In den allermeisten Fällen wird beim Darten Training ja gleichgesetzt mit Übungsspiel auf das Board, und die Trainingstips kreisen um die Frage welche Felder oder Feldkombinationen die sinnvollsten sind. Das Problem dabei ist, dass man dabei die eigentliche Mechanik des Wurfes in der Regel als "gegeben" ansieht, man unterstellt einfach dass durch häufiges Wiederholen automatisch schon besser wird. Natürlich stimmt das bis zu einem gewissen Grad, allerdings lernt oft genug nur wie man seine eigenen etwas Wurfmacken besser kompensiert. Oder wie es bei mir mal ein Golfpro formuliert hat: "Das war kein guter Schlag, das war kompensierter Zufall".
Ich bin überzeugt, dass man als Darter eigentlich mindestens 50% seiner Trainingszeit der reinen Wurfmechanik widmen sollte, der Rest wäre dann fürs Board reserviert. Aber wie könnte ein solches Training denn aussehen? Nachdem die Literatur in dem Bereich bekanntlich recht dünn ist, habe ich hier mal ein paar Anregungen zusammengestellt.
Training ohne Board
Als ich noch kein Dartboard in der Wohnung hatte, habe ich aus der Not geboren ohne Board geübt. Man braucht so ca. 4m freie Flugbahn im Raum und einen "Kugelfang" für die Darts um die Einrichtung zu schonen. Bei Steeldarts eignet sich als Kugelfang z.B. eine dickere Schaumstoffplatte. Bei Softdarts kann man sich einen Satz Spitzen abschneiden und vorne mit Sandpapier etwas abrunden, damit kann man dann auch unbesorgt aufs Sofa oder Bett werfen.
Inzwischen habe ich ein Board, allerdings trainiere ich die Wurfmechanik konsequent ohne Board. Ich habe einfach festgestellt, dass man so weniger auf das Ziel fixiert ist und sich deutlich besser auf die verschiedenen Aspekte der Wurfbewegung konzentrieren kann.
Vorsicht, der Wurf muß regelmäßig am Board überprüft werden da man sonst keine Rückmeldung über die korrekt Wurfhöhe hat. Mehrere Stunden oder Tage ohne Board könnnen eigenartige Phänomene erzeugen, glaubt mir ich weiß wovon ich spreche
Mit Zeit und Übung pegelt sich sich dann aber auch eine stabile Wurfhöhe ein.
Grundsätzliche Überlegungen
Beim Training der Wurfmechanik sollte man nach Möglichkeit nur ein Detail herausnehmen auf das man sich besonders konzentrieren will. Also nicht z.B. gleichzeitig versuchen die Ellenbogenstellung zu korrigieren und langsamer im Rhythmus zu werden. Immer schön eins nach dem anderen.
Außerdem gilt grundsätzlich die Regel: Trainiere Darts als ob Du nach Zeit bezahlt wirst und nicht nach Stückzahl. (Ja, auch diese Weisheit ist von einer Golftrainerlegende geklaut: Harvey Penick) Idealerweise sind zwischen zwei Würfen immer ca. 20 Sekunden Pause, wem es schwerfällt sich selbst zu bremsen kann es so machen wie ich: Abwechselnd mit dem einen und dem anderen Arm werfen. So bekommt der Wurfarm immer ausreichend Pause, außerdem kann ein Arm vom anderen lernen (ja, so etwas geht!).
Übungsbeispiele
Greifen der Darts
Ein großer Anteil schlechter Würfe dürfte seine Ursache im unregelmässigen Greifen der Darts haben. Meiner Meinung ist es eine echte Kunst, den Dart immer gleich zu greifen, insbesondere weil das beim Darten ja automatisiert abläuft und ich Fehler nicht mehr wahrnehme.
Training beim Greifen heisst sich die Bewegung vom Follow Through zum Dart immer wieder bewusst machen: Was macht mein Oberarm / Unterarm / Handgelenk, wie greifen meine Finger? Diese Bewegung trainiert sich dann am besten in unterschiedlichen Geschwindigkeiten, mal Superzeitlupe, mal langsam, mal Normalgeschwindigkeit.
Eine Übung hat mir beim sauberen Greifen sehr weitergeholfen, allerdings dürfte sie sich bei jedem Griff eignen. Falls sich beim Griff der Dart ohne Daumen noch halten lässt wenn der Arm senkrecht nach unten hängt, dann sollte man mal versuchen den Dart ohne Daumen zu greifen und den Daumen erst verzögert einzusetzen. Zugegeben, das ist anfangs richtig schwer, aber es schult das Gefühl beim Greifen ungemein.
Wurfbewegung variieren
Beim Training variiere ich die Elemente der Wurfbewegung bewusst, das unterstützt u.a. den Aufbau des Muskelgedächtnisses:
- Werfen mit unterschiedlichem Kraftaufwand bzw. Wurfgeschwindigkeit
- Bewusstes Vorwippen mit Unterarm, z.B. 5x Wippen vor dem ersten Dart, 4x vor dem 2. Dart, 3x vor dem 3. Dart
- Verlängerung bzw. Verkürzung vom Rückschwung
- unterschiedliche Wurfhöhen einstreuen
- No-Look Würfe einstreuen
- etc. etc
Wurfrhythmus variieren
Auch hier gilt es unterschiedliche Varianten in das Training einzustreuen.
Ich selbst ziele vor dem Wurf, d.h. ich unterbreche den Bewegungsablauf kurz um mich zu konzentrieren. Beim Training streue ich aber bewusst ein paar Rhythmusrunden a la van Gerwen ein in denen ich die 3 Darts in durchgehender Bewegung abfeuere.
Ein tolles Hilfsmittel zum automatisieren des gesamten Bewegungsablaufes ist Musik, am besten einen stark rhythmusbetonten Song nehmen (ich nehme eher einen langsamen Groove). Dazu versuche ich die gesamten Bewegungen im Timing der Musik ablaufen zu lassen, und zwar erst einmal Half-Time und dann relativ dazu in der doppelten Geschwindigkeit.
Wurf überprüfen
Im Zeitalter von Smartphones / Tablets ist es ein leichtes, sich selbst beim Werfen aufzunehmen und kritisch zu hinterfragen. Bei meinem Tablet gibts eine Frontkamera mit der das Gerät als Art Spiegel misbrauchen kann. Eine hervorragende Perspektive zur Selbstkontrolle ist dabei die Froschperspektive direkt unterhalb des Wurfarms, das geht per Tablet oder per Spiegel der vor dem Oche auf den Boden oder einen Stuhl gelegt wird. Die typischen Fehler bei der Ausrichtung des Arms erkennt man damit wunderbar.
