Ich bin zwar etwas spät dran, aber ich will auch noch mal ein abschließendes Fazit ziehen. Am Ende haben mich England und die Niederlande ja Lügen gestraft. Wobei ich bei England bis auf das Finale echt nicht den Eindruck hatte, dass die beiden Lukes sonderlich gut als Team funktionieren. Die Averages waren zwar das ganze Turnier über wirklich gut, aber oft haben eher individuelle Aufnahmen den Unterschied gemacht. An erster Stelle ist da natürlich der unfassbare Big Fish von Littler gegen Wales zu nennen. Gerade in dem Spiel hatte England aber viel Glück, dass Wales zuerst nicht noch höher führt und am Ende nicht mal zu den möglichen Matchdarts kommt. Leider haben Kenny da an einigen Stellen ziemlich offensichtlich die Nerven versagt. Mit der Bestbesetzung von Clayton und Price hätte Wales das Ding wohl durchgezogen und die Engländer nach dem Start aufgefressen.
Ähnlich war es auch bei den Niederlanden gegen Deutschland. Leider hatte Pietreczko in der Endabrechnung dann doch zu viele Legs dabei, bei denen seine Probleme wieder deutlich aufgetreten sind. So hat es dann gegen starke Niederländer nicht gereicht und der Bouncer von Schindler war die Kirsche auf der Torte. Vielleicht habe ich mich auch in der Dynamik der Niederländer getäuscht. Van Gerwen respektiert Van Veen im Gegensatz zu Noppert oder Wattimena auf jeden Fall, sonst würde er den World Cup wie zuletzt gar nicht erst spielen. Aber das ist in meinen Augen trotzdem kein Duo auf Augenhöhe, wie es noch bei Barney der Fall war. Dass Van Gerwen weiterhin die Leaderrolle beansprucht, ist ja okay, aber dann kam bei schwachen Aufnahmen von Van Veen selten Support. Und in den Interviews war Gian immer sehr bemüht, sich bei Michael geradezu anzubiedern.
Da haben Clayton, Schindler und Razma in meinen Augen als Kapitäne einen deutlich besseren Job gemacht und den Partner voll unterstützt. Gerade bei Lettland hat es sich im Turnierverlauf auch ausgezahlt, dass Melderis als erster Spieler ans Bord durfte. Der hat im Viertelfinale gegen Nordirland wirklich auf einem konstanten Niveau abgeliefert. Dass er die Qualität punktuell hat, war vorher klar, aber in der Gruppenphase hatte sich ja auch gezeigt, dass er noch enorme Schwankungen hat. Falls er sich weiter entwickeln und stabilisieren kann, ist er vielleicht durchaus ein Spieler für die Pro Tour. Er erinnert mich so ein bisschen an den jungen Menzies aus BDO-Zeiten, der auch länger für seinen Durchbruch und eine Konstanz in seinem Spiel gebraucht hat. Nordirland haben am Ende die schwachen Starts in Matches das Turnier gekostet. Gegen Belgien und Lettland konnte man das noch beheben, gegen die Niederlande war dann die Qualität des Gegners einfach zu gut. Sehr schade, denn bisweilen hat die Kombination aus Rocks Scoring und Gurney Finishing wieder sehr gut funktioniert.
Deshalb bleibe ich auch bei meiner These, dass es ein großer Vorteil ist, wenn zwei Spieler als Team auch gut funktionieren. Das hat die KO-Phase denke ich auch gezeigt. Spanien, Schweden oder Lettland, mit Abstrichen auch Belgien und Wales haben gegen deutlich stärkere Teams wirklich überzeugen können. Ein Grund mehr, warum ich über den Formatwechsel beim World Cup sehr glücklich bin. Die Halbfinals und das Finale waren vom Matchverlauf her zwar nicht mehr so packend, aber gerade in den Achtel- und Viertelfinals konnte das Turnier echt richtig glänzen. Das wäre bei einigen Paarungen im alten Format sicher nicht so gewesen, wo die Big Boys wohl schon die Einzel gewonnen hätten.
Für mich ist das auch ein Plädoyer, dass die Topnationen zu Beginn ins Turnier einsteigen sollten. Ich kann die Kritik von O'Connor sehr gut nachvollziehen. Das gehört sich für mich bei einem großen Turnier aus Gründen der sportlichen Fairness einfach so und ich kann da dem fast schon fetischhaften Protektionismus der PDC für die Stars wenig abgewinnen. Zum Glück hat man es auch bei der WM irgendwann wieder angepasst. Sicher gibt es da auch ein Für und Wider, aber die Überraschungen und Underdogs sind doch immer wieder schöne Geschichten. Und bei einem BO7-Format hätten die Engländer oder Nordiren bei ihren jeweiligen Starts in den ersten Matches durchaus in der Gruppenphase rausfliegen können.
Da man dann allerdings entweder das Teilnehmerfeld oder die Turnierdauer ausweiten müsste, sehe ich in den kommenden Jahren noch keine Änderung. Möglich wären bei 40 Teilnehmern natürlich noch acht Fünfergruppen, bei denen man dann von Dienstag bis Freitag jeweils in Doppelsessions die Gruppenphase ausspielen könnte. Das hätte aber aufgrund der ungeraden Zahl in den Gruppen den Nachteil, dass ein Team beim entscheidenden letzten Spieltag gar nicht mehr eingreifen kann. Fünf Vorrundenspiele wären vielleicht auch etwas Overkill. Ein ähnliches System wie bei der Fußball-WM mit einer Erweiterung auf 48 Teilnehmer und Dreiergruppen wäre aber auch nicht die beste Lösung.
Zumal bei vielen Nationen beide Spieler Vollamateure sind und dann bis zu einer ganzen Woche Urlaub nehmen müssten. Insofern müsste auch das Preisgeld noch einmal deutlich steigen. Möglicherweise lässt sich etwas machen, wenn in Frankfurt 2031 wirklich die neue Halle eröffnen soll. Da würden sich sicherlich mehr Einnahmen als in der Eissporthalle erschließen lassen. Bis dahin könnte man den World Cup auch marketingtechnisch als noch größeres Turnier aufziehen.