Für mich hat das ganze ein ziemliches Geschmäckle und zwar von einem übergeordneten Betrachtungspunkt aus.
Hier bricht sich m.E. ein Zwang zu tugendhaftem Verhalten Bahn, der den Gesundheitsaspekt als Totschlagargument verwendet. Ich halte es für urdemokratisch und zwingend erforderlich, eine Haltung einzunehmen, die beinhaltet "lieber Mitmensch, Dein Verhalten passt mir zwar (ideologisch) nicht, aber ertragen tue ich es trotzdem und das mit Stolz und Absicht".
Es ist gerade das Kennzeichen von ideologischen Diktaturen, bestimmte Themen als "heilig" zu setzen und jeden Andersdenkenden und Andershandelnden unerbittlich zu verfolgen. Und genau dieses Verhalten zeichnet sich für mich hier am Horizont ab. Eine relativ kleine Minderheit (60% Pro Rauchverbot bei 30% Wahlbeteiligung sind grob 20% absolut) agiert als pressure Group und stülpt der schweigenden Mehrheit ( der das Thema nicht so wichtig ist) ihre reine Ideologie über. Und erzwingt so "tugendhaftes" Verhalten. Man fragt sich, was im Windschatten der Volksgesundheit als nächstes kommt, kein Branntwein mehr? Kein Schweinfleisch, am besten gar kein Fleisch mehr? Zwangsjoggen bei zu hohem BMI? Und das alles natürlich nur, weil es ja einer vernünftigen, gesunden Lebensführung dient.
Nur mal so als Hinweis, während der französchischen Revolution gab es da einen "Tugendausschuss" als höchste ideologische Instanz. Dessen Vorsitzender, ein gewisser Maximilian de Robbespierre hat ca. 30.000 untungendhafte Menschen öffentlich Köpfen lassen. Öffentliches Köpfen ist - glücklicherweise - heutzutag in Westeuropa nicht mehr üblich, aber die heutigen Tugendwächter haben schon einen Hang zur "öffentlichen Verbrennung ihrer Gegner auf einem Medialen-Scheiterhaufen"!
Es muss in einer offenen und freien gesellschaft möglich sein, sich untugendhaft zu verhalten, unvernünftig zu sein, Vorurteile haben zu dürfen, nicht jeden Mitmenschen automatisch akzeptieren zu müssen, politisch inkorrekt zu denken und auch zu handeln. Menschen sind keine Massen von homogenen Ameisen, die alle das gleiche Verhalten an den Tag legen. Eine solche Homogenisierung des menschlichen Verhaltens ist eines der deutlichsten Kennzeichen der Diktaturen im 20 Jahrhundert gewesen. Wir wollen uns doch nicht schleichend auf diese schiefe Bahn begeben?
Gruß Kai
(PS: ich rauche keine Zigaretten und öffentlich gleich 2x nicht)