Es ist schon wieder lustig, wie mein Vorredner versucht, die Leistung von Schindler noch schönzureden. Einige andere User gingen ebenso vor.
Zuallererst ist es - gerade nach der Niederlage gegen Woodhouse - schon schön, dass Achtelfinale noch erreicht hat. Aber dieses zu erreicht zu haben, muss und wird ja sein Minimalziel gewesen sein.
Und es ist auch keine Schande, gegen Price rauszufliegen.
Aber es kommt - wie in anderen Sportarten - immer auf das Wie an.
Und da kann ich wirklich nicht verstehen, dass man da noch was beschönigen kann.
Da wurde sogar von einem User geschrieben, dass nicht Price das Spiel gewonnen, sondern Martin es verloren habe.
Das suggeriert, als ob Price hohe Qualität und sein A-Game gezeigt und Martin aufgrund einiger gezeigter Schwächen nach großem Kampf unglücklich verloren und mit seinem A Game wahrscheinlich gewonnen hätte.
Das ist doch völliger Nonsens, da Price von seinem A Game fast noch weiter weg war als Schindler und ihn trotzdem von Leg 1 an mehr oder weniger dominierte.
Schon Leg 1 bei eigenem Anwurf konnte Schindler gerade so überstehen und in mehreren Legs, die Martin gewann, ließ Price ihn durch ausgelassene Chancen auf Doppel überleben.
Martin hat bisher die schwächste Leistung aller Spieler im Achtelfinale gezeigt, auch van der Velde zeigte ein deutlich höheres Niveau, auch wenn er weniger Legs als Schindler holte, was aber primär daran lag, dass Luke angeschlagen deutlich stärker als Price war und eine Top-Leistung zeigte.
Und die Diskussion, ob Schindler ein Top 16 Spieler ist, kann und darf man führen. Aber wie manicha zu schreiben, dass er einen M. Smith im Hinblick auf die Top 16 bestimmt nicht fürchten müsse, finde ich schon weit aus dem Fenster lehnend und man wird nächste Woche in der 1. Runde der PC Finals sehen, ob Schindler auch aktuell wirklich der bessere Spieler ist. Denn ich finde Martin schon seit Monaten in Sachen Scoring (1. Dart meist viel zu tief, zu große Streuung mit der 5, wenig hohe Aufnahmen für seine Verhältnisse), Checkout und Körpersprache deutlich schwächer als im letzten Jahr, wo er bei den ET Events nahezu regelmäßig die Final-Session am Sonntagabend erreichte und gerade auf dieser Serie nach über Monate vor Selbstvertrauen strotzte, die Triple 20 gefühlt mit verbundenen Augen traf und dort meist eine Leichtigkeit auf der Bühne, in Sachen Spiel und Körpersprache, ausstrahlte, von der er für mich seit Monaten weg ist.
Natürlich ist die Erwartungshaltung an ihm eine andere als z. B. an einem Lukas Wenig. Aber dieser Anspruch ist auch völlig legitim und den wird er auch selbst an sich haben
Vielleicht kommt er damit aber auch nicht so klar, denn es ist psychologisch einfacher, Jäger als Gejagter zu sein.
Hinzu kommt, dass mit Springer auf der Tour einer um die Ecke kommt, von dem viele Experten, Fans und sogar Konkurrenten (z. B. van Gerwen) sagen, dass er eigentlich das größte Potential habe und fast jetzt schon der stärkste deutsche Spieler sei. Vielleicht macht diese öffentliche Wahrnehmung und Einschätzung auch was mir Martin.
Aber das ist alles Küchenpsychologie. Ich wünsche Martin bei den beiden letzten Major Turnieren viel Erfolg und dass er sich nächstes Jahr in der Top 16 behaupten können wird, denn Erreichtes nachhaltig zu bestätigen ist viel schwieriger, als mal nach oben zu kommen. Sollte er das schaffen, wäre er wirklich ein Top-Spieler.