Spieler in der Formkrise

  • Ich würde gerne mal über ein Thema sprechen, das mich immer wieder beschäftigt. Große Namen, die in der Weltrangliste immer weiter abrutschen und vielleicht sogar die Tourcard verlieren könnten. Spieler auf dem gleichen Weg wie Adrian Lewis, Simon Whitlock oder Mensur Suljovic. Aber auch Spieler, die aus den Top 16 gerutscht sind und wie Gary Anderson, James Wade oder Stephen Bunting wieder dorthin zurückkehren konnten. Spieler in der Krise und deren Chancen, aus dieser Krise auszubrechen.


    Gabriel Clemens:

    Ich starte gleich mit dem deutschen Spieler, den man als einzigen Spieler in diese Liste setzen kann. Prinzipiell ist Gaga seit über einem Jahr in der Order of Merit im freien Fall. Mit dem Wegfall der direkten Quali für alle deutschen ET Turniere und dem Fall aus den Top 32 der Pro Tour, gibt es für ihn außer den PC Turnieren kaum Möglichkeiten Preisgeld zu sammeln. Und auch dort läuft es nicht besonders gut. Der Average ist zwar meistens gar nicht mal so schlecht, aber die Siege bleiben trotzdem aus. Er sollte sich bestenfalls mindestens für die WM qualifizieren, um im nächsten Jahr nicht um die Tourcard kämpfen zu müssen.

    Mein Ausblick: Gaga wird auf absehbare Zeit nicht wieder in die Top 32 zurückkehren, aber auch den Verlust der Tourcard sehe ich noch nicht am Horizont.


    Michael Smith:

    Der Bully Boy ist inzwischen aus den Top 16 der Main Order of Merit und der Pro Tour gefallen und hat sich nicht für das World Matchplay qualifiziert. Wer hätte das vor zwei Jahren gedacht? Wie bei Gaga scheint zwar hin und wieder das Talent in manchen Matches durch, aber die Konstanz ist vollkommen abhanden gekommen. Dazu kommt eine körperliche Einschränkung und meiner Meinung auch ein mentales Problem, das er lösen muss. Ähnlich wie Aspinall vor einem Jahr, kämpft er mit seinem Körper. Die Frage wird sein, ob er es auch schafft, die Wende wieder einzuläuten oder ob wir hier einen Werdegang wie bei Adrian Lewis erwarten können.

    Mein Ausblick:

    Ich denke, dass der Bully Boy die Sommerpause nutzen soll, um seinem Körper Zeit zur Regeneration zu geben. Er ist einer der talentiertesten Spieler auf der Tour und ich denke, dass er wieder in die Top 16 zurückkehren wird. In Reichweite der Premier League sehe ich ihn aber nicht mehr.


    Dimitri van den Bergh:

    Auch hier ein mehrfacher Major Champion, der inzwischen selbst in der Pro Tour vollkommen aussichtslos abgeschlagen ist. Dimi hat im nächsten Jahr ein hohes Preisgeld zu verteidigen und Stand heute sehe ich keinen Weg, wie er das umsetzen könnte. Er hat ein großes Talent, aber der Kopf ist derzeit nicht da. Daran hat auch seine kurze Pause nichts geändert. Er ist derjenige, dem ich aktuell die größte Krise zuschreiben würde.

    Mein Ausblick:

    Dimi wird im nächsten Jahr den Top 32 der Order of Merit fallen. Wie bei Gaga wird er sich für jedes Turnier der ET qualifizieren müssen. Das sehe ich einfach nicht. Sofern die mentale Blockade nicht wie durch ein Wunder wegfällt, sehe ich bei ihm in den nächsten Jahren auch die Tourcard gefährdet.

  • Wen ich da auf jeden Fall leider auch noch mitreinnehmen würde ist Joe Cullen, gerade wenn man schaut wo auch er noch vor ein paar Jahren stand und in was für unglaubliche Matches er da teils verwickelt war.

    Aus Fansicht ist dieser Absturz mindestens genauso schwer zu verkraften. Es tut generell schon weh so viele seiner Lieblingsspieler auf der Tour inzwischen so abschmieren zu sehen.

    Und der nächste Fall bahnt sich mit Chizzy leider auch schon irgendwie an ;(.

  • Bei Dimi mache ich mir wirklich Sorgen, denn der World Cup war eigentlich genauso schlecht vom Gefühl her, wie die ETs: Viele Ausreißer(vor allem der erste Dart) in die 1. Klar, Mike De Decker war auch nicht gut, vor allem gegen die Philippinen, aber bei ihm sieht man häufig gute Spiele, obwohl er nicht überragend in Form ist. Bei Dimi waren die ersten beiden PC Matches nach der Pause gut, danach war eigentlich alles, wie vorher. Wenn er nicht dieses Jahr bei der WM, die übrigens das einzige verbliebene Major Turnier dieses Jahr sein könnte, oder bei den PCs abliefert, dann muss er nächstes Jahr evtl um die WM zittern. Was mich auch stört ist, dass er beim WC und bei den UK Open schwach war, dabei war er eigentlich immer bei den Majors klar besser als sonst. Das World Masters war wirklich sehr gut, aber das war halt auch Ende Januar/Anfang Februar. Dimi kann, wenn er sein Spiel findet und wenn er weniger Pausen zwischen den Würfen macht, wirklich viel Spaß machen. Aber abwarten, denn bei ihm sehe ich die Chance, dass er sich spätestens nach der nächsten WM wieder fängt und zumindest wieder deutlich besser spielt. Ob er so einen Turnaround schaffen könnte wie Aspinall dieses Jahr, weiß ich nicht, denn Aspinall war dann doch letztes Jahr nicht ganz so schlecht, auch, wenn die Ergebnisse ausgeblieben sind

  • Ich werfe mal Dirk van Duijvenbode in die Runde. Man kann vielleicht streng genommen nicht von einer Formkrise sprechen, aber eigentlich sind sowohl seine Platzierung in der OoM als auch seine Ergebnisse insbesondere auf der Bühne für sein grundsätzliches Potenzial zu wenig. Die Schwankungen zwischen Weltklasse und Hobbydarter sind bei ihm zum Teil echt atemberaubend.

  • Ich werfe mal Dirk van Duijvenbode in die Runde. Man kann vielleicht streng genommen nicht von einer Formkrise sprechen, aber eigentlich sind sowohl seine Platzierung in der OoM als auch seine Ergebnisse insbesondere auf der Bühne für sein grundsätzliches Potenzial zu wenig. Die Schwankungen zwischen Weltklasse und Hobbydarter sind bei ihm zum Teil echt atemberaubend.

    Ich finde nicht, dass man ihn dazu aufzählen kann, denn: Er wäre stand jetzt für jedes Ranking Major(abgesehen Grand Slam) qualifiziert, was letztes Jahr nicht so war(kein Matchplay, GP und GS). Dazu hat er ja gegen Ende letzten Jahres schon aufgezeigt, dass mit ihm zu rechnen ist (PCF Halbfinale). Außerdem ist er bei den PCs eigentlich immer gefährlich und hat 1 Finale erreicht. Dazu war er auch schon 2 Mal in der letzten Session auf der ET. In der Year-to.date Rangliste ist Dirk auf Platz 17 vor einem MvG, Nijman, Joyce, Cross, MdD,... Platz 17 beschreibt eigentlich auch seine aktuelle Situation ganz gut: Oft gute erste Spiele, bloß fehlt noch der letzte größere Run, der definitiv noch kommen wird.

  • Ich würde bei van Duijvenbode auch eher darauf setzen, dass er seinen „Tiefpunkt“ überwunden hat und in den nächsten Monaten in der Order of Merit wieder nach oben klettern wird.

    Ja, seine Leistungen schwanken zwischen Hobbydarter und absoluter Weltklasse, aber das ist eine deutliche Steigerung gegenüber dem letzten Jahr, in dem er kaum ein ganzes Match in der letzteren Kategorie zusammengebracht hat. Die Anzahl seiner richtig guten Spiele, nehmen in diesem Jahr wieder zu. Er ist meiner Meinung nach auf dem richtigen Weg. Ob er nochmal Richtung Top 10 greifen kann, wird sich zeigen. Ich würde es ihm aber zutrauen, es zu schaffen.

    Da würde ich eher noch Peter Wright in den Raum werfen, der nach der European Championship nochmal gehörig an Preisgeld verliert. Bei ihm schwanken die Leistungen auch zwischen Weltklasse und Hobbydarter. Aber im Gegensatz zu van Duijvenbode nehmen bei ihm die schlechten Leistungen in der Häufigkeit immer weiter zu.

  • Ein Name wo man auch nie weiß wo es hingeht ist Peter Wright. Er ist der wohl sympathischste Spieler von allen und ich würde mir sehr wünschen, dass er wieder gute Ergebnisse einfährt aber die Kurve zeigt seit geraumer Zeit nach unten. Er wird nach der WM, je nachdem wie sie läuft, aus den Top 20 fallen. Aber am Ende ist es wieder typisch, dass er eine gute WM spielt. Ich bin sehr gespannt und wünsche mir ihn noch eine ganze Weile auf der Tour zu sehen.

  • Stimme in allem Gelesenen zu, außer Dirk.

    Mein erster Call ist Jose de Sousa. Da kommt leider nur noch erschreckend wenig. Ich fürchte, dass die TourCard ganz schnell weg sein wird ...

    Stimmt guter Call, Jose de Sousa geht in der Diskussion tatsächlich irgendwie komplett unter, aber bei ihm war das irgendwie ein länger anhaltender Prozess, und vor allem wurde in den letzten Jahren immer ersichtlicher, dass er von den Coronazeiten tatsächlich irgendwie etwas profitiert hat bzw. und es ihm dabei auch eine wenig in die Karten gespielt hat um seinen absoluten Peak zu erreichen.

    Bei Dirk und Peter gehe ich hingegen nicht mit, denn Dirk ist nach seiner Verletzung wieder am Kommen und Peter sollte man nach den Erfahrungen der letzten Jahre, wo man ihn quasi schon vor seinem EM-Titel vor knapp 2 Jahren, dem European Tour Erfolg in Hildesheim letztes Jahr und nicht zuletzt bei der vergangenen WM bereits dreimal nahezu komplett abgeschrieben hat schon noch zutrauen sich mit entsprechenden Resultaten weiter oben zu halten, was ich bei den Herren Smith, Dimi, Cullen und Chizzy aktuell leider überhaupt nicht sehe.

  • Ein Name wo man auch nie weiß wo es hingeht ist Peter Wright. Er ist der wohl sympathischste Spieler von allen[…]

    Da werden einige aber entschieden widersprechen, besonders außerhalb Deutschlands.


    Mein Gedanke war Huybrechts, die Top 32 sind in weiter Ferne. Dieses Jahr profitiert er häufiger von seiner setzlistenposition bei den Qualifiern.

    Aber auch wenn er relativ eng in den WM Cutoffs ist, sehe ich Kim nicht als einen Kandidaten, der allzu bald die Karte verliert. Ich schätze, er wird sich um Platz 50 herum festbeißen, sollte es nicht weiter nach oben gehen. Irgendwas kommt da immer.

  • Ich schrieb ja, dass es bei van Duijvenbode vielleicht nicht die klassische Formkrise ist. Dann ist er meinetwegen eben aktuell "hinter den Erwartungen". Seine Verletzung ist jetzt rund zwei Jahre her und auch wenn ich weiß, dass so etwas sehr langwierig und unangenehm sein kann, dürfte die derzeitige Situation auch nicht seinen eigenen Ansprüchen genügen. Zudem vermisse ich bei ihm auch den nächsten Entwicklungsschritt, vor allem auf der Bühne. Mir ist er nach wie vor viel zu emotional und hibbelig während eines Matches - vor allem in weniger guten Phasen.

  • Ein sehr interessanter Thread...:thumbup:

    Die ersten drei Sorgenkinder sind dann gleich mal alles WM-Halbfinalisten von der WDC'23, da sieht man wie schnell es gehen kann.

    Ein potenzielles Sorgenkind sehe ich noch in dem vierten Halbfinalisten von '23, Michael van Gerwen.

    Im Year-to-Date steht er aktuell auf Platz 25, er braucht nun bei den Majors ein paar ordentliche Resultate, sonst verfestigt sich der Trend immer mehr.

    Mir fehlt bei Ihm die Ausstrahlung auf der Bühne, die er einst hatte, es wirkt alles nicht mehr so locker leicht wie in seiner Prime.

    Die Trennung von seiner Frau verbunden mit den Turnierabsagen hat Ihm natürlich auch nicht weitergeholfen.

    Sein bester Kumpel Vincent van der Voort macht sich auch Sorgen um Ihn, hat Ihn neulich in einem Interview als "wandelnde Leiche" bezeichnet.

    Ich denke es wird interessant sein wo die Reise bei Ihm hingeht in den nächsten Jahren, ob er nochmal an sein altes Niveau rankommt und vielleicht sogar den vierten Stern holt oder es weiter bergab geht und er vielleicht sogar wirklich mit 40 seine Karriere beendet, so wie er es früher mal angekündigt hat.

    Edited 2 times, last by DanDarts501 (July 20, 2025 at 1:07 AM).

  • Ich werfe mal Dirk van Duijvenbode in die Runde. Man kann vielleicht streng genommen nicht von einer Formkrise sprechen, aber eigentlich sind sowohl seine Platzierung in der OoM als auch seine Ergebnisse insbesondere auf der Bühne für sein grundsätzliches Potenzial zu wenig. Die Schwankungen zwischen Weltklasse und Hobbydarter sind bei ihm zum Teil echt atemberaubend.

    Ich finde DvD war in der Hinsicht doch viel eher letztes Jahr ein Thema? Dieses Jahr kommt er mir wieder deutlich gefestigter vor.

    Aber ich sehe in ihm auch grundsätzlich keinen Spieler, der definitiv Major Sieger wird sondern eher nen Spieler der zwischen 10-20 auf der OOM pendelt also genau da wo er im Year to Date Ranking auch steht. Wenn man sich genau dieses Ranking anguckt sehe ich auch keinen Spieler außer menzies (und fairerweise wahrscheinlich auch Schindler) wo ich sagen würde, ja da muss DvD davor stehen.

    Edited once, last by jazunine (July 19, 2025 at 9:27 AM).

  • Bei MvG sehe ich das weniger als Formkrise denn als Lebenskrise.

    Wenn ich das richtig mitbekommen habe war das seine Jugendliebe, er kennt also nichts anderes.

    Da bricht dann mal recht schnell dein ganzes Leben auseinander. Und wenn du es dann finanziell nicht nötig hast drei Pfeile geradeaus zu werfen wird das ganz schnell zum unwichtigsten in deinem Leben. Zumal wenn du da eh schon alles erreicht hast.

    ehemals links, jetzt rechts

    bekennender James Wade Fan

  • M. Smith / Lewis / Anderson:

    Enormes Talent trifft auf (Trainings-)Faulheit. In Zeiten, wo das Niveau auf der Profitour immer höher wird, reicht Talent alleine nicht mehr aus für absolute Top-Platzierungen. Anderson hat nach dem Absturz in die 20er-Ränge der OoM wohl erkannt, dass er mehr machen muss um weiterhin mitzuhalten. Lewis hat dies nicht bzw. zu spät begriffen. Bei Smith ist es für mich derzeit noch offen, ob er eher Andersons oder Lewis' Weg gehen wird.

    de Sousa / Clemens

    Das sind keine Formkrisen. Diese Spieler wurden durch vereinzelte Leistungs-Ausreisser in der OoM nach vorne gespült und sind jetzt wieder dort, wo sie vorhin schon waren und wo sie letztlich auch hingehören.

    Wade

    Wade stand fast 20 Jahre lang immer in den Top 10 der OoM. Und jetzt, da viele bereits seinen Untergang ankündeten, wird er sich vermutlich bis Ende Jahr abermals in eben jene Top 10 vorspielen. Er mag vielen Fans unsymphatisch sein, aber es ist anzuerkennen, dass er seit vielen, vielen Jahren einfach sehr konstant gute Darts spielt. Formkrise sieht für mich anders aus.

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