Dazu möchte ich mal eine provokante Frage in den Raum stellen: wenn ein guter Spieler oft gegen schlechtere verliert, weil er dem Druck der Erwartungen nicht standhält, ist er dann wirklich der "bessere" der beiden?
Worauf die Frage abzielt, ist eine Definition von Spielstärke. Was macht einen guten Spieler denn aus? Dass er daheim im Wohnzimmer einen 70er Average spielt? Dass er immer dann eine tolle Doppelquote hat, wenn gerade niemand zusieht? Dass er - wie in deinem Fall - gegen stärkere Gegner sich auch nochmal strecken kann und über seinem normalen Niveau spielt, wenn er dafür gegen schwächere seine Leistung nicht findet? Ich finde: nein, denn die Spielstärke wird nunmal in den Punktspielen gemessen. In eurer Liga gibt es ja die Bilanzen. Da kräht dann kaum noch ein Hahn danach, ob du deine Spiele gegen gute oder gegen schlechte Leute verloren hast. Da steht eine Bilanz und an der wirst du dich dann beurteilen lassen müssen.
Das Problem, gegen schlechtere Spieler schlechter zu spielen, das kennt garantiert jeder. Von einem Dart-Anfänger bis hin zu den allerbesten Profis. Egal ob das Darts ist, oder Fußball oder Tennis oder sonstwas. Ich finde, ein erfolgreicher Spieler muss immer auch an sowas arbeiten. Also bewusst auch gegen schlechte Spieler högschte Konzentration (*Jogi Löw Stimme*) behalten und seiner Favoritenrolle gerecht werden. Sicher trainierst du auch mal gegen schlechtere Vereinskollegen. Ein beliebter Fehler ist z.B., mit 40 Rest ein paar halbmotivierte Versuche auf D20 abzufeuern, wenn der Gegner noch jenseits der 200 ist. Anders gesagt: wenn du dein Spiel an dem des Gegners orientierst, läufst du Gefahr, deine innere Spannung zu verlieren. Setze dir stattdessen eigene Ziele: schaffe ich ein Leg unter 20 Darts? Treffe ich mindestens 1/3 Doppel? Dann bist du unabhängig von der Leistung deines Gegenübers. Ein weiterer Fehler ist meiner Ansicht nach, dass man meint, sich als Besserer nicht über einen Sieg gegen "schlechtere" freuen zu dürfen. Das wird schnell als Überheblichkeit abgetan. Aber das fände ich ungerecht, weil: wenn du gegen einen schlechteren verlierst, heißt es "das darf der doch NIE verlieren!". Und wenn du gegen einen schlechteren gewinnst heißt es "wieso freut der sich so? War doch klar, dass er den schlägt!". Feuer dich an und motivier dich, auch wenn der Gegner unterlegen ist. Er wirds gerne sehen, weil er sich dann sicher sein kann, dass du ihn ernst nimmst. Ich bin ja selbst noch Darts-Anfänger und hab es total dick, wenn dir einer ständig nur erzählt, dass er normal viel besser spielt. Weil er dann unterschwellig sagt "normal darf ich gegen dich niemals verlieren, so schlecht wie du bist" und dein eigenes Zutun nicht würdigt (hat noch keiner gewonnen, ohne die Doppel zu treffen). Ich würde mich als mental sehr stark einschätzen (zumindest im Tischtennis, das ich seit 19 Jahren im Verein spiele) und das hat mir schon so manchen Sieg gegen vermeintliche Profis beschert.