Springer hat großes Potential, aber letztendlich ist entscheidend, wie er dieses am Board umgesetzt bekommt.
Er hat dieses Wochenende ein sehr gutes Turnier gespielt, er hat sich schon mehrfach in der schwierigen TCH Quali zur ET durchgesetzt und bei den PC Turnieren in der 1. Runde schon mehrere Top Spieler geschlagen.
Aber er ist bei den PC Turnieren danach auch meistens sehr schnell rausgeflogen. Es ist gut, dass er dort meistens die 1. Runde übersteht und sich damit regelmäßig ins Preisgeld spielt. Aber er fliegt danach häufig früh gegen Spieler raus, wo er sich doch häufiger durchsetzen sollte, als es bisher der Fall war.
Es ist auch schön, dass er einen AVG von 95 und seit Mai von 96 spielt. Aber der beste AVG nutzt nur wenig, wenn man Probleme beim Checkout hat.
Bis auf dieses Wochenende hat er es meist nicht zusammenbekommen und dann ist es schwierig, Spiele zu gewinnen.
Hempel sagte ja zurecht, dass Niko sich durch diese Check-Probleme schon häufig nicht für eigentlich gute Spiele belohnt hat. Und das sehen und sagen wir ja auch regelmäßig.
Das Wochenende von Rosmalen muss für Springer der Maßstab und eigenen Anspruch sein (was auch der Fall sein wird).
Er muss beides unter einem Hut bringen, denn nur das kann ihn auf Strecke richtig nach vorne bringen.
Man sollte nun abwarten, wie er diese Leistungen konservieren kann und ihm auch als TCH Neuling weiterhin die Zeit zur Entwicklung geben.
Wie ich letztens schon schrieb: Ich erwarte von Springer mit dessen Potential schon, dass er bei PC Turnieren häufiger mal bis ins Achtel- oder Viertelfinale verstößt, vor allem, weil bei diesen Turnieren regelmäßig mehrere Top Spieler fehlen.
Wenn er dafür ab und an in der 1. Runde rausgeht, wäre das im Rahmen der Entwicklung normal.
Ich finde, man tut ihm und seiner eigenen Erwartungshaltung keinen Gefallen, wenn man nach dem ersten wirklich konstant starken und erfolgreichen Turnier auf der Pro Tour direkt von einem schnellen Aufstieg in die Top 16, von Deutschlands schnell kommender neuen Nr. 1 und einem möglichen WM Titel fabuliert.
Und bei einer WM muss man halt nicht nur Glück haben, dass die Lukes ausgeschalten werden oder er einen oder beide selbst schlägt. Da gibt es noch ganz, ganz viele andere Top Spieler, an denen man erst mal vorbeikommen muss und regelmäßig kommen neue Sternchen am Himmel dazu und in den nächsten 3 Jahren werden auch wieder Spieler dazu kommen, die riesiges Potential haben, so wie es in den letzten Jahren eben z. B. Spieler wie Rock, van Veen, Littler, Springer oder Nijman waren, der bei der letzten WM für etliche Experten schon ein Dark Horse war, dann aber direkt die Segel streichen musste.
Man sollte die Trauben nicht so hoch hängen und die Sache organisch wachsen lassen und Step by Step angehen. Und wenn er mehrere Schritte auf einmal macht und sich bei einer WM recht schnell weit nach oben spielen kann und sich dort ziemlich konstant halten kann, wie es z. B. bei Aspinall damals der Fall war (Cross und Littler lass ich mal außen vor, da die direkt den Titel holten bzw. ins Finale kamen), hätte auch keiner was dagegen .
Für die Entwicklung von Springer hoffe ich aber, dass er seine Art etwas ändert. Ich finde, er muss da etwas weniger devot sein.
Er hat die TC, spielt auf der Tour, spielt dort, um Spiele zu gewinnen und erfolgreich zu sein. Wie alle anderen Spieler auf der Tour auch.
Dann finde ich es unpassend, wenn er sich nach jedem Sieg von der Geste her beim Gegner noch dafür entschuldigt, dass er ihn geschlagen hat. Oder dass er sich beim Publikum von der Gestik her dafür entschuldigt, dass er einen heimischen Spieler rausgeworfen hat (wie gestern nach dem Spiel gegen Nijman).
Es ist gut und spricht für den Charakter, wenn man fair spielt. Und wenn man Größe in der Niederlage und auch im Sieg zeigt. Aber man braucht sich nicht kleiner machen als man ist und sich ständig nach einem Sieg devot beim Gegner dafür entschuldigen, dass man ihn bezwungen hat. Respekt zollen und Größe zeigen ist eine tolle Eigenschaft, aber das geht mir doch zuweit.