Diese Bad Boy-Attitüde hat Price doch erst dort hin gebracht, wo er heute ist. Für mich sind seine hohe physische Präsenz und seine einschüchternde Wirkung auf so manchen Gegner Grundpfeiler seines Aufstiegs in die Weltspitze. Er hat sich sprichwörtlich mit ausgefahrenen Ellenbogen ganz nach oben gekämpft.
Teilweise hat Price das Publikum auch ganz bewusst gegen sich aufgebracht, um aus den negativen Reaktionen positive Energie zu ziehen. Scheinbar gehört er zu jenen Typen, die einfach etwas Gegenwind benötigen, um die letzten Prozentpunkte zu aktivieren. Und bis zu einem gewissen Punkt hat diese Methode auch meistens gut funktioniert.
Natürlich hängt dieses Verhalten auch mit seinem Naturell und seiner prägenden Vergangenheit im Rugby zusammen, aber zu einem nicht unbeträchtlichen Teil war es eben auch eine Strategie. Da bin ich mir ganz sicher. Dass er sich auf der Bühne durchaus zurückhaltender präsentieren kann, hat man ja schon öfters gesehen. Meistens dann, wenn er es zuvor mal wieder zu weit getrieben hatte wie damals gegen Anderson.
Jetzt, wo er es bis ganz nach oben geschafft hat, sogar amtierender Weltmeister ist, möchte er plötzlich geliebt werden. Kann ich gut nachvollziehen, ist aber für meine Begriffe etwas zu viel verlangt. Aus so einer Schublade kommt man halt nicht so schnell wieder raus.
Dabei bringt Price eigentlich alles mit, was man zum Publikumsliebling benötigt.
- Sein Spiel ist schnell und qualitativ enorm hochwertig
- Er bringt die nötige Emotionalität mit, um den Funken auf das Publikum überspringen zu lassen
- Er hat durchaus eine sehr charmante und humorvolle Seite
- Und er gilt als waschechter Kämpfer.
Ich kann mich noch gut an die Zeiten erinnern, als Price regelmäßig von MvG den Hintern versohlt bekommen hat. Aber im Gegensatz zu vielen anderen Spielern waren seine Hosen nie voll. Er hat sich solange in die holländischen Waden verbissen, bis er ihn irgendwann niederringen konnte. Genau diese Mentalität wollen wir Fans doch sehen.
Meiner Meinung nach zahlt Price gerade den (fairen) Preis für seinen Weg an die Spitze. Ich will nicht ausschließen, dass er das Publikum (vor allem auf der Insel) irgendwann mehrheitlich hinter sich bringen kann. Bis dahin ist es aber noch ein langer und steiniger Weg.