Der sich verändernde Dartwurf - Fallbeispiel

  • Ich möchte mit dieser kleinen Geschichte die Schwierigkeiten aufzeigen, die bei der Veränderung des eigenen Wurfes auftreten können. Das ist mir deshalb wichtig, da hier im Forum auch oft die Fragen über die Dauer der Wurfveränderung, die Art der Wurfveränderung gestellt werden. Außerdem sollen diese Zeilen auch zeigen, dass manchmal die kleine Veränderung ein neues Problem schafft, und man doch die große Veränderung wählen muss.
    Wenn Spieler zu mir kommen, um ihren Wurf zu verbessern, sage ich immer: Veränderung des Wurfes bedeutet anfangs leistungsbezogen immer einen Rückschritt. Eine deutliche Veränderung des Wurfes macht auch ein neues Verankern der Wurfbewegung notwendig, und das kann ziemlich mühsam sein!

    Ich habe das heuer seit Winter in einem Selbstexperiment am eigenen Leib erfahren:

    Da ich in meinem Leistungsvermögen stagniert bin, habe ich versucht meinen Dartwurf zu optimieren. Nach dem Leistungsmodell (5D+ Dartscreen) habe ich einen recht stabilen Stand, eine stabile Schulter, einen stabilen Oberarm und eine passable seitliche Beschleunigung. Was bei mir Probleme verursachte, waren immer wieder die Wurfkonstanz und das geringe Bewegungsausmaß (vor allem durch einen relativ großen Ellbogenwinkel beim Start der Bewegung).

    Da Wurfkonstanz und Bewegungsausmaß korrelieren und gemeinsam eine wichtige Säule des erfolgreichen Wurfs ausmachen, hatte ich mir Anfang des Jahres 2019 vorgenommen, das Bewegungsausmaß zu optimieren. Da ich den Dart aber zur Mitte der Stirn gezogen habe, war es mir unmöglich das Bewegungsausmaß zu erhöhen, vor allem, da ich den Arm in der Bewegung bereits annähernd durchstreckte (Gelb hinterlegte Wurfaufnahme).

    Daher war es notwendig den Wurf dahingehend zu verändern, dass ich mit meiner Hand einen neuen Startpunkt suchen musste. Als ersten Schritt entschied ich mich, die Hand seitlich zur Stirn, Richtung meines dominanten Auges (Ich bin Linkshänder – links ist mein dominantes Auge), zu ziehen. Das hätte zwar dem Normwert genügt, hat aber nur bedingt Erfolg gebracht. Ich habe zwar erste Verbesserungen im Wurfbild bemerkt, allerdings störte mich, dass ich regelmäßig bei meiner Brille steifte und vor allem, dass beim Auslassen des
    Darts leichte krampfartige Empfindungen in der Nähe des Ellbogens (Ursprung der Fingerstreckermuskeln) nach und nach mehr wurden, und ich Bedenken hatte mir da etwas Problematisches heran zu züchten. Zudem wurde die Wurfkonstanz nicht besser, sondern schlechter (Wurfaufnahmen blau hinterlegt).

    Aus diesem Grund entschied ich mich zu einem deutlichen Schnitt mit meiner Wurftechnik Anfang Juli (grün hinterlegte Aufnahmen). Ich versuchte den Startpunkt weiter
    zu verändern. Diesmal zu einem komplett neuen Ziel, und zwar zur Schulter. Dieser Startpunkt bietet aus dem Blickwinkel, den Dart bis zum Release möglichst lange in der Hand zu halten, die größten Vorteile. Nachteil ist allerdings, dass diese Abweichung des Startpunktes eine komplett andere "Berechnung" des Wurfs darstellt. Nach einem ca. 14 Tage dauernden Abfall des Average um ca. 20 Punkte zeigten sich in den nächsten 14 Tagen die ersten Erfolge. Ich war noch lange nicht auf meiner Konstanz im Winter, aber es zeigt sich bereits, dass der Weg richtig war, bereits nach einer Woche nach Wurfstilwechsel hatte ich eine höhere Trefferquote bei 100 Würfen auf die 20 – und ich bin nie mehr zurückgefallen. Ebenso zeigten sich Verbesserungen beim Wurf auf Doppel.

    Die Wurfkonstanz (vor allem die vertikale Abweichung im Trefferbild - zeigt den unzureichend verinnerlichten Auslasspunkt) war aber katastrophal. Das zeigte sich auch frustrierend bei Liga-Spielen und Vereinsturnieren (Abweichungen über die D20 hinaus). Erst mit Anfang September nahm die Streuung deutlich ab (gut zwei Monate nach Umstellung) und die Verbesserungen im Vergleich zum Winter werden erkennbar.

    Quintessenz: Was will ich mit dieser Geschichte mitteilen? Es ist jedenfalls sinnvoll am eigenen Wurf zu arbeiten, es benötigt aber definitiv Zeit, Geduld und vor allem Vertrauen in die eigene Entscheidung!

    Zu den Abbildungen: Die Bilder zeigen Beschleunigungsmuster meines Wurfes (Kurve nach oben zeigt die Beschleunigung zum Board - Diese sollten möglichst geradlinig sein. Abweichungen nach rechts und links sind genau das in der Bewegung. eine möglichst deckungsgleiche Abbildung zeigt eine hohe Konstanz - es liegen 15 Würfe übereinander). Beim Wurf im November ist der Knick vorne eine seitliche Ausweichbewegung der Hand nach dem Loslassen des Darts. Die anderen Bilder zeigen die Veränderung des Wurfes an. Bild April kurz nach der Umstellung mit einem Rest des Ausweichbewegung. Bild im Juni: Die schlechtere Konstanz. Bild Anfang Juli: Eine Woche nach Start Beginn der neuen Bewegung leichte Ausweichbewegung am Ende. Bild Anfang August: Geradlinige und konstante Bewegung. Bild September: Geradlinigkeit weiter verbessert und ein erstmalig
    sehr zufriedenstellender Wert in der Wurfkonstanz.

  • Sehr guter Beitrag!

    Ich glaube aber das die wenigsten davon profitieren können. Zu sehr sind die Gedankenmuster verankert, dass eine Veränderung sofort im Ergebniss abzulesen ist.
    Ist das nicht der Fall, wird die Änderung sofort als schlecht abgestempelt.

    Vielleicht leistet der Beitrag Aufklärungsarbeit.

    Aber: Einen ähnlichen Beitrag habe ich auf meinem Youtbe Kanal gehabt, der nur mäßig lief. Unabhängig davon, ob es an meiner Präsentationsweise liegt, denke ich das der geneigte Dartspieler lieber Sachen hören möchte wie, "Mit diesem Dartsystem wirst du 30 Punkte mehr werfen".

  • Ich weiß nicht wievielen es noch so geht, aber ich habe große Mühe, dem Beitrag inhaltlich zu folgen und wenn ich solch eine Skizze von meinem Wurf hätte, ich könnte damit nichts anfangen.

    Ich habe auch ein Problem mit einem sich verändernden Wurf. Bei mir ist es so, dass der Dart in der Hand und der Ellenbogen in Wurfhaltung von mir aus gesehen eine Senkrechte bilden. Wenn ich da nicht konsequent darauf achte, wandert mein Ellenbogen mit der Zeit nach außen. Am Anfang macht sich das nicht bemerkbar, aber irgendwann doch und ich muß das wieder korrigieren.

  • Danke für euer rasches Feedback.
    @Mischka: Ob es "besser" ist, nicht zur Stirn zu ziehen, möchte ich nicht bewerten. Fakt ist, dass sich das Bewegungsausmaß nur bedingt zu einerem spitzeren Ausholwinkel verändern lässt. Es müssen aber nicht alle Faktoren immer einer Norm genügen. Was mich angeht, ich habe beim Zug bis zur Stirn ca. 65° Startwinkel im Ellbogen geschafft (zum Auge etwas weniger) und komme jetzt auf 50°. Aber es gibt definitiv Top und sehr gute Spieler, die den Ausholwinkel größer haben.


    dartblog: Danke auch für Deine Rückmeldung. Ich weiß, dass Du das bereits mehrmals (im Forum und in Deinen Videos) erwähnt hast. Ich sehe das recht entspannt, wer möchte der kann, und wer nicht möchte/kann, der muss auch nicht. ...und so nebenbei: An Deiner Präsentation liegt es sicher nicht, die ist top!


    Horst: Das kann ich nachvollziehen. Es lässt sich auf die Quintessenz zusammenfassen. Bzgl. Abbildung: Ich versuche es etwas deutlicher zu formulieren: Die Skizze ist nur als Anhaltspunkt gedacht. Der (nicht realistische) Idealzustand wäre eine gerade Linie über der Quer-Achse: Also geradlinige Beschleunigung Richtung Board. Jede Abweichung zeigt Unregelmäßigkeiten in der Beschleunigung. Dadurch lassen sich kleine, sehr schnelle und somit nicht sichtbare Bewegungen deutlich visualisieren.Bzgl. Deines Wurfs: Die Ermüdung (muskulär und von der Konzentration her) verändert den Wurf definitiv. Wenn Du dich aber bewusst in eine Position zwingen musst, dann ist das entweder (noch) nicht verinnerlicht, oder zumindest zu hinterfragen. Beeinflusst diese kleine Ellbogenbewegung auch Dein Trefferbild?

    Dartwurfanalyse und Training | Bücher: H.Jansenberger, 2019: Darts-Sport, 2022: Techniktraining Darts-Sport

    Einmal editiert, zuletzt von Hummel (25. September 2019 um 15:24)

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