Beiträge von offy

    biopio26: Wie gesagt, ich hab vor ein paar Jahren mal angefangen ein eigenes Darts-Programm mit Bots zu schreiben, auf Basis von Python. Es ist für mich einsatzfähig, aber noch nicht fertig (hat noch etliche Bugs leider) zum Hochladen auf Github und Co.

    Das Prinzip der meisten Darts-Bots ist, dass sie ein Feld anvisieren und dann einfach eine Wahrscheinlichkeit bekommen, dass sie treffen oder nicht. Der PC würfelt also "ja" vs "nein" und bei "nein" wird das Feld ausgewürfelt, das er stattdessen trifft. Ich habe das ganze Geometrisch gelöst. Der Bot "zielt" auf die Mitte des Feldes, z.B. T20. Seine Skills teilen sich auf in r (Radius) und Phi (Azimut, "Winkel") und stellen die Standardabweichung einer Glockenkurve da. Dann würfelt der Computer eine Zahl zwischen 0 und 1 und nimmt das als Distanz zum Mittelwert. Dadurch bekomme ich eine tatsächliche Koordinate auf dem Board, das ich dann auch visualisiere (man sieht also, wo der Bot getroffen hat).

    Weil mir das noch zu wenig war, habe ich die Skills besser aufgeteilt:

    a) es gibt unterschiedliche Abweichungen, je nachdem ob er auf ein Triple, Single oder Double zielt.

    b) Bots bekommen besondere "Special Skills", d.h. der eine scort besser, der andere checkt besser (oder beides, quasi wie ein "Boost")

    c) Bots reagieren "psychisch". Wenn der Gegner auf einem guten Checkout steht, werden labile Bots nervös und verschlechtern sich, andere werden sicherer und verbessern sich. Der Bot reagiert außerdem darauf, wenn man ihn einholt ("Druck aufbaut"), wenn er selbst vor wichtigen Darts steht (zum Leg, zum Set, zum Match)

    d) über eine selbst-korrelierte Zufallsreihe stelle ich die Schwankung im Spiel dar. Damit verbessere/verschlechtere ich seinen eigentlichen Skillwert. Das schwankt aber eben nicht wild hin und her, sondern hat einen relativ glatten Verlauf. Man kann einstellen, ob der Effekt stärker ist (Bot kann schlecht starten und sich im Laufe des Spiels stark verbessern, umgekehrt, oder bei langen Distanzen auch mal mehere Schwäche- oder Stärkephasen) oder schwächer ausgeprägt, dann wirft der Bot konstant.

    e) wenn du einen neuen Bot erstellst, kannst du diese Fähigkeiten/Einstellungen alle vornehmen und am Ende berechnen lassen, wie gut er ist. Dann lasse ich den Bot im Hintergrund 50 Matches first to 7 Sets (quasi WM-Finale) gegen sich selbst austragen und zeige den Average an.

    Auf diese Weise weißt du vorher schon recht gut, was auf dich zukommt. Ich habe für mein Training Bots, die sehr gut checken, um mich im Finish selbst unter Druck zu setzen. Manchmal spiele ich auch gegen einen "nervösen" Bot, wenn ich Erfolgserlebnisse brauche und das Spiel gegen schwächere Gegner simulieren will (macht aber meistens nicht so viel Sinn).

    Statistik in Darts ist eine feine Sache :D

    Ist eigentlich schon krass, wenn man so darüber nachdenkt. Von den 160 Teilnehmenden gehen 64 Leute komplett ohne Preisgeld aus und dürfen direkt wieder heimfahren. Das übt schon einen ziemlichen Druck aus, gerade momentan, wo das Reisen nicht nur mit Geld, sondern auch mit einigen Strapazen verbunden sind. Wer die 1. Runde übersteht, bekommt immerhin 1000 Pfund, damit hat sich die Anfahrt wenigstens schon gelohnt.

    Höchster Tagesaverage bislang bei Mervyn King gegen Alan Soutar mit 106.5.

    Und höchster Average bei einer Niederlage war Brendan Dolan mit 103.4. Nur knapp dahinter Mensur mit 102.9 direkt in der ersten Runde.

    Aber wir wissen ja, was man sich davon kaufen kann. Theoretisch kannst du 5 Legs lang toujours 26 werfen, solange man in 6 Legs 100 % performt.

    Das Feld ist einfach brutal eng. Gute Leistungen reichen nicht, weil von allen Seiten die großen Talente nachdrängen. Das ist wie ein Haifischbecken. Wenn ich jedes Mal für den Satz "dem trau ich einen Platz in den T32 zu!" einen Euro bekommen hätte, würd ich mir ne Villa in München-Schwabing kaufen. Dazu noch die kurzen Distanzen ... ein schlechtes Match, vielleicht nur 1 oder 2 schlechte Legs, dann kannst du selbst mit nem 100er-Average rausgehen. Und so ein schlechtes Leg kann jedem passieren.

    Unterbuchner muss sich für diese Qualitätsdichte ordentlich strecken, während Schindler einer dieser Kandidaten ist, die die großen mit eine erstaunlichen Regelmäßigkeit richtig fies ärgern.

    Van Gerwen ist schon ein seltsames Phänomen. Jetzt hat er wieder nen 105er Average. Da kommt manchmal eine solche Power, aber er zieht es kaum noch bis zum Ende durch. Spielt immer gut bis sehr gut, aber das letzte Quäntchen hat er einfach nicht mehr. Ob das allein der Nimbus war, der ihn da jahrelang durchgetragen hat? Ist ja wirklich nur eine Nuance, aber die sorgt halt dafür, dass er immer weiter abrutscht.

    Auch ansonsten heute überraschend viele Matches genau in der Reihe.

    Großartig, Mischka!

    Ich sehe, hier haben mehrere Leute ziemlich ähnliche Gedanken. Die Standardabweichungen der Gaußkurven sind ausschlaggebend für das, was wir "Skills" nennen können. Das lässt die ganzen Feinheiten außer Acht, die den Dartsport interessant machen (Timing, Wurfbilder etc.), aber ist für die große Masse ein ziemlich guter Weg zu schätzen.

    Übrigens plädiere ich nach wie vor dafür, statt kartesischen x,y lieber Radius und Phi (Azimut) zu verwenden (also Polarkoordinaten). Damit unterstelle ich nämlich, dass man als Spieler einerseits die Distanz zum Bull steuert und andererseits den runden Winkel z.B. entlang des Triple-Kreises. Die Schwachstelle sind dabei vermutlich Felder wie T11 oder T6. Angenommen jemand ist besser im Vertikalen als im Horizontalen, dann hat er ja theoretisch eine höhere Trefferwahrscheinlichkeit für T20 als für T11. Mein Polarkoordinaten-Modell geht davon aus, dass immer der Abstand zum Bull gleich gut/schlecht ist, dann wären die Skills für jedes einzelne Triple und Doppel gleich. Der Vorteil ist hingegen, dass ein Board nunmal rund ist und auch unsere ganze Wurfeinstellungen auf ein rundes Ziel geprägt ist. Wenn ich z.B. genau das obere Ende von T20 in y-Richtung anvisiert habe, aber dann in x etwas schwanke, treffe ich am Rand zur T1 oder T5 womöglich den Draht oder sogar nach außerhalb, das halte ich für unrealistisch. Bzw. ich treffe vermutlich eher die T1 oder T5, wenn die Höhe gepasst hat und nicht in gerader Linie die S1 und S5.

    Was ich mich frage: Häufig geht man ja davon aus, dass man eine gewisse konstante Treffsicherheit über das gesamte Board hat (egal ob perfekt Gauß-verteilt, oder schief, oder wie auch immer). Stimmt das überhaupt? Je nachdem, ob man Links- oder Rechtshänder ist und wie groß man ist, wird man doch wahrscheinlich für bestimmte Regionen auf dem Board eine höhere Treffsicherheit haben, als für andere (sonst könnte man sich das Phänomen des "Lieblingsdoppels" ja gar nicht erklären). Wenn man also die Treffsicherheit bestimmt, müsste man das nicht für verschiedene Bereiche des Boards getrennt machen? Und wie groß ist der Einfluss auf den maximalen Score, wieder abhängig von der Treffsicherheit?

    Erst mal danke für den Link, das Paper zur Statistik in Darts hat mir sehr gefallen und mich in einigen meiner Annahmen bestätigt!

    Zu deiner Frage oben: das ist garantiert ein weiterer Punkt. Wir betrachten hier automatisch immer den "random bias", gehen also davon aus, dass wir frei um das eigentliche Ziel herum streuen, aber der Erwartungswert eben immer noch der Treffer des Ziels selber ist. Dazu gesellt sich in der Praxis noch ein "systematical bias" mit einem Shift, oder Offset oder wie auch immer man den nennen mag. Durch meine Wurfbewegung habe ich womöglich eine Tendenz nach links, rechts, oben oder unten. Dieser Fehler ist (genau wie der random bias auch) zusätzlich abhängig von der Position im Board.

    Stellen wir uns mal vor, wir wollten einen Spieler analysieren und ihm genau ausrechnen, wo er bei seinen aktuellen Skills am besten zielen soll (für maximales Scoring). Er müsste auf alle Felder unzählige Würfe machen und die müsste man dann in ein mathematisches Modell überführen, das einen systematischen Bias von einer schiefen Verteilung unterscheiden kann. Auch das geht nur mit gewisser Unsicherheit.

    Wenn Cullen mal Fahrt aufnimmt, ist der Kerl echt nicht zu bremsen. Das ist so krass. Da kannst du nur selbst alles geben und so viel Gegenwind produzieren, dass er halt doch mal wieder ein bisschen daneben wirft.

    Finde ich vor allem faszinierend, wo sein Wurf echt weit von seinem Blickzentrum weg beginnt. Ich würde so ohnehin nicht mal das Board treffen :D