Was hat sich in der Fussball Bundesliga in den letzten 50 Jahre verändert?
Meiner Meinung nach sehr wenig. Und die Beliebtheit hat sich auf hohem Niveau sogar gesteigert.
Du weißt aber schon, dass es noch bis in die frühen 90er Jahre gang und gäbe war, dass Bundesligaspiele auch gerne vor gerade mal 10 bis 15.000 Zuschauern stattgefunden haben? Und das lag zum großen Teil nicht daran, dass die Stadien nur solche Besucherzahlen zugelassen hätten. Das war alles, aber kein "hohes Niveau" angesichts der Tatsache, dass Fußball auch schon vor Gründung der Bundesliga mit Abstand die Sportart Nr. 1 war. Signifikant besser war's lediglich für ein paar Jahre nach der Gründung und dann noch mal nach der WM '74.
Traditionsfans hören das nicht gerne, aber dass die Bundesliga heutzutage 'nen dauerhaften Schnitt von über 40.000 hat statt wie damals um die 20.000 (von der TV-Präsenz reden wir erst gar nicht), liegt zu einem großen Teil an der Eventisierung der Präsentation des Fußballs und dass man damit den Sport den "echten" Fans zu einem guten Stück weggenommen hat. Deshalb versuchen heutzutage auch fast alle anderen Sportarten es genau damit. Und das hat bei weitem nicht nur was damit zu tun, ob es nun Playoffs gibt oder nicht. (Der Klassiker ist ja, die einzelnen Wettkämpfe zu verkürzen - wer würde heute noch ernsthaft vorschlagen, den Biathlon-Weltcup wieder größtenteils mit 15/20-km-Einzelrennen zu bestücken?) Mit Livesport wie in den 1980ern holt man heute niemanden mehr von der Playstation oder dem aktuell gerade angesagten Streamingdienst weg, und zu glauben, das hier:
Beim Tischtennis haben jedenfalls alle Änderungen um Publikum zu ziehen/halten, nur gegenteiliges bewirkt.
wäre eine korrekte Beschreibung von Ursache und Wirkung, halte ich ehrlich gesagt für ziemlich weltfremd. Ohne das, was dort geändert wurde, würde man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit inzwischen vor noch weniger Leuten spielen. Aber du kannst gerne weiter daran glauben, dass es nur eine untergeordnete Rolle spielt, dass die Menschen heutzutage zigfach mehr Auswahl haben als vor 40 Jahren, mit welchem Entertainment sie ihre Freizeit ausfüllen wollen, aber die Menge an Freizeit für die allermeisten Nichtrentner sicherlich nicht größer geworden ist.
Darts würde interessant durch Bristow, und gewann an Popularität unter Dauersieger Taylor, nichts mehr und nichts weniger.
Van Gerwen hat seine Rolle einige Zeit übernehmen können, aber zur Zeit zeichnet sich eine Periode mit viel wechselnden Sieger ab. Immer mehr Spieler können kurzzeitig das allerhöchste Level spielen, was sie ermöglicht "bessere" Spieler zu schlagen. Solche Überraschungen sind als Prise Salz in der Suppe gut, aber zuviel davon schadet. In der Niederlande sehe ich momentan das Interesse ganz klar zurück gehen.
Erfolgsfans halt. Konnte leider nicht ewig so weitergehen, dass ein Niederländer so viel abräumt, was an Titeln zu holen war. Das ist doch eine völlig normale Entwicklung, wenn Länder, die im Kontext einer Sportart historisch "klein" sind, plötzlich ein dominantes Zugpferd haben und dann irgendwann nicht mehr. Die knapp 15 Jahre Tennisboom in Deutschland waren auch nichts anderes. Wenn wir in Deutschland auf einmal einen Nr.1-Golfer hätten (längerfristig, nicht nur eine Eintagsfliege wie Kaymer), würde man das auch sehr deutlich merken. Sobald der dann nur noch Normalo-Niveau abliefert, ginge das Interesse wieder zurück. Aber auch nicht komplett runter auf das Niveau von vor der Boomphase, weil so was natürlich auch immer einen Kern von dauerhaften Fans generiert, den die Sportart vorher nicht hatte.
Auch im Darts wird es in Deutschland businessmäßig nicht endlos weiter nach oben gehen, und das wird sicherlich auch die PDC wissen und antizipieren. Derzeit versucht man halt, den Sport so groß zu machen, dass man dann auf einen solchen Fankern zählen kann. Damit sollte man auf einem guten Weg sein, und dass das überhaupt ohne einen echten Spitzenspieler funktioniert, ist ziemlich beeindruckend. (Ähnlich läuft das ja eigentlich nur bei der NFL gerade - wohl nicht ganz zufällig auch eine Sportart, bei der der Eventcharakter extrem ausgeprägt ist.)
Ich würde im übrigen trotzdem mal behaupten, dass die PDC in den Niederlanden immer noch deutlich mehr Umsatz generiert als es die BDO/WDF zu Barneys besten Zeiten je getan hat, und das auch absehbar so bleiben wird, eben weil es auch da nun diesen Fankern gibt. Außerdem ist Darts in den Niederlanden rein sportlich betrachtet auch abseits von MvG exzellent aufgestellt, so dass es nun wahrlich nicht unwahrscheinlich ist, dass das Interesse auch schnell wieder hochgehen kann. Worauf deine Kassandrarufe fußen, erschließt sich mir daher ehrlich gesagt nicht.