinigt wenn man Ehe bricht?

    Natürlich gibt es auch in westlichen Ländern Verfehlungen, aber die sind illegal. Die westlichen Länder als Schurkenstaaten darzustellen finde ich fast albern.

    Ich fühle mich in Deutschland jedenfalls frei. Und als ich in Paris war wurde ich auch nicht von der Polizei zusammengeschlagen und gefoltert.

    Hallo?? Guantanamo wird strafrechtlich verfolgt? Todesurteile und Ihre Vollstreckung wird strafrechtlich verfolgt? JETZT machst Du Dich lächerlich!

    Und auch hier in Europa ist die Polizei schon unberechtigt in Wohnungen gestürmt oder hat Leute getötet (nicht aus Notwehr!) OHNE strafrechtlich belangt zu werden. Und hauch hier wurden Leute schon, z.T. aus politischen Gründen von Polizisten zusammengeschlagen OHNE das dieses Konsequenzen für die Polizisten hatte! (London, Paris, Nürnberg, Berlin etc.)

    Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann

  • Also ich bin da ziemlich Zwiegestalten, auf der einen Seite gebe ich dem Threadersteller nicht ganz unrecht bezüglich der Menschenunwürdigen Zustände und der moralischen Fragwürdigkeit Geld in/mit diesen Ländern zu verdienen.

    Andererseits müssen wir fragwürdige Zustände nicht nach Arabien oder Asien, davon haben wir in Europa genug. HIer nur mal einiege Beispiele die mir auf die schnelle einfallen:

    - Menschenrechte und Russland passt nicht wirklich
    - Deutschland ist einer der größten Waffenexporteure der Welt
    - Menschenunwürdige Flüchtlingspolitik der EU
    - Stichwort: Frontex
    - Kinderarmut in Spanien
    - Rüstungspolitik mehr oder weniger der kompletten EU
    - Wirtschaftspolitik der europäischen Kommission in Griechenland + (versuchte) Politik in Spanien
    - In wie weit wir uns selbst noch in einem demokrratischen Land in seiner Grundidee befinden darf auch zumindest mal in Frage gestellt werden

    Dass es Länder und Bereiche der Erde gibt in denen es noch schlimmer als in Europa ist führt ja nicht zwangsläufig dazu, dass bei uns alle gut ist. Was machen wir jetzt mit diesen Erkenntnissen? Die Sportveranstaltungen auch in Europa (von den USA wollen wir hier gar nicht erst anfangen) einfach einstellen?

  • Jetzt mal ne einfache Frage an das ganze Forum: Wurden eure Menschenrechte in einem westlichen Land schonmal verletzt?

    Diese Frage meinst Du jetzt hoffentlich nicht ernst. Da schwillt mir ja der Kragen zu - ständig und dauerhaft, ja!

  • Also ich antworte mal chronologisch auf deine Beiträge.

    1.Beitrag:

    Natürlich wirst du in der Regierung der USA kein Schwein finden der sagt, dass Guanntanamo gegen Menschenrechte verstößt. Die Republikaner, die in der Opposition sind, wollen das Ding natürlich behalten. Die sind ja Hartliner wo sie nur können. Deswegen bin ich kein Freund des 2-Parteien-Systems. Das wär ja ein Schuss ins eigene Bein und deswegen klagt auch keiner vor dem Surpreme Court. Aber frag mal die Bevölkerung, die schämt sich nämlich in großen Teilen für Guantanamo. Man sollte jetzt nicht in Texas fragen wo die meisten die Republikaner wählen. Obama hat am meisten bei den Umfragewerten verloren, als er gesagt hat das Guantanamo offen bleibt. Die UN verurteilt Guantanamo aufs schärfste. Jetzt dürfen wir aber nich vergessen, dass die USA das mächtigste Land der Welt ist und keiner sich es mit denen verscherzen will. Da mischt man sich nicht gerne in die Innenpolitik ein und nimmt Guantanamo lieber zähneknirschend hin. Außerdem will ja auch nach einer Schließung kein westliches Land Häftlinge aufnehmen, auch Deutschland weigert sich ja. Das ist natürlich feige aber weit davon entfernt, dass sich wegen Guntanamo alle auf die Schulter klopfen. Es wird von allen als das verurteilt was es ist: Ein Schandfleck in der, ja ach so kultivierten, westlichen Welt.
    Wo habe ich die Todesstrafe verteidigt? Ich bin ein absoluter Feind der Todesstrafe. Hier wird natürlich eindeutig ein Menschenrecht gebrochen, aber die Leute die die Todesstrafe gut finden tun das ja (aus ihrer Sicht!) mit guten Absichten. Sie denken sie würden Menschen abschrecken Straftaten zu begehen. Ich finde, so pervers es ist, dass man ihnen das zugute halten muss.
    Aus moralischer und ethischer Sicht ist es für mich natürlich auch ein Verbrechen wenn man einen Mehrfachmörder vergaßt, oder auf den Stuhl setzt. Für mich macht es dennoch einen Unterschied ob man in der Todeszelle sitzt weil man 30 Frauen erwürgt hat, oder ob man in der Todeszelle sitzt nur weil man seinen Glauben abgelegt hat (darauf steht nämlich in nicht wenigen arabischen Ländern die Todesstrafe). Das Erste ist ein skandal, das Zweite so pervers, das ich dafür keinen Ausdruck finde.
    Das "es wird strafrechtlich verfolgt" bezog sich nicht auf Guantanamo oder die Todesstrafe sondern auf Menschenrechtsbrüche in der westlichen Welt im Allgemeinen.

    2.Beitrag:

    Erstmal arbeite ich deinen Katalog ab.

    1. Also zuallerst mal, ich hab Russland von Anfang an auch als einer dieser Staaten gesehen, die ich die ganze Zeit meine. Man siehe der Edit in Beitrag 23. Also Russland ist für mich einer dieser Schurkenstaaten.
    2. Dass Deutschland Waffen liefert ist eine riesen Schweinerei. Unsere Politiker stilisieren sich als Pazifisten (z.B jetzt in der Sache mit Mali) und verkaufen hintenrum Waffen in mehr als zweifelhafte Länder. Zum Beispiel Panzer nach Saudi-Arabien.
    Oft werden mit diesen Waffen dann demokratische Aufstände niedergeschlagen. Keine Frage, das ist ein Skandal und das kotz mich an und ich demonstriere bei jeder Gelegenheit dagegen. Aber (!) gegen welches Menschenrecht wird da konkret verstoßen? Ich will das nicht runterspielen, wie ich ja schon vorher erläutert habe, aber Menschenrechte werden hier nicht verletzt. Sie beziehen sich immer auf Menschen. Es gibt kein Menschenrecht das Waffenhandel verbietet (ich habe mich gerade extra durch die UN-Charta gewälzt). Die Bundesregierung könnte das doch sonst gar nicht durchziehen, die Opposition wär schon längst vor dem Bundesverfassungsgericht, wenn das so eindeutig wär.
    3. Die Flüchtlingspolitik der EU ist sicher streitbar, aber auch hier muss man immer zwei Seiten sehen. Wenn wir jetzt einfach sagen "kommt mal alle her" dann meckern auch alle. Es ist schwierig da ein Maß zu finden, dass für alle Fair ist. Übrigens lehnt dich kein Europäisches Land ab wenn du eindeutig belegen kannst, dass du politisch oder ethnisch verfolgt wirst. Ich finde man sollte noch die wegen ihrer Sexualität verfolgten mit in den Katalog aufnehmen, aber das ist ein anderes Thema.
    Außerdem werden hier auch keine Flüchtlinge im großen Stil (es gibt immer tragische Einzelfälle) gefoltert. Sie bekommen ein Heim, etwas zu Essen und wenn sie bei dem Asylantrag gelogen haben müssen sie leider wieder gehen. Wo wird da ein Menschenrecht verletzt? Die Staaten üben nur ihre Souveränität aus.
    4. Frontex ist sicher keine tolle Truppe. Warum klagt keiner vor dem Europäischen Gerichtshof? Das hab ich ja gerne, Leute in der westlichen Welt beschweren sich, dass ihre Menschenrechte verletzt werden, vergessen dabei aber ihre eigenen Rechte. Wenn einem was nicht passt geht man zum Verfassungsgericht. Diese Möglichkeiten haben Menschen im arabischen Raum nicht. Es gibt eine Gewaltenteilung. Meckern, aber zu feige sein um die Konsequenzen zu ziehen. Es müsste mir nur einmal hier in Deutschland etwas passieren und ich säß sofort in Karlsruhe. Wir können nicht über etwas meckern, was man auch gerichtlich verbieten könnte, sich aber einfach keiner traut was dagegen zu machen.
    5. Die Kinder- und Jugendarmut verstößt definitiv gegen die Menschenrechte, absolut richtig. Machen die Spanier das absichtlich? Nein! Es ist nicht das Ziel der Spanischen Regierung Kinder in die Armut zu stürzen. Natürlich ist sie Schuld, wegen ihrer völlig fehlgeleiteten Politik und sie muss auch zur Rechenschaft gezogen werden. Es war aber Fahrlässigkeit und nicht die eiskalte absichtliche Verletzung der Menschenrechte, wie sie im arabischen Raum an der Tagesordnung ist.
    6. Rüstungspolitik mehr oder weniger der gesamten EU: siehe 2
    7. Warum jetzt Wirtschaftspolitik gegen Menschenrecht verstößt verstehe ich überhaupt nicht. Natürlich betrifft diese Wirtschaftspolitik manche Menschen negativ, aber Menschenrechte werden verletzt? Ich glaube, dass hier immernoch Menschenrechte und andere Rechte durcheinander geworfen werden.
    8. Natürlich stelle auch ich unsere "demokratischen Länder" stetig auf die Probe. Das sollten wir alle tun.

    Ich habe nie und in keinster Weise behauptet, dass hier alles Friede, Freude, Eierkuchen ist.

    Mit diesen Erkenntnissen komme ich zu folgendem Schluss: Man kann mit reinem Gewissen in der westlichen Welt Sportveranstaltungen stattfinden lassen. Man muss jedoch immer wieder auch auf die Fehltritte der westlichen Länder aufmerksam machen.
    Der arabische Raum ist in Sachen Menschenrechte aber ein einziger Fehltritt, deswegen dort keine Sportveranstaltungen!

    3.Beitrag: Kannst du mit Beispiele nennen? Hast du geklagt? Wenn ja wie ist es ausgegangen, wenn nein warum hast du nicht geklagt?

    Vielleicht nochmal ganz Allgemein: Ich mag es nicht mit so schlecht definierten Begriffen wie "Armut" um mich zu werfen. Nach unserer westlichen (konkret der Deutschen) Definition bin ich nämlich auch von der Armut bertroffen, mir geht es aber sehr gut. Ich habe immer genug zu essen, eine Wohnung, ja sogar Luxusgegenstände wie einen Fernseher und einen PC.
    Was ich damit sagen will: Hier in Deutschland verstößt Armut nicht gegen die Menschenrechte. Wer hier offiziell als arm gilt, ist z.B in Somalia reich. Wenn man in solchen Ländern arm ist, kann es sein das man verhungert. Es gibt dort keine sozialen Sicherungssysteme!
    Man sollte aufpassen wenn man sagt, dass in der westlichen Welt wegen der Armut gegen Menschenrechte verstoßen wird.
    Das ist nur ein Beispiel für bestimme Begrifflichkeiten die man nicht gleichsetzen kann, wenn man die westliche Welt mit der arabischen, zentral- und südafrikanischen und südostasiatischen Welt vergleicht.

  • WO dürfen denn dann noch Sportveranstaltungen stattfinden?

    Auf irgendwelchen unbewohnten Inseln sollten in letzter Zeit vermutlich keine Menschenrechtsverletzungen passiert sein.


    Ich finde es immer wieder putzig, wenn die Demokratie und christliche Werte als Optimum angesehen werden.
    Muslime die so ihre Werte vertreten, werde in Europa als Haßprediger genannt.

    Die einzige Möglichkeit diese Mißstände zu ändern, ist eine weltweite Angleichung der Gesetzte gemäß UN-Menschenrechtskommission.
    Religion hat in der Politik auch nichts zu suchen.

    und nun schlagt mich

    Manchmal ertappen ich mich bei Selbstgesprächen, und dann lachen wir beide.

  • nur auf die Schnelle einige weiterere Gedanken: Könnte es sein, dass die "Menschenrechte" (ich nenns jetzt einfach mal so, eine genauere Kodifizierung nennen tu ich, wenn ich soll) in weiten Teilen der Welt kritisch betrachtet werden, weil sie als Ausdruck von moralischem Imperialismus betrachtet werden? (zu dieser Frage könnte ich mich stundenlang auslassen ;) -nur soviel: wer sind wir, dass wir uns ein Urteil über die Prinzipien anderer Kulturen anmaßen?)
    - Vom Grundgesetz garantierte Grund- und Menschenrechte werden von der Legislative/Exekutive/Judikative missachtet und mit Füßen getreten (hier in D!). Willst Du da wirklich Beispiele? Wieviele hättest denn gerne? (Warum sonst denkst Du, sind soviele Grundrechtsbeschwerden beim BVerfG erfolgreich?)
    - (Beispiel USA) eine der wesentlichen Rechtsnormen des anglo-amerikanischen Rechtssystems ist die Magna Carta von 1215. Die Prinzipien hatten fast 800 Jahre Bestand, bis sie durch den Patriot Act quasi abgeschafft wurden.
    Auch hier: nenn mir ein Land, und ich werde Dir von fundamentalen Menschenrechtsverletzungen berichten.
    Wenn Du argumentierst, dass Blasphemie (oder Mord, oder Vergewaltigung, oder Falschmünzerei, oder Hochverrat, oder Fahnenflucht, oder Drogenbesitz) kein todeswürdiges Verbrechen ist, kann ich Dir mit mindestens ebensovielen Gründen dagegen argumentieren.
    Klar, man kann immer wieder darauf hinweisen, aber ändern wirst das vermutlich nie (weil das das System nicht hergibt)

  • Auf irgendwelchen unbewohnten Inseln sollten in letzter Zeit vermutlich keine Menschenrechtsverletzungen passiert sein.


    Ich finde es immer wieder putzig, wenn die Demokratie und christliche Werte als Optimum angesehen werden.
    Muslime die so ihre Werte vertreten, werde in Europa als Haßprediger genannt.

    Die einzige Möglichkeit diese Mißstände zu ändern, ist eine weltweite Angleichung der Gesetzte gemäß UN-Menschenrechtskommission.
    Religion hat in der Politik auch nichts zu suchen.

    und nun schlagt mich

    Absolute Zustimmung. Ich bin Atheist, also weiß ich auch das unsere demokratischen und ethischen Grundsätze von den alten Philosophen stammen. Die derzeitigen Menschenrechte wurden in der Aufklärung gegen die Kirchen erkämpft.
    Besonders die christliche Kirche behauptet einfach sie hätte die Menschenrechte erfunden.

    Muslime die uns ihre Werte aufzwingen wollen werden Hassprediger genannt, keiner hat was gegen Muslime die ihren Glauben privat ausüben!

  • Zitat: "Die einzige Möglichkeit diese Mißstände zu ändern, ist eine weltweite Angleichung der Gesetzte gemäß UN-Menschenrechtskommission.
    Religion hat in der Politik auch nichts zu suchen." Zitat Ende
    Bei dem ersten Satz widerspreche ich Dir ganz entschieden. Das wird niemals funktionieren, allein schon aus kulturellen Erwägungen nicht. Der Versuch, das umzusetzen hat in vielen Teilen der Welt schon Kriege ausgelöst.
    Beim zweiten Satz stoßen wir aber auf ein kleines Problem. Kurzversion: Im Islam ist Religion Politik. Eine Trennung geht gar nicht

  • eben nicht, genau darum geht es ihm doch, oder ich habs komplett falsch verstanden.

    edit: Was ja nicht heißt, dass man nicht mit einem Boykott einer Sportveranstaltung in einem dieser Länder seine Meinung zum Ausdruck bringen kann,
    aber diesen "Moral-Imperialismus" der westlichen Welt finde ich auch ätzend, egal wie gut er gemeint sei.

    Einmal editiert, zuletzt von Der_MalAndere (30. Januar 2013 um 13:27)


  • Muslime die uns ihre Werte aufzwingen wollen werden Hassprediger genannt, keiner hat was gegen Muslime die ihren Glauben privat ausüben!

    Aber "wir" aus dem "Westen" dürfen dem Rest der Welt unsere Werte aufzwängen, ja?

  • @Threadersteller: Bei Deinen Kommentaren zu den von mir angefügten Punkte wird es zu komplex. Um auf alles adäquat einzugehen müsste ich nun eine Abhandlung geschätzten 30-50 Seiten schreiben. Nur so viel: Es ist nicht alles so einfach wie Du es darstellst. Das schwarze ist nicht so schwarz und das weiße nicht so weiß.

    Erschreckend finde ich im allgemeinen, dass in Deiner Argumenation (wie der vieler anderer Menschen auch) imperialistische Grundzüge des Vorletzten jahrhunderts (und noch davor) zu erkennen sind. Da sieht man mal, was unser Bildungssystem "leistet".

    Ein ehemaliger Professor von mir hat das mit dem Begriff "gebumste Karnikel" umschrieben. (Bevor das jetzt irgendwie mißverstanden wird: Das ist kein persönlicher Angriff sondern trifft in der einen oder anderen Konstellation auf ausnahmslos jeden von uns zu).

    Zu mehr fehlt mir die Zeit und ist ein Dartforum wohl auch der falsche Ort.

  • Zitat: "Die einzige Möglichkeit diese Mißstände zu ändern, ist eine weltweite Angleichung der Gesetzte gemäß UN-Menschenrechtskommission.
    Religion hat in der Politik auch nichts zu suchen." Zitat Ende
    Bei dem ersten Satz widerspreche ich Dir ganz entschieden. Das wird niemals funktionieren, allein schon aus kulturellen Erwägungen nicht. Der Versuch, das umzusetzen hat in vielen Teilen der Welt schon Kriege ausgelöst.
    Beim zweiten Satz stoßen wir aber auf ein kleines Problem. Kurzversion: Im Islam ist Religion Politik. Eine Trennung geht gar nicht

    Nun ich habe nur das Optimum skizziert. Ich habe auch keine Lösungsmöglichkeiten, daher kann ich dir nicht wiedersprechen. :prost:

    Manchmal ertappen ich mich bei Selbstgesprächen, und dann lachen wir beide.

  • OMS: "Kurzversion: Im Islam ist Religion Politik. Eine Trennung geht gar nicht"

    Dies gilt aber nicht nur für den Islam. Wenn man sich den Vormarsch der christlichen Kirche in der afrikanischen Welt ansieht, so gilt das für die in unseren Breitengrade vorherrschende(n) Religion(en) in ähnlichem Maße.


  • Gegenfrage: Wärst du bereit, persönlich nach den Prinzipien z.B. der saudi-arabischen Kultur zu leben?


    Diese Frage hat mit dem, was ich sagte nichts zu tun. Mir gehts darum, dass "der zivilisierte Europäer" seine Überzeugungen als überlegen erachtet und dem Rest der Welt seine Ansicht "aufzwingt" (sehr interessant, wie das auch in der arabischen Welt ankommt, schau Dir da für eine grobe Orientierung nur den "Orientalismus" Artikel auf Wikipedia an; Saids Werke kann ich da nur wirklich empfehlen). Ich kann meine (rethorische) Frage nur wiederholen: wer sind wir, dass wir uns ein Urteil über die Prinzipien anderer Kulturen anmaßen?
    Aber, um Deine Frage zu beantworten: Nein, aber ich hätte überhaupt kein Problem, in Saudi-Arabien zu leben. Ich bin nämlich tatsächlich der Meinung, dass "die" einiges schon ganz richtig machen und wir auch von "denen" lernen können. Natürlich ist es für einen im Westen aufgewachsenen Menschen hart, das erste Mal eine Enthauptung am Stadtplatz live mit zu erleben. Aber egal, welcher Meinung ich persönlich bin (nebenbei: das Recht, meine Meinung äußern zu dürfen bedeutet auch, dass ich mich vor unwillkommenen Meinungen schützen darf): ich habe die Gesetze und Regeln der Gesellschaft, in der ich mich bewege zu respektieren und habe nicht das Recht, die Menschen wegen Ihrer Einstellungen oder ihrer Kultur zu verurteilen. Und auch in Saudi-Arabien kann ich äußern, dass ich ein Gegner der Todesstrafe bin. Das ändert aber nichts daran, dass weite Teile der Gesellschaft das befürworten.
    Selbstverständlich gelte ich in Saudi-Arabien als "Ungläubiger". Allerdings hat noch kein Saudi versucht, mich zu bekehren. Dass Europäer aber versuchen, Saudis zu bekehren, habe ich selbst schon erlebt.
    Edit: Tornado: Ich glaube, dass da doch ein entscheidender Unterschied ist. Der Islam kann -streng genommen- zwischen Religion und Staat gar nicht trennen, weil die Religionsgemeinschaft den Staat konstituiert

  • Danke für die Antwort. Um es kurz zu machen: Ich kann deine Sichtweise zwar nachvollziehen, aber verstehen kann ich sie nicht. Bin vermutlich zu westlich sozialisiert. Eine Anmerkung muss ich allerdings noch loswerden:

    Allerdings hat noch kein Saudi versucht, mich zu bekehren.


    Dir ist aber schon klar, dass gerade die saudische Herrscherfamilie diverse Gruppierungen (um es mal so wertfrei wie möglich zu benennen) finanziell unterstützt, die langfristig genau das zum Ziel haben? Dass sie noch nicht bei dir persönlich angeklopft haben, ist zwar beruhigend, aber meiner Meinung nach doch ein wenig zu kurz gedacht. Moralischen Imperialismus hat der Westen nicht für sich exklusiv gepachtet.


  • Diese Frage hat mit dem, was ich sagte nichts zu tun. Mir gehts darum, dass "der zivilisierte Europäer" seine Überzeugungen als überlegen erachtet und dem Rest der Welt seine Ansicht "aufzwingt" (sehr interessant, wie das auch in der arabischen Welt ankommt, schau Dir da für eine grobe Orientierung nur den "Orientalismus" Artikel auf Wikipedia an; Saids Werke kann ich da nur wirklich empfehlen). Ich kann meine (rethorische) Frage nur wiederholen: wer sind wir, dass wir uns ein Urteil über die Prinzipien anderer Kulturen anmaßen?
    Aber, um Deine Frage zu beantworten: Nein, aber ich hätte überhaupt kein Problem, in Saudi-Arabien zu leben. Ich bin nämlich tatsächlich der Meinung, dass "die" einiges schon ganz richtig machen und wir auch von "denen" lernen können. Natürlich ist es für einen im Westen aufgewachsenen Menschen hart, das erste Mal eine Enthauptung am Stadtplatz live mit zu erleben. Aber egal, welcher Meinung ich persönlich bin (nebenbei: das Recht, meine Meinung äußern zu dürfen bedeutet auch, dass ich mich vor unwillkommenen Meinungen schützen darf): ich habe die Gesetze und Regeln der Gesellschaft, in der ich mich bewege zu respektieren und habe nicht das Recht, die Menschen wegen Ihrer Einstellungen oder ihrer Kultur zu verurteilen. Und auch in Saudi-Arabien kann ich äußern, dass ich ein Gegner der Todesstrafe bin. Das ändert aber nichts daran, dass weite Teile der Gesellschaft das befürworten.
    Selbstverständlich gelte ich in Saudi-Arabien als "Ungläubiger". Allerdings hat noch kein Saudi versucht, mich zu bekehren. Dass Europäer aber versuchen, Saudis zu bekehren, habe ich selbst schon erlebt.
    Edit: Tornado: Ich glaube, dass da doch ein entscheidender Unterschied ist. Der Islam kann -streng genommen- zwischen Religion und Staat gar nicht trennen, weil die Religionsgemeinschaft den Staat konstituiert

    Würdest du denn auch ein Freiwilliger sein, der bei einer Steinigung das Urteil mit vollstreckt? Das ist echt ne tolle fröhliche Angelegenheit. Da wird einer (z.B weil er fremdegegangen ist) eingebuddelt das nur noch der Kopf raushängt. Dann stellen sich Freiwillige um ihn herum und werfen solange mit Steinen auf seinen Kopf bis er völlig zermatscht ist. Echt ne tolle Kultur die du da verteidigst.
    Was sollen wir denn von den Saudis lernen? Das Frauen kein Auto fahren dürfen.

    Die Ethik und Moral der Menschen ist überall gleich! Diese Länder mißachten die Grundregeln unserer Natur. Der Grund dafür ist Jahrhundertelange religiöse Indoktrination. Das hat sich keiner mal aus Spaß ausgedacht, weil es zur Menschlichkeit gehört, dass Leute umgebracht werden wenn sie Homosexuell sind. Das kommt alles aus der Scharia.
    Das Christentum war genauso barbarisch, ich darf nur an Hexenverbrennungen erinnern. Desto säkularisierter die westliche Welt wurde, desto menschlicher wurden ihre Moralvorstellung.

    Es geht nicht um Moralimperialismus, es geht nicht um westliche Werte, sondern um menschliche Werte. Und diese menschlichen Werte darf man auch für die arabische Welt einfordern.

    Ich möchte einfach nicht auf einer Welt leben, in der noch Menschen wegen geringster Rechts-oder Moralverletzung gehängt, zerhackt, gevierteilt und verbrannt werden. Wir leben hier auf einer Welt, wir sind alle Menschen; zu dieser Denkweise müssen wir kommen.

  • Danke für die Antwort. Um es kurz zu machen: Ich kann deine Sichtweise zwar nachvollziehen, aber verstehen kann ich sie nicht. Bin vermutlich zu westlich sozialisiert. Eine Anmerkung muss ich allerdings noch loswerden:


    Dir ist aber schon klar, dass gerade die saudische Herrscherfamilie diverse Gruppierungen (um es mal so wertfrei wie möglich zu benennen) finanziell unterstützt, die langfristig genau das zum Ziel haben? Dass sie noch nicht bei dir persönlich angeklopft haben, ist zwar beruhigend, aber meiner Meinung nach doch ein wenig zu kurz gedacht. Moralischen Imperialismus hat der Westen nicht für sich exklusiv gepachtet.


    let's agree to disagree ;) Versteh mich bitte nicht falsch: mir gehts nicht darum, Dich überzeugen zu wollen. Ich wollte lediglich noch weitere Aspekte mit anführen, die in dieser Diskussion sehr häufig einfach übergangen werden. Wenn Du über den einen oder anderen meiner Punkte nachgedacht hast -völlig einerlei, ob Dich das in Deiner Position bestärkt oder Du dadurch Deine Sichtweise ein wenig verändert hast- dann habe ich meine Absicht erreicht.

    Zu Deinem Punkt der finanziellen Unterstützung: Ja, dessen bin ich mir bewusst. Ich habe hier aber auch nur von persönlichen Erfahrungen gesprochen (das hätte ich vielleicht deutlicher machen sollen). Dass der moralische Imperialismus nicht nur europäisch ist, sehe ich ähnlich. Auch aus der islamischen Welt ist ein expansives Hegemonialstreben zu beobachten. Nur dass sehr häufig übersehen wird, dass auch das, was der Westen veranstaltet, im Prinzip das Gleiche ist. Das wollte ich hier nur noch einmal verdeutlichen, im Ergebnis heiße ich weder das eine noch das andere gut. Die Argumente "die tun das aber auch" oder "die haben aber angefangen" ändern daran allerdings sehr wenig (Unrecht wird nicht dadurch zum Recht, dass jemand anders auch Unrecht tut).

    Des Masters Beitrag möchte ich gesondert beantworten...

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