Servus zusammen,
ich bin im WM-Thread über folgenden Kommentar gestolpert und weil mich die Thematik irgendwie nicht in Ruhe lässt, würde ich das Thema gerne mal etwas vertiefen:
Ich finde es immer ein bisschen kritisch wenn Spieler sehr abhängig von ihrem ersten Dart sind. Wenn der dann nicht kommt klappt bei solchen Spielern oft nicht viel. Und das hat einfach einen so großen Einfluss auf das Spiel. Aus dieser Abhängigkeit muss man, meiner Meinung nach, für ganz oben irgendwann raus.
Erstmal kurz zur Einordnung: Wenn der erste Dart perfekt im Triple steckt, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Dart 2 und 3 ebenfalls im Triple landen, bei den meisten Spielern erheblich.
Hierfür gibt es meines Erachtens nach 2 Gründe:
1. Muscle Memory: Wer selbst regelmäßig Darts wirft, kennt folgendes Szenario vermutlich: Der erste Dart weicht komplett ab und steckt mitten in der 1. "Alles gut", denkt man sich, sind ja noch 2 Darts übrig, um die Aufnahme zu retten. 10 Sekunden später stecken dann 3 Darts mittig in der 1, so eng gruppiert, dass die Spitzen auf einen Stecknadelkopf passen würden. Warum ist das so? Muskelgedächtnis. Der Arm macht exakt das gleiche wie beim ersten Wurf. Bei den Profis sieht das natürlich meistens anders aus: Wenn der erste Dart in der T20 landet, wird regelmäßig eine 180 draus.
2. Anspielen von Markern: Wenn der erste Dart im gewünschten Feld steckt und dabei auch noch Steckwinkel und Flightstellung passen, sprechen Experten im Kommentar oft von einem "guten Marker". Damit ist gemeint, dass der Dart zum Anspielen geeignet ist. Das wiederum bringt mehrere Vorteile: Erstens sticht der Barrel/Flight so hervor, dass es dem Spieler leichter fällt, sich darauf zu fokussieren, als aufs nackte Feld, zweitens bildet der Winkel der Flights oft eine Art Trichter, durch den der geworfene Dart am Barrel des steckenden Darts entlang direkt ins Triple geleitet wird.
Ich kann den Gedankengang von Kanguru98 zwar nachvollziehen, jedoch glaube ich, dass wir hier nicht von einer Abhängigkeit sprechen. Grundsätzlich hat doch jeder Profi die Fähigkeit, einen einzelnen Dart relativ zuverlässig in ein bestimmtes Feld zu werfen, völlig unabhängig davon, was davor passiert ist. Bei einem 167er High Finish z.B. kann man sich nicht auf sein Muskelgedächtnis oder die Fähigkeit, mit Markern zu spielen, verlassen weil die dafür erforderlichen Felder zu weit auseinander liegen.
Ich sehe also eher weniger eine Abhängigkeit vom ersten Dart, meiner Meinung nach handelt es sich hierbei eher um ein Skillset, das wohl jedem (Semi-)Profi in irgendeiner Art und Weise innewohnt, von manchen Spielern aber regelmäßig so auf die Spitze getrieben wird, dass der Zuschauer den Eindruck bekommen könnte, die Darts wären magnetisch. Wenn der erste Dart bei so einem Spieler jetzt aus irgendwelchen Gründen mal nicht perfekt kommt (wenn er z.B. zu hoch in der 20 steckt), wird der Spieler also weder versuchen, diesen anzuspielen, noch wird er sich auf sein Muskelgedächtnis verlassen, im Gegenteil, oft sieht man in diesen Situationen, dass das Feld gewechselt (switch auf die T19 oder T18), kurz abgesetzt oder ein Schritt zurück gemacht wird, um den Fokus bzw. das Muskelgedächtnis zu brechen und sich infolge dessen neu zu fokussieren. Daraus folgt dann natürlich ein Trefferbild, bei dem die Darts in weiterem Abstand voneinander stecken, als sie das bei einer 180 tun würden und der geneigte Zuschauer könnte den Eindruck der oben beschriebenen Abhängigkeit vom ersten Dart bekommen, vielleicht sogar obwohl die Aufnahme mit Dart 2 und/oder 3 noch gerettet wurde.
Eure Meinungen dazu?